Puppy Yoga: Niedliche Wellness mit Hundebabys – und Kritik am Trend
Kaum hat die Yogastunde begonnen, saust schon der erste winzige Chihuahua über die Matten. Drei schwarze Welpen tapsen zwischen den ausgestreckten Armen der Teilnehmer hindurch, überall wird gelacht. Zwei kleine braune Mischlinge namens Blueberry und Helena nutzen die Plank-Position einer Yogateilnehmerin kurzerhand als Spielplatz. Später, während der Entspannungsphase im Shavasana, machen es sich einige der Hunde auf den Bäuchen der Menschen bequem. Genau das ist der Reiz des neuesten Wohlfühltrends: Puppy Yoga.
Angebote dieser Art gibt es inzwischen in vielen Ländern – von Thailand und Australien über die Schweiz bis nach Deutschland. Auch auf Bali können Reisende erleben, warum Yoga mit Welpen so gefragt ist. Statt nur auf Atmung und Haltung zu achten, bringen die verspielten Tiere Leichtigkeit in den Kurs, sorgen für charmante Fotomotive und heben bei vielen die Stimmung.
Vor der Kulisse eines glitzernden Pools und wehender Kokospalmen, wie etwa im Anginsepoi Hotel im Badeort Canggu, wirkt das Konzept besonders idyllisch. Doch die Frage bleibt: Profitieren davon nur die Menschen – oder auch die Tiere?
Zwischen Tierhilfe und Geschäft
Tierschützer sehen den Boom nicht unkritisch. Sie warnen davor, dass solche Kurse zulasten der Welpen gehen können – vor allem dann, wenn die Tiere von Züchtern kommen, mehrmals täglich eingesetzt werden oder kaum Ruhebereiche haben. Wer an Puppy Yoga teilnehmen möchte, sollte sich deshalb vorher genau informieren.

Wiebke Plasse von der Welttierschutzgesellschaft sagt, dass solche Formate durchaus sinnvoll sein können – besonders für große Tierheime mit vielen Welpen. Dort könne der Kontakt zu Menschen helfen, die Tiere zu sozialisieren und sie besser auf eine spätere Vermittlung vorzubereiten.
Wo die Risiken liegen
Problematisch werde es laut Experten dann, wenn nicht mehr das Wohl der Tiere, sondern allein der Gewinn im Vordergrund stehe. Inzwischen setzen auch gewerbliche Züchter auf Puppy Yoga, um mit Welpen zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Tierschutzorganisationen wie Peta berichten dabei teils von schlechten Haltungsbedingungen und Missständen.
Hinzu kommt ein weiterer Kritikpunkt: Solche Kurse könnten die Nachfrage nach bestimmten Mode- und Rassehunden weiter ankurbeln, während viele Tierheime – auch in Deutschland – bereits überfüllt sind und teilweise keine weiteren Tiere mehr aufnehmen können.
Die Welpen geben den Takt vor
Komang, Leiterin eines Tierheims mit rund 500 geretteten Straßenhunden, kennt beide Seiten der Debatte. Ihr Heim liegt etwa eine Stunde von Canggu entfernt. Sie bringt die Welpen täglich selbst ins Hotel, damit sie dort positive Erfahrungen mit Menschen sammeln. Viele der jungen Hunde seien anfangs ängstlich, weil sie auf der Straße Schlimmes erlebt hätten, erzählt sie. In den Yogastunden würden sie jedoch oft schnell zutraulicher und deutlich entspannter.
Bevor Kursleiterin Nixie die erste Asana vormacht, erklären Komang und ihr Team den Teilnehmern deshalb die wichtigste Regel: Nicht die Menschen, sondern die Welpen bestimmen das Tempo. Die Tiere sollen selbst entscheiden, wann sie Kontakt suchen. Sie dürfen nicht bedrängt werden, und schlafende Hunde müssen in Ruhe gelassen werden.
Yoga wird schnell zur Nebensache
Dann beginnt der Kurs mit klassischen Positionen wie Kobra, Krieger, Kind – und natürlich dem herabschauenden Hund. Allzu ehrgeizig nimmt hier allerdings niemand die Übungen. Immer wieder wird gelacht, wenn ein Welpe quer über die Matte rennt oder auf einen Rücken springt. Manchmal helfen die Betreuer mit einem Leckerli nach. Viele Teilnehmer greifen zwischendurch regelmäßig zum Smartphone, um Fotos und Videos der niedlichen Hunde festzuhalten. Die perfekte Yoga-Haltung rückt dabei oft in den Hintergrund.
Zum Schluss zeigt Komang noch das Bild eines kleinen Chihuahuas, der erst vor wenigen Wochen halb tot auf der Straße gefunden worden war und kaum noch Fell hatte. Inzwischen ist der Hund wieder gesund – und turnte während des Kurses voller Energie auf einem Teilnehmer herum, der gerade die Taubenhaltung machte.
Nach Angaben von Komang fließt der Großteil der Einnahmen aus den Stunden in Futter, Impfungen und Sterilisationen für ihre Tiere. Interessierte seien eingeladen, das Projekt selbst zu besuchen und bei der Versorgung der Hunde mitzuhelfen.
Für ihr Tierheim habe Puppy Yoga noch einen weiteren positiven Effekt, sagt sie: Seit dem Start der Kurse vor etwa zwei Jahren sei die Zahl der vermittelten Hunde deutlich gestiegen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber