El Al verschiebt Rückholflüge aus Dubai – Arkia erhält wohl Genehmigung, Flydubai-Pilot schildert Drama
Nach der Gewalttat im Cockpit eines Flugzeugs der emiratischen Airline Flydubai hat die israelische Fluggesellschaft El Al ihre geplanten Rückholflüge für in den Vereinigten Arabischen Emiraten festsitzende Israelis verschoben. Das Unternehmen erklärte, die Behörden der Emirate hätten El Al die Landeerlaubnis für Dubai entzogen. Weitere Einzelheiten nannte die Airline zunächst nicht. Die für Freitag vorgesehenen Flüge wurden deshalb gestrichen.
Nach Angaben von El Al sollten zwei Maschinen um 11.00 Uhr und 13.00 Uhr Ortszeit in Dubai starten. Nun plant die Airline Verbindungen ab Sonntag und an den darauffolgenden Tagen. Israelische Medien berichten, dass diese Flüge bereits ausgebucht sind.
Auch die israelischen Fluggesellschaften Arkia und Israir sollen an der Rückholung israelischer Staatsbürger beteiligt sein. Während zunächst unklar war, ob ein für Freitag geplanter Arkia-Flug stattfinden kann, berichteten mehrere israelische Medien später unter Berufung auf die Airline, Arkia habe inzwischen die nötigen Genehmigungen erhalten und könne ihre Flüge durchführen.
Das israelische Verkehrsministerium hatte den Beginn der Rückholaktionen zuvor für Freitag angekündigt, zugleich aber auf mögliche Verzögerungen hingewiesen. Als Gründe wurden unter anderem Abstimmungen mit den Sicherheitsbehörden genannt.
Der Sender N12 berichtete zunächst, stundenlange Gespräche zwischen ranghohen Vertretern Israels und der Emirate hätten noch zu keiner endgültigen Einigung und auch nicht zu den erforderlichen Landeerlaubnissen für israelische Maschinen geführt. Inzwischen sollen die emiratischen Behörden israelischen Fluggesellschaften jedoch eine Landeerlaubnis erteilt haben. El Al konnte ihre Flüge am Freitag dennoch nicht mehr anbieten.
Berichte: Mehr als 10.000 Israelis gestrandet
Israelischen Medien zufolge sitzen mehr als 10.000 Israelis in Dubai und an weiteren Orten fest. Viele von ihnen wollten ursprünglich über Dubai nach Israel zurückkehren und strandeten nun in anderen Ländern. Flydubai hatte nach dem Zwischenfall vom Mittwoch angekündigt, alle Flüge von und nach Israel bis zum Abschluss der Untersuchungen auszusetzen.
Verletzter Pilot schildert Ablauf der Beinahe-Katastrophe
Neue Details gibt es inzwischen zum Vorfall an Bord der Flydubai-Maschine. Der verletzte Kapitän Smit Machchhar schilderte in einem vom indischen Premierminister Narendra Modi auf der Plattform X veröffentlichten Videotelefonat, er habe trotz schwerer Stichverletzungen durch den Copiloten noch die Cockpit-Tür öffnen können.
"Ich kämpfte in dem Moment um mein eigenes Leben, aber mir war auch klar, dass ich nicht so viele andere Menschen sterben lassen konnte", sagte der Pilot. Als er bereits am Boden gelegen habe, sei ihm klar geworden, dass das Flugzeug abzustürzen drohte. Trotz mehrerer Wunden und der andauernden Attacke habe er sich noch einmal aufgerichtet. "Ich öffnete die Tür und alle kamen herein", berichtete Machchhar.
Nach den neuen Schilderungen drangen daraufhin mehrere Passagiere ins Cockpit ein und überwältigten den Angreifer. Die Maschine, die zuvor dramatisch an Höhe verloren hatte, wurde anschließend von einer zufällig mitreisenden zweiten Besatzung sicher im saudi-arabischen Tabuk notgelandet. Sowohl der Kapitän als auch die eingreifenden Passagiere wurden in Medienberichten als Helden gewürdigt.
Der gläubige Hindu Machchhar erklärte, die Kraft für sein Handeln aus Gebeten an die Schutzgottheit Hanuman geschöpft zu haben. Der Pilot wird inzwischen in den Vereinigten Arabischen Emiraten behandelt.
Immer noch viele Fragen offen
Der betroffene Flug der emiratischen Gesellschaft war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es im Cockpit zu dem Angriff kam. Auch der festgenommene Copilot wurde inzwischen in die Emirate gebracht.
Zum Motiv des Angriffs gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse. Israelische Regierungsvertreter gehen von einem versuchten islamistischen Anschlag aus. Viele zentrale Fragen zu dem Vorfall bleiben jedoch ungeklärt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber