Allgemein

Schon wieder! Blockade kippt Walschutz im Südatlantik

Seit den 90ern wird um ein Walschutzgebiet im Südatlantik gekämpft – wieder scheitert es knapp. Nun gerät auch die Schweiz in Kritik.

02.10.2026, 06:18 Uhr

Neues Walschutzgebiet im Südatlantik erneut abgelehnt

Bei der Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) im australischen Hobart ist die Einrichtung eines Walschutzgebiets im Südatlantik erneut gescheitert. Der von Argentinien, Brasilien und Uruguay bereits Ende der 1990er Jahre eingebrachte Vorschlag verfehlte die nötige Dreiviertelmehrheit um vier Stimmen. Damit bleibt es vorerst bei zwei Walschutzgebieten weltweit – in der Antarktis und im Indischen Ozean.

Deutschland stimmte für das Schutzgebiet. Nach Angaben von Greenpeace waren wichtige weitere Unterstützer wie Finnland und Luxemburg bei den Beratungen auf Tasmanien nicht anwesend, während die Gegner an ihrer Blockade festhielten.

Minderheit stellt sich gegen Mehrheit

Aus Sicht von Greenpeace wäre das Schutzgebiet im Südatlantik, das mehr als doppelt so groß wie die USA gewesen wäre, ein bedeutender Fortschritt für den Meeresschutz gewesen. Die Greenpeace-Meeresbiologin Franziska Saalmann sagte, das Vorhaben hätte dem Schutz der Meere einen wichtigen Schub geben und neuen Schwung für weitere Schutzmaßnahmen auslösen können. Gerade zum 40. Jahrestag des Walfang-Moratoriums sei damit eine historische Chance verpasst worden.

Zugleich kritisierte sie, dass der weltweite Schutz der Wale auch im 80. Jahr des Bestehens der IWC weiterhin von denselben Staaten ausgebremst werde. Genannt wurden unter anderem Norwegen, die Elfenbeinküste und mehrere Karibikstaaten.

Nach Einschätzung von Umweltschutzorganisationen hat Japan nach seinem Austritt aus der IWC im Jahr 2019 ein Bündnis mit einigen afrikanischen und karibischen Staaten aufgebaut. Dieses vertrete nun in der Kommission die Interessen Tokios.

Auch der International Fund for Animal Welfare (IFAW) reagierte empört. Experte Matt Collis kritisierte, dass Walfangstaaten und ihre Unterstützer ein Schutzgebiet in einer Region blockierten, in der sie selbst gar keine Wale jagten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten stelle sich damit eine Minderheit gegen den Willen der Mehrheit der Anrainerstaaten.

Was macht die IWC?

Rund 300 Delegierte aus mehr als 60 Mitgliedsländern berieten seit Montag über Schutz und Nutzung von Walen. Die IWC umfasst insgesamt 89 Staaten und wurde 1946 gegründet. Ursprünglich sollte sie den industrialisierten Walfang regulieren und die Bestände erhalten.

Obwohl seit 1985/86 ein weltweites Moratorium für den kommerziellen Walfang gilt, halten Norwegen, Island und Japan bislang an der kommerziellen Jagd fest. Norwegen bekräftigte erneut seine Haltung, dass Wale grundsätzlich nutzbar sein müssten. Island schlägt zuletzt jedoch einen anderen Kurs ein: Die Regierung kündigte an, im kommenden Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den kommerziellen Walfang in isländischen Gewässern dauerhaft beenden könnte.

Schweiz zieht eigene Resolution zurück

Für zusätzliche Kritik sorgte die Schweiz, die bereits am Mittwoch eine von ihr selbst eingebrachte Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurückzog – noch bevor eine bereits angesetzte Arbeitsgruppe über Änderungen am Text beraten konnte.

Die Meeresschutz-Expertin Mona Schweizer von Pro Wildlife nannte dieses Vorgehen völlig unverständlich und sprach von einem schweren Schlag für den Artenschutz. Ihrer Einschätzung nach hätte die Resolution die erforderliche Mehrheit problemlos erreicht. Warum sie zurückgezogen wurde, blieb zunächst unklar.

„Bittere Bilanz“

Auch Greenpeace sprach von einem völlig unverständlichen Schritt. Nach Angaben der Organisation werden jedes Jahr mehr als 100.000 Delfine und Kleinwale gezielt getötet. Das Moratorium gegen den kommerziellen Walfang schützt nur Großwale – daran wird sich vorerst nichts ändern.

Pro Wildlife zog deshalb mit Blick auf das Jubiläumsjahr der IWC eine ernüchternde Bilanz und sprach von einem bitteren Ergebnis.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen