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Polizei vermutet: Sind es Kerstin Lee Langleys Knochen?

17 Jahre nach dem Verschwinden: Wurden jetzt die Überreste von Kerstin Lee Langley entdeckt?

19.10.2026, 14:23 Uhr

Bei Ausgrabungen in Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz sind nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit die sterblichen Überreste der seit 2007 vermissten Regensburgerin Kerstin Lee Langley gefunden worden. Die rechtsmedizinische Untersuchung der am 9. Oktober geborgenen Knochen deute darauf hin, teilten die Ermittler in Regensburg mit. Ein endgültiges Ergebnis steht allerdings noch aus.

Drei Tatverdächtige im Fokus

Nach dem aktuellen Ermittlungsstand soll die damals 39 Jahre alte Langley im Sommer 2007 getötet worden sein. Gegen drei deutsche Staatsangehörige richtet sich der Vorwurf des gemeinschaftlichen Totschlags. Eine 56 Jahre alte Frau hat nach Angaben der Ermittler ein umfassendes Geständnis abgelegt und den Hinweis auf den Fundort gegeben. Auslöser seien massive Schuldgefühle gewesen.

Neben ihr gelten zwei Männer als tatverdächtig. Einer von ihnen starb bereits 2024. Der andere, ein heute 66 Jahre alter Mann, sitzt in Untersuchungshaft und hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Der Haftbefehl gegen die 56-Jährige wurde wegen ihrer umfangreichen Angaben außer Vollzug gesetzt.

Ermittler sehen gemeinsame Tatplanung

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die drei Verdächtigen die Tötung gemeinsam geplant haben. Zum genauen Motiv machten die Ermittler keine näheren Angaben. Nach ihren Worten sollen jedoch alle drei in irgendeiner Form einen Groll gegen Kerstin Lee Langley gehegt haben.

Dem Stand der Ermittlungen zufolge waren die 56-Jährige und der 2024 verstorbene Tatverdächtige früher ein Paar. Der Mann soll sich 2007 in Langley verliebt haben und mit ihr zusammengezogen sein. Seine Ex-Frau, die heutige 56-Jährige, soll damals beim heute 66-Jährigen untergekommen sein.

So soll die Tat abgelaufen sein

Nach Darstellung der Ermittler trafen die drei Verdächtigen im Sommer 2007 mit Langley zusammen. Dabei soll die heute 56-Jährige versucht haben, die in einem Sessel sitzende Frau zu erwürgen. Weil sich Langley gewehrt habe, soll anschließend der 66-Jährige die Tötung vollendet haben. Danach sollen die Tatverdächtigen die Leiche gemeinsam vergraben haben.

Für die 56-Jährige könnte laut Staatsanwaltschaft wegen ihres Geständnisses eine Kronzeugenregelung in Betracht kommen. Ohne ihre Aussage wären die Ermittler nach eigener Einschätzung nicht so weit gekommen.

Bisher sechs Knochen gefunden

Am Fundort in Berg wurden bislang sechs Knochen entdeckt. Laut Kripo-Leiter Robert Fuchs handelt es sich nach der bisherigen rechtsmedizinischen Einschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit um die sterblichen Überreste von Kerstin Lee Langley. Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Die Suche an einem zweiten möglichen Ort in einem Waldstück bei Sulzbach-Rosenberg blieb bislang ohne Ergebnis.

Erste Hinweise schon Jahre zuvor

Die heute 56 Jahre alte Tatverdächtige soll sich bereits 2012 auf einer Faschingsparty mehreren Menschen offenbart und erklärt haben, ihr Ex-Mann habe zwei Frauen getötet. Zeugen meldeten das der Polizei. Die Aussage verlor jedoch zunächst an Gewicht, weil sich herausstellte, dass eine der angeblich getöteten Frauen noch lebte.

Der Verdacht, die zweite genannte Frau könne Kerstin Lee Langley sein, führte dennoch zu neuen Ermittlungen und 2013 zu einem Auftritt des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“. Damals reichten die Indizien aber nicht aus. Ein von der Frau genannter Suchort blieb ohne Treffer – obwohl er nur rund 500 Meter von der Stelle entfernt lag, an der nun Knochen gefunden wurden.

Auch ein Hinweis eines „Sehers“ führte nicht weiter

2024 wurde der Fall erneut bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ aufgegriffen. Danach meldete sich unter anderem ein Mann, der sich selbst als Seher bezeichnete. Die daraufhin eingeleitete Suche führte allerdings lediglich zu den Überresten eines toten Tieres.

Im Jahr 2026 nahmen Ermittler den Cold Case erneut intensiv in den Blick. Kurz darauf erschien die 56-Jährige in der Polizeiinspektion Nittendorf und erklärte nach Behördenangaben, sie könne mit der Belastung nicht mehr leben, wolle reinen Tisch machen und ein Geständnis ablegen.

Seit Sommer 2007 vermisst

Kerstin Lee Langley war im Sommer 2007 von ihrem Bruder als vermisst gemeldet worden. Ihr Sohn war damals 17 Jahre alt. Ihr damaliger Lebensgefährte hatte laut früheren Ermittlungen erklärt, sie habe sich von ihm getrennt und sei mit einem alten Freund in einem dunklen Auto mit Deggendorfer Kennzeichen davongefahren.

Für die Ermittler ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Sie bitten weiter um Zeugenhinweise. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Umfeld von Langley oder der drei Tatverdächtigen im Lauf der vergangenen 19 Jahre über die Tat gesprochen wurde. Die Ermittler sprechen von einer großen Chance, das Verbrechen nach so langer Zeit doch noch aufzuklären und den Angehörigen Gewissheit zu verschaffen.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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