Vorfall in Modena: Schwer verletzte Deutsche ist 69 und kommt aus Rheinland-Pfalz
Nach der Fahrt eines Autos in eine Fußgängergruppe im Zentrum von Modena ist mehr über die deutsche Verletzte bekannt geworden. Nach Angaben des Bürgermeisters Massimo Mezzetti gehört auch eine Deutsche zu den vier Menschen, die schwere Verletzungen erlitten haben. Wie der Opferbeauftragte der Mainzer Landesregierung, Detlef Placzek, der Deutschen Presse-Agentur sagte, handelt es sich um eine 69-Jährige aus dem Süden von Rheinland-Pfalz. Eine nahe Verwandte ist demnach auf dem Weg zu ihr.
Neben der Deutschen wurde laut Behörden auch eine Frau aus Polen schwer verletzt. Medienberichten zufolge werden beide in einem Krankenhaus in Modena behandelt.
Auto raste mitten am Tag in Passanten in der Altstadt
Der Vorfall ereignete sich am Samstagnachmittag im historischen Zentrum der norditalienischen Stadt. Nach Angaben der Behörden steuerte ein 31 Jahre alter Mann seinen Kleinwagen mit hohem Tempo in einen Bereich für Fußgänger und erfasste mehrere Menschen.
Aufnahmen von Sicherheitskameras sollen zeigen, wie das Auto stark beschleunigt, zunächst nach rechts auf den Fußgängerweg fährt und dann auf die linke Seite ausschert. Menschen auf beiden Seiten wurden von dem Wagen erfasst und teils durch die Luft geschleudert.
Augenzeugen berichten von chaotischen Szenen
Bürgermeister Mezzetti zeigte sich in einer Videobotschaft „zutiefst betroffen“ über den „wahnsinnigen Vorfall“. Augenzeugen schilderten dramatische Szenen. Im Fernsehen berichtete ein Zeuge, überall habe man Blut, Schuhe und Taschen gesehen.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wurde eine Frau am Ende der Fahrt mit voller Wucht gegen ein Schaufenster gedrückt. Dort kam das Fahrzeug schließlich zum Stehen.
Zwei Verletzten mussten Beine amputiert werden
Die Verletzungen der am schwersten Betroffenen sind nach Behördenangaben besonders gravierend. Nach einem Bericht des Senders Rai mussten zwei Menschen die unteren Gliedmaßen amputiert werden. Eine dieser Personen schwebt demnach in Lebensgefahr. Dabei soll es sich mutmaßlich um die Frau handeln, die gegen das Schaufenster gedrückt wurde.
Die Verletzten werden nach Angaben der Behörden in Krankenhäusern in Modena und Bologna behandelt.
Fahrer wollte fliehen – Passanten stoppten ihn
Nach dem Zusammenstoß soll der Fahrer versucht haben zu fliehen. Zeugen berichteten, dass er aus dem Auto ausstieg und dabei ein Messer in der Hand hielt. Mehrere Passanten nahmen die Verfolgung auf, überwältigten den Mann und hielten ihn fest.
Nach Angaben aus Zeugenaussagen soll der Verdächtige bei dem Gerangel versucht haben, mit dem Messer auf einen der Passanten einzustechen. Bürgermeister Mezzetti dankte den Bürgern ausdrücklich für ihr mutiges Eingreifen.
Verdächtiger festgenommen – Motive weiter unklar
Der Mann wurde festgenommen und von der Polizei verhört. Nach Behördenangaben handelt es sich um einen 31-Jährigen, der in Bergamo geboren wurde und in der Provinz Modena aufwuchs. Italienische Medien berichten, er habe nordafrikanische Wurzeln, einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und sei nicht vorbestraft. Demnach war er vor einigen Jahren für kurze Zeit psychiatrisch behandelt worden.
Zu den Hintergründen des Geschehens gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Die Wohnung des Mannes wurde durchsucht. Nach Angaben der Behörden gibt es bislang weder Hinweise auf Alkohol- oder Drogeneinfluss noch auf Verbindungen zu extremistischen Gruppen.
Bestürzung in Modena auch am Tag danach
Die Bestürzung in der Stadt ist groß. Am Tag nach dem Vorfall waren nur wenige Menschen auf den Straßen der rund 185.000 Einwohner zählenden Stadt in der bei Touristen beliebten Region Emilia-Romagna unterwegs. Ein Mann berichtete, er habe gesehen, wie Menschen zur Seite sprangen und davonrannten. Er sei erneut an den Ort zurückgekehrt, weil er an die Verletzten denke.
Meloni spricht von schwerem Vorfall
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete das Geschehen als sehr schwerwiegend. In sozialen Netzwerken sprach sie den Verletzten und ihren Familien ihr Mitgefühl aus. Zugleich erklärte sie, der Täter müsse nun zur Verantwortung gezogen werden.
Gemeinsam mit Staatspräsident Sergio Mattarella will Meloni nach Modena reisen und die Verletzten in den Krankenhäusern besuchen.
Erinnerung an ähnliche Taten
Der Vorfall weckt Erinnerungen an ähnliche Taten in anderen Ländern. Der jüngste vergleichbare Fall ereignete sich Anfang Mai in Leipzig. Dort fuhr ebenfalls ein Mann im Zentrum mit einem Auto in eine Menschenmenge. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, mehr als 20 weitere wurden verletzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion