Viele Feuerwehreinsätze wegen Fehlalarmen
Deutschlands Feuerwehren werden jedes Jahr zehntausendfach zu Einsätzen gerufen, obwohl keine akute Gefahr besteht. Häufig lösen automatische Brandmeldeanlagen Alarm aus, obwohl weder ein Feuer noch eine andere bedrohliche Lage vorliegt. Solche Fehlalarme binden Personal und Fahrzeuge – und sie können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Hilfe bei echten Bränden oder Unfällen später eintrifft. Entsprechend wächst der Ärger bei vielen Feuerwehren.
Wie groß das Problem ist, zeigen Zahlen aus mehreren Bundesländern. In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr 29.494 Einsätze vor Ort als Fehlalarm bewertet, wie das Innenministerium mitteilte. Rund 60 Prozent davon gingen auf automatische Brandmeldeanlagen zurück, die etwa durch Wasserdampf oder Staub ausgelöst worden waren.
Unterschiede in den Regionen
Auch anderswo ist die Zahl hoch. In Frankfurt am Main registriert die Feuerwehr nach eigenen Angaben jedes Jahr etwa 4.800 Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen. Tatsächlich brannte es dabei nur in etwa drei Prozent der Fälle. Im thüringischen Stadtroda gab es 2025 insgesamt 32 Fehleinsätze bei insgesamt 136 Alarmierungen.
In Bayern zählte der Landesfeuerwehrverband für 2024 rund 19.200 Fehlalarme. In München meldeten die dortigen 4.696 Brandmeldeanlagen vor zwei Jahren insgesamt 8.547 mögliche Brandereignisse. Nur in 1.375 Fällen musste tatsächlich ein Feuer bekämpft werden. Für das vergangene Jahr liegen vielerorts noch keine vollständigen Daten vor.

Welche Technik betroffen ist
Gemeint sind fest installierte Brandmeldeanlagen, die oft wegen baurechtlicher Vorgaben oder auf Wunsch von Versicherungen eingebaut werden müssen. Anders als Rauchmelder in Wohnungen sind diese Systeme meist direkt mit einer Leitstelle verbunden. Sobald sie auslösen, wird die Feuerwehr automatisch alarmiert und fährt zur Kontrolle an den Einsatzort.
Oft stellt sich dort heraus, dass kein Brand vorliegt. Jonas Schwering, Leiter des Bereichs Vorbeugender Brandschutz in Frankfurt, bezeichnet das Ausmaß als erheblich. Nach seiner Einschätzung sind etwa 96 bis 97 Prozent der Alarmierungen Fehlalarme.
Mehr Anlagen, mehr Fehlmeldungen
Nach Einschätzung von Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband Bayern dürfte die Zahl weiter steigen. Der Grund: Mit neuen Bauprojekten nehme auch die Zahl der installierten Brandmeldeanlagen bundesweit stetig zu. Damit wachse automatisch auch die Zahl möglicher Fehlmeldungen aus unterschiedlichsten Ursachen.
Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes verweist allerdings darauf, dass die meisten Anlagen unauffällig arbeiten. Etwa fünf Prozent der Gebäudeanlagen seien jedoch für rund 30 Prozent aller Fehlalarme verantwortlich. Sowohl echte Brände als auch Fehlalarme blieben insgesamt seltene Einzelereignisse.
Belastung für Einsatzkräfte
Besonders problematisch ist das für die vielen ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. Weiß warnt, dass häufige Fehleinsätze die Motivation beeinträchtigen können – vor allem dann, wenn sich vor Ort immer wieder zeigt, dass kein Eingreifen nötig ist. Zudem fehlen die Kräfte während solcher Einsätze an ihren eigentlichen Arbeitsplätzen, was auch für Arbeitgeber eine Belastung ist.
Je nach Bundesland können für unnötige Einsätze unterschiedlich hohe Gebühren anfallen. Grundsätzlich sind Eigentümer gesetzlich verpflichtet, ihre Brandmeldeanlagen warten zu lassen. Schwering sagt jedoch, dass gerade bei großen Objekten die Kosten offenbar oft nicht ausreichen, um die Ursachen der Fehlalarme konsequent zu beseitigen. Nach seiner Wahrnehmung würden Gebühren mancherorts eher in Kauf genommen, statt technische oder organisatorische Probleme anzugehen.
Das baden-württembergische Innenministerium betont hingegen, dass es auch aus wirtschaftlicher Sicht im Interesse von Betrieben liege, Fehlalarme möglichst zu vermeiden – etwa um Räumungen, Betriebsunterbrechungen und Einsatzkosten zu verhindern.
Welche Lösungen diskutiert werden
Fachleute wie Schwering wollen nun Vorschläge erarbeiten, wie die Zahl der Fehlalarme gesenkt werden kann. Diskutiert wird unter anderem, ob wirklich jede Brandmeldeanlage direkt an die Feuerwehrleitstelle angeschlossen sein muss – oder ob dies nur für besonders sensible Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime nötig sein sollte.
Bei Gebäuden, die rund um die Uhr von Personal besetzt sind, etwa Hotels oder größere Verkaufsstätten, könne man aus Sicht der Experten hinterfragen, ob eine automatische Aufschaltung zur Feuerwehr in jedem Fall sinnvoll ist. Denkbar wäre, dass zunächst der Betreiber selbst die Lage prüft und erst bei tatsächlicher Gefahr die Feuerwehr alarmiert. Schwering kritisiert, dass Feuerwehren derzeit oft faktisch als reine Erkundungseinheit genutzt würden. Das sei nicht ihre eigentliche Aufgabe.
Gleichzeitig plädiert er dafür, Brandmeldeanlagen technisch weiterzuentwickeln, damit sie weniger anfällig für Fehlmeldungen werden. Dabei könne auch Künstliche Intelligenz eine Rolle spielen. Trotz aller Kritik sei die Brandmeldeanlage grundsätzlich ein wichtiges Instrument, weil sie im Ernstfall sehr früh die Alarmkette in Gang setze.
Unabhängig davon bleibt für die Behörden ein Grundsatz bestehen: Wer in gutem Glauben einen Notfall vermutet, sollte lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Notruf wählen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion