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Nach der Sperre: So läuft der Verkehr am Brenner

Brenner wieder offen: Nach der Demo-Blockade rollt der Verkehr überraschend frei – starten jetzt alle Urlauber zugleich?

31.05.2026, 09:46 Uhr

Nach der achtstündigen Sperre der Brenner-Route lief der Verkehr auch am Sonntag ohne größere Probleme. Auf der wichtigsten Alpenverbindung zwischen Deutschland und Italien blieb das befürchtete Chaos laut Behörden vor, während und nach der Blockade aus. Der Autobahnbetreiber Asfinag sprach von einem überraschend ruhigen und insgesamt normalen Sonntag, auch der österreichische Autofahrerclub ÖAMTC zog eine positive Bilanz.

Schon am Morgen war auf den Kamerabildern der Asfinag auf Tirols Autobahnen zwar stellenweise dichter Verkehr zu sehen, Meldungen über längere Staus oder nennenswerte Verzögerungen gab es aber nicht. Nach Einschätzung des ÖAMTC hatten sich viele Reisende gut auf die Sperre eingestellt und ihre Fahrten entsprechend angepasst.

Auch auf den bayerischen Zufahrtsstrecken sowie auf italienischer Seite floss der Verkehr. Während der Sperre wies die Tiroler Polizei nach eigenen Angaben 219 Lastwagen zurück, die den Pass passieren wollten.

Auslöser der Sperre war am Samstag eine Demonstration auf der Brenner-Autobahn von 11.00 bis 19.00 Uhr. Laut Polizei beteiligten sich mehrere Tausend Menschen an dem Protest gegen die seit Jahrzehnten zunehmende Verkehrsbelastung im Wipptal. Die Demonstrierenden forderten unter anderem mehr Lärmschutz und eine stärkere Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene.

Der Initiator der Kundgebung, Gries-am-Brenner-Bürgermeister Karl Mühlsteiger, sprach von einer erreichten Schmerzgrenze für die Bevölkerung. Die Menschen in der Region litten unter Lärm und Abgasen, sagte er. Unterstützung kam auch aus der Tiroler Landespolitik: Landeshauptmann Anton Mattle forderte unter anderem eine Korridormaut, intelligenteres Verkehrsmanagement und mehr Güterverkehr auf der Schiene.

Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke verwies darauf, dass in den kommenden Jahren rund 150 Millionen Euro in den Lärmschutz entlang des Brennerkorridors investiert werden sollen. Langfristig könne die Verkehrsfrage aber nur gemeinsam mit Deutschland und Italien gelöst werden.

Als große Zukunftshoffnung gilt der Brennerbasistunnel. Das 64 Kilometer lange Bahnprojekt soll nach derzeitiger Planung 2032 fertig werden und die Reisezeit Richtung Italien deutlich verkürzen. Wegen offener Probleme bei den Zulaufstrecken auf deutscher Seite dürfte der Tunnel allerdings zunächst nicht mit voller Kapazität genutzt werden können.

Dass die Demonstration überhaupt stattfinden durfte, geht auf eine Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts Tirol zurück. Frühere Proteste waren mit Verweis auf einen drohenden Verkehrskollaps untersagt worden. Das Gericht stellte diesmal jedoch die Versammlungsfreiheit in den Vordergrund.

Unterdessen bleibt der Transitverkehr über Tirol auch politisch und juristisch umkämpft. Italien geht gegen Tiroler Beschränkungen für den Lkw-Verkehr vor dem Europäischen Gerichtshof vor. Zudem ist bereits die nächste kurzzeitige Sperre einer wichtigen Alpenroute angekündigt: Der Fernpass soll am 27. Juni wegen einer Demonstration für zwei Stunden gesperrt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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