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Schock-Test: Notbremsen erkennen Warnwesten-Kinder nicht

Ausgerechnet Reflexkleidung für Kinder könnte Autos nachts irritieren: Warum Notbremsassistenten im ADAC-Test versagten.

27.10.2026, 16:50 Uhr

ADAC-Test: Reflektierende Kleidung kann Notbremssysteme nachts irritieren

Reflektierende Kleidung erhöht in der dunklen Jahreszeit zwar die Sichtbarkeit von Fußgängerinnen und Fußgängern, könnte moderne Assistenzsysteme in Autos jedoch teils vor Probleme stellen. Darauf weist eine Stichprobe des ADAC hin. Demnach hatten einige Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung bei Dunkelheit Schwierigkeiten, Personen mit stark reflektierenden Jacken oder Hosen korrekt zu erkennen. Besonders schwach fiel die Leistung bei Kindern mit Warnkleidung und Schulranzen aus.

Für den Versuch prüfte der ADAC nachts sechs Fahrzeuge verschiedener Hersteller, die mit unterschiedlichen Sensor- und Kamerasystemen ausgestattet waren. Getestet wurde mit Dummys. Nach Angaben des Automobilclubs lassen sich die Resultate nicht ohne Weiteres auf andere Modelle übertragen. Dennoch sei es plausibel, dass ähnliche Systeme in weiteren Fahrzeugen vergleichbare Schwächen zeigen könnten – vor allem innerhalb von Konzernen, die identische Assistenztechnik einsetzen.

Kinder mit Reflexkleidung besonders oft nicht erkannt

Bei einer erwachsenen Testfigur mit gewöhnlicher Warnweste reagierten alle Fahrzeuge rechtzeitig und bremsten. Anders war es bei standardisierter Arbeitskleidung, wie sie etwa Einsatzkräfte, Bauarbeiter oder Polizistinnen und Polizisten tragen: In diesen Fällen erkannten die meisten Systeme die Person gar nicht oder erst zu spät.

Auffällig war auch das Ergebnis bei Kindern: Eine Kinderattrappe in dunkler Kleidung wurde von allen getesteten Autos erkannt. Trug das Kind jedoch reflektierende Kleidung, versagten fast alle Systeme.

Nach Einschätzung der ADAC-Experten könnten Reflexstreifen in Bodennähe die Technik irritieren. Solche Elemente finden sich etwa an Arbeitshosen oder an Kinderkleidung, zum Beispiel auch beim Radfahren.

Ursache wohl eher in der Software als in der Sensorik

Der ADAC vermutet die Schwachstelle weniger bei Kameras oder anderen Sensoren selbst, sondern vor allem in der Software, die Verkehrsteilnehmer einordnet. Nur eines der getesteten Fahrzeuge erkannte ein Kind mit Reflexkleidung, das hinter einem parkenden Auto auf die Fahrbahn lief.

Der Club verlangt deshalb schnelle Verbesserungen durch die Hersteller. Wo technisch möglich, könnten diese auch per Software-Update umgesetzt werden.

Seit Juli 2026 sind Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung für alle Neuzulassungen vorgeschrieben. Das vom ADAC untersuchte Szenario gehört jedoch nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Testfällen. Nach Angaben des Clubs sollte die Untersuchung bewusst über die Mindestanforderungen hinausgehen, um Schwächen sichtbar zu machen.

ADAC rät trotzdem weiter zu Warnkleidung

Trotz der festgestellten Probleme empfiehlt der ADAC weiterhin, Kinder mit reflektierender Kleidung zur Schule zu schicken. Der Zugewinn an Sichtbarkeit im Straßenverkehr überwiege das Risiko, dass ein Assistenzsystem im Einzelfall nicht korrekt reagiere.

Zugleich mahnt der Club Autofahrerinnen und Autofahrer, sich nicht blind auf technische Helfer zu verlassen. Die Verantwortung bleibe immer beim Menschen am Steuer – im Zweifel müsse also selbst gebremst werden.

Einen direkten Vergleich der getesteten Autos hält der ADAC allerdings nur eingeschränkt für möglich, da die Fahrzeuge jeweils bei unterschiedlichen Testgeschwindigkeiten geprüft wurden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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