Wirtschaft

Schon wieder! Galeria meldet Insolvenz

Galeria ist insolvent – doch alle 83 Filialen bleiben vorerst offen. Was jetzt für Kunden und Mitarbeiter auf dem Spiel steht

02.10.2026, 10:00 Uhr

Galeria beantragt erneut Insolvenz – vorläufiger Verwalter benannt, 12.000 Jobs weiter in der Schwebe

Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Nach Angaben des Unternehmens soll der Geschäftsbetrieb in den derzeit 83 Filialen zunächst ohne Unterbrechung weiterlaufen. Das Gericht bestätigte den Eingang des Antrags, nannte aber vorerst keine weiteren Details.

Nach Darstellung des Unternehmens soll der Schritt den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Lage zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine dauerhafte Zukunft zu schaffen. Zu den konkreten Ursachen äußerte sich der Konzern zunächst nicht näher.

Vorläufiger Insolvenzverwalter benannt

Neu ist, dass Frank Kebekus vorläufig als Insolvenzverwalter benannt wurde. Das geht aus einer internen Mitteilung der Geschäftsführung an die Belegschaft hervor. Darin heißt es, man sei überzeugt, dass Galeria eine erfolgreiche Zukunft haben könne. Oberste Priorität sei nun, die Gehaltszahlungen für die kommenden Monate zu sichern.

Kebekus ist bei Galeria kein Unbekannter: Der Düsseldorfer Rechtsanwalt war bereits in den Insolvenzverfahren 2020 und 2022 als Sachwalter eingebunden.

Unsicherheit für 12.000 Beschäftigte

Für die rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wächst die Unsicherheit erneut. Sie wurden am Freitagvormittag über den Insolvenzantrag informiert. Weiter offen ist, ob und welche Standorte geschlossen werden müssen. Damit ist auch unklar, wie viele Arbeitsplätze am Ende erhalten bleiben.

Fraglich ist zudem, ob die Beschäftigten erneut Insolvenzgeld erhalten können. Hintergrund ist, dass das Amtsgericht Essen die Planüberwachung aus dem vorangegangenen Insolvenzverfahren bislang nicht aufgehoben hat. Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit hatte bereits im Juni erklärt, in einem solchen Fall könne mit hoher Wahrscheinlichkeit kein weiteres Insolvenzgeld gezahlt werden. Maßgeblich bleibe jedoch immer die Prüfung des Einzelfalls.

Der Gesamtbetriebsrat wollte sich zunächst nicht näher äußern und verwies darauf, dass zunächst die Belegschaft im Mittelpunkt stehe. In einem Flugblatt an die Beschäftigten forderten Gesamtbetriebsrat und Wirtschaftsausschuss vom Management rasche Aufklärung über die Lage. Zugleich kündigten sie an, mit allen verfügbaren Mitteln für den Fortbestand des Unternehmens und den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen zu wollen.

Auch die Gewerkschaft Verdi sprach von völliger Ungewissheit für die Beschäftigten. Verdi-Handelsexpertin Silke Zimmer verlangte schnelle Klarheit darüber, wie es für die 12.000 Betroffenen weitergeht.

Vierter Insolvenzantrag in sechs Jahren

Für Galeria ist es nach den Verfahren in 2020, 2022 und 2024 bereits der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Infolge der vergangenen Sanierungen wurden bereits zahlreiche Filialen aufgegeben. Gläubiger verzichteten dabei auf Forderungen in Milliardenhöhe, um dem Unternehmen den Weg aus der Krise zu ermöglichen.

Der bislang letzte Antrag liegt gut zweieinhalb Jahre zurück. Damals firmierte der Konzern noch als Galeria Karstadt Kaufhof. Auslöser war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. In der Folge mussten neun von damals 92 Warenhäusern schließen.

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC sowie einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz. Außerdem verschwanden die Namen Karstadt und Kaufhof aus dem Firmennamen, der Unternehmenssitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.

Mietprobleme trotz neuer Finanzierung

Im April 2026 geriet Galeria erneut in die Schlagzeilen, nachdem mehrere Vermieter über ausbleibende Mietzahlungen geklagt hatten. Die Geschäftsführung verwies damals auf Liquiditätsschwankungen und erklärte, man habe Vermieter um Stundungen gebeten.

Erst im Juni erhielt die Kette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld soll unter anderem einen laufenden Kredit ablösen und offene Mieten begleichen. Die Kreditlinie kommt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers, ist über die Warenbestände abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.

Im Juli kündigte Galeria zudem an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über die Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung einzelner Filialen gefährdet. Alle Häuser müssten dauerhaft profitabel arbeiten, hieß es damals.

Experten sehen nur noch ein kleineres Galeria als möglich an

Handelsexperten halten einen Fortbestand der Kette trotz großer Skepsis unter bestimmten Bedingungen noch für möglich. Der Handelsexperte Johannes Berentzen sagte, 40 bis 50 Standorte könnten unter einem passenden Eigentümer und mit klarer Positionierung weitergeführt werden – allerdings nicht in der bisherigen Form als Vollsortimenter.

Zukunft hätten aus seiner Sicht vor allem lokal verankerte Konzepte mit Erlebnischarakter, zusätzlichen Partnern und höherer Aufenthaltsqualität. Fehle jedoch ein strategischer Investor, der den Konzern wirklich umbauen wolle, drohe eher eine geordnete Abwicklung.

Klassische Warenhäuser verlieren weiter an Bedeutung

Nach Daten des Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse des Unternehmens in den vergangenen Jahren deutlich gesunken – auch wegen der Filialschließungen. 2019 setzte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen noch 4,5 Milliarden Euro netto um. Sechs Jahre später lag der Umsatz mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch bei rund 2 Milliarden Euro.

Generell haben Kauf- und Warenhäuser im deutschen Einzelhandel stark an Bedeutung verloren. Laut EHI sank ihr Marktanteil seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In diese Werte fließen neben Galeria auch andere Handelsketten wie Müller und Woolworth ein.

Zwar gibt es weiterhin kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe oder Kaufhaus Stolz. Ein mögliches Aus von Galeria würde dennoch das Ende einer ganzen Ära klassischer Warenhäuser in Deutschland markieren.

Einzelhandel insgesamt unter Druck

Der Einzelhandel in Deutschland leidet weiter unter schwacher Konsumstimmung und wachsendem Onlinehandel. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel zuletzt den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Händler Insolvenz an.

Zu den prominenten Fällen zählen unter anderem Kodi und Mäc Geiz, die zahlreiche Filialen schließen. Die Deko-Kette Depot stellt ihren Geschäftsbetrieb ein. Auch die Baumarktkette Hellweg wird abgewickelt, wobei etliche Standorte von anderen Händlern übernommen werden sollen – etwa von Bauhaus.

Bundesweit haben in den vergangenen Jahren zehntausende Geschäfte dauerhaft geschlossen. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Läden in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch rund 372.000.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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