Beim Deutschen Ärztetag haben Medizinstudentinnen nach eigenen Angaben Fälle sexueller Belästigung geschildert. Wie die Ärztekammer Niedersachsen mitteilte, berichtete eine Gruppe von Medizinstudierenden am Freitag in einer Rede von übergriffigem Verhalten während der Veranstaltung.
Zu den geschilderten Vorfällen gehörten demnach Kommentare über das Aussehen der Betroffenen und ihre Ausschnitte, unerwünschte Hände an Rücken und Gesäß, Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen.
Die Bundesärztekammer bestätigte den Vorgang auf Anfrage. Sie erklärte, dass Medizinstudentinnen auf dem Ärztetag tatsächlich von übergriffigem Verhalten berichtet hätten. Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, zu deren Delegation die Studentinnen gehörten, bestätigte die Geschehnisse.
Studentinnen sprechen von systemischem Problem
Zuvor hatte das Deutsche Ärzteblatt über die Vorwürfe berichtet und die vollständige Erklärung der fünf Studentinnen veröffentlicht. Nach deren Darstellung wollten sie mit ihrem Auftritt deutlich machen, dass es sich nicht um einzelne Ausnahmen, sondern um ein systemisches Problem handelt. Die geschilderten Belästigungen seien nach ihren Worten exakt so passiert und keine Einzelfälle. Laut Bericht wurden die Studentinnen nach ihrer Rede vom Publikum mit Applaus bedacht.
Nach Angaben der Bundesärztekammer schloss sich auf dem Ärztetag eine intensive Debatte über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im Gesundheitswesen an. Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt habe dabei unmissverständlich klargemacht, dass Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt — ob verbal oder körperlich — den Werten des Arztberufs fundamental widersprächen.
Dem Ärzteblatt zufolge äußerte Reinhardt während der Veranstaltung gegenüber den Betroffenen sein tiefes Bedauern. Die Vorfälle seien zutiefst verstörend und müssten nun aufgeklärt werden.
Mit ärztlichem Berufsethos nicht vereinbar
Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, zeigte sich nach eigenen Worten betroffen und entsetzt. Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen hätten sie tief erschüttert und sprachlos gemacht. Es sei absolut inakzeptabel, Frauen auf ihr Äußeres zu reduzieren und dadurch ihre Würde zu verletzen. Sexuelle Belästigung und körperliche Übergriffe dürften nicht toleriert werden. Ein solches Verhalten sei mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.
Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen sollen Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung Kernthema des kommenden Ärztetags 2027 werden. Die Bundesärztekammer kündigte zudem an, dass sich ihr Vorstand der Problematik stellen und klare Compliance-Vorgaben sowie umfassende Schutzkonzepte entwickeln werde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion