Prozess in Würzburg: 30-Jährige gesteht Betrug an Priester und zwei weiteren Männern
Zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Würzburg hat eine wegen Betrugs und Erpressung angeklagte Prostituierte eingeräumt, einen katholischen Priester sowie zwei weitere Männer um knapp 350.000 Euro gebracht zu haben. Die 30-Jährige ließ die Vorwürfe über ihren Verteidiger einräumen.
Zuvor hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Fall eines Geständnisses auf einen Strafrahmen verständigt. Im Falle einer Verurteilung muss die Angeklagte nun mit einer Freiheitsstrafe zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren rechnen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau neben Betrug und Erpressung auch die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vor. Hintergrund ist, dass sie ihre nackten Freier fotografiert haben soll. Für das Verfahren sind bis zum 25. Juni drei Verhandlungstage angesetzt.
Heimliche Nacktaufnahmen
Nach Angaben der Anklage lernte die Frau den späteren pensionierten Priester bereits 2016 in einem Würzburger Saunaclub kennen. Seit 2022 sei der katholische Geistliche dort Kunde bei ihr gewesen, sagte Staatsanwältin Annika Schömig.
Im Januar 2023 soll die Angeklagte dem Priester, der zur sexuellen Enthaltsamkeit verpflichtet ist, eine Leukämieerkrankung vorgetäuscht haben. In den folgenden Monaten habe sie ihn mehrfach mit erfundenen Behandlungskosten um Geld gebeten.
Bis 2025 soll der inzwischen nicht mehr im Bistum Würzburg lebende Ruhestandsgeistliche der Frau mindestens 255.000 Euro gezahlt haben. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft floss das Geld teils in angebliche medizinische Behandlungen, teils als Schweigegeld. Der Mann habe verhindern wollen, dass heimlich angefertigte Nacktbilder veröffentlicht oder das Bistum Würzburg über die Affäre informiert wird.
Schwerer Vorwurf auch gegen den Geistlichen
Brisant ist, dass die Würzburger Staatsanwaltschaft auch gegen den pensionierten Priester ermittelt. Gegen ihn steht ein Vergewaltigungsverdacht im Raum.
Vor Gericht sagte der Geistliche als Zeuge aus, eine Mischung aus Zuneigung, Mitleid und dem Wunsch nach einer Beziehung habe ihn zu der Frau hingezogen, „wobei das Mitleid überwog“. Als ihm 2025 nach drei aufgelösten Lebensversicherungen das Geld ausgegangen sei, habe er die Beziehung beenden wollen. Doch die Angeklagte habe ihn immer wieder mit Sprachnachrichten bedrängt und gedroht, das Verhältnis öffentlich zu machen.
Weitere Geschädigte
Neben dem Priester sollen auch zwei weitere Männer, die die Angeklagte ebenfalls in dem Saunaclub kennengelernt haben soll, hohe Geldsummen an sie verloren haben.
Die 30-Jährige wurde Ende Oktober 2025 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion