Kreuzfahrt nach Kollision in Bremerhaven abgesagt
Nach dem Unfall eines Kreuzfahrtschiffes in Bremerhaven mussten alle Passagiere die „Mein Schiff 3“ verlassen. Die geplante mehrwöchige Reise zu den Kanaren wurde gestrichen. Der Reisepreis soll vollständig erstattet werden. Während Sachverständige die Schäden an den beteiligten Schiffen prüfen, hat auch die Wasserschutzpolizei die Ermittlungen aufgenommen.
Viele Reisende reagierten enttäuscht, zeigten aber zugleich Verständnis für die Entscheidung. Steffen Gerntke sagte, man habe sich intensiv auf den Urlaub vorbereitet. Trotzdem müsse man die Situation akzeptieren. Wichtig sei vor allem, dass niemand verletzt wurde. Den Umgang der Crew mit den Gästen lobte er ausdrücklich.
Nach seinen Angaben befand er sich gemeinsam mit seiner Frau auf dem Deck, als es zu dem Zusammenstoß kam. Er beschrieb einen dumpfen Aufprall, dazu Qualm und einen stechenden Geruch. Angst habe er jedoch nicht gehabt. Seine Frau Karin erklärte, man wolle nun zunächst nach Hause fahren und sich nach einer anderen Reisemöglichkeit umsehen.
Kreuzfahrt nach wenigen hundert Metern beendet
Auch Rosemarie Hofmann nahm die Absage mit Bedauern auf. Sie sprach von der wohl kürzesten Kreuzfahrt ihres Lebens: Gerade einmal 300 Meter habe das Schiff zurückgelegt. Nun hoffe sie, dass die Rückzahlung schnell erfolge. Möglicherweise wolle sie gemeinsam mit ihrem Mann stattdessen eine andere Reise buchen, um doch noch Sonne zu bekommen.
Angst habe sie während des Unfalls ebenfalls nicht verspürt. Sie schilderte das Wetter als sehr stürmisch. Viele Passagiere seien zum Auslaufen an Deck gewesen, es sei Musik gelaufen und die Stimmung zunächst ausgelassen gewesen. Dann habe es plötzlich einen heftigen Knall gegeben. Kurz darauf habe sie Mitarbeiter gesehen, die sich hastig bewegten, und anschließend Funken bemerkt.

Zunächst sei ihr unklar gewesen, was genau passiert war. Zwar habe sie beobachtet, dass das Schiff sehr dicht an anderen Schiffen vorbeifuhr, doch sie sei davon ausgegangen, dass die Besatzung die Lage im Griff habe. Danach sei es an Bord ruhig geworden. Später hätten viele Gäste beim Essen Videos des Vorfalls gezeigt.
Auch bei anderen Urlaubern war die Enttäuschung deutlich spürbar. Eine Passagierin erklärte, man müsse nun mit dem Geschehenen umgehen. Sie habe sich direkt in dem Bereich aufgehalten, in dem es zum Unfall kam, und alles aus nächster Nähe miterlebt. Trotzdem habe man zunächst gehofft, dass die Reise noch fortgesetzt werden könne.
Schiff vermutlich von Windböe erfasst
Die „Mein Schiff 3“ war am Sonntagabend beim Auslaufen aus Bremerhaven bei starkem Wind mit zwei Containerschiffen kollidiert. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurde das Kreuzfahrtschiff offenbar von einer Windböe erfasst und gegen die an der Stromkaje liegenden Frachter gedrückt. Der entstandene Schaden geht ersten Schätzungen zufolge in die Millionen.
Zunächst blieben alle Reisenden noch an Bord, später wurde die Fahrt jedoch komplett abgesagt. Das Schiff soll nun in einer Werft instand gesetzt werden. Nach Angaben von Tui Cruises befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls 2.428 Gäste sowie 922 Crewmitglieder an Bord.
Die Polizei leitete inzwischen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Kapitän ein. Nach Angaben einer Sprecherin wird geprüft, ob möglicherweise gegen Sorgfaltspflichten verstoßen wurde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber