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Koalas, Kobolde, KI: So plant sie deinen Urlaub

Urlaubsplanung per KI? Diese digitalen Reisehelfer wirken genial – bis sie plötzlich Tipps geben, die völlig absurd sind.

22.07.2026, 06:00 Uhr

KI-Reisehelfer weltweit: So unterstützen digitale Guides Urlauber

In diesem Sommer begegnen deutsche Reisende in immer mehr Urlaubsländern digitalen Assistenten, die bei der Orientierung, der Tagesplanung und typischen Reisefragen helfen. Oft ist das nützlich, manchmal überraschend – und je nach Land auch sehr unterschiedlich im Stil. Einige Beispiele:

Tatai in Thailand: freundlich, verspielt und stets auf Tourismus programmiert

In Thailand steht Urlaubern mit Tatai ein KI-Helfer zur Seite, der rund um die Uhr Fragen zu Tempeln, Inseln, Stränden oder Garküchen beantwortet – auch auf Deutsch. Der digitale Begleiter wirkt wie eine futuristische Comicfigur und passt mit seinem gut gelaunten Auftreten bestens zum Ruf Thailands als „Land des Lächelns“.

Ganz gleich, ob es um romantische Strände, Streetfood oder Bars auf Dachterrassen geht: Tatai liefert schnell passende Vorschläge und reagiert auffallend enthusiastisch. Auf die Frage nach Restaurants, in denen europäische Gäste nicht von extremer Schärfe überrascht werden, nennt er westliche Lokale im ganzen Land. Bei milden thailändischen Gerichten wird die Auswahl dagegen kleiner. Dafür kennt er auch Adressen für deutsche Küche – von bayerisch angehauchten Wirtshäusern bis zur Sternegastronomie in Bangkok.

Sobald es allerdings politisch wird, blockt Tatai ab. Fragen zur innenpolitischen Lage seien nicht Teil seiner Aufgabe als Tourismusassistent, erklärt er. Heikle Themen umgeht er lieber und lenkt das Gespräch zügig zurück auf Sehenswürdigkeiten und Essen.

Tourismus auf Bali
Tipps zu Stränden oder Tempeln, etwa auf Bali? Immer mehr KI-Reiseassistenten stehen bereit, um Touristen zu helfen. Quelle: Carola Frentzen/dpa

Julia in Rom: schnell, sachlich und sogar tolerant bei Pizza Hawaii

In Rom hilft Julia bei typischen Touristenfragen weiter – etwa zum schnellsten Weg zum Kolosseum, zu Busverbindungen oder zu Restaurantempfehlungen. Die KI ist über Messenger wie WhatsApp oder Telegram erreichbar und beantwortet in Echtzeit Fragen zu Museen, Attraktionen und dem öffentlichen Nahverkehr. Laut Stadt beherrscht sie 80 Sprachen, darunter Deutsch.

Besonders bei praktischen Informationen wie Öffnungszeiten oder Eintrittsregeln arbeitet Julia zuverlässig. Wer sich etwa nach dem Trevi-Brunnen erkundigt, bekommt aktuelle Hinweise zu Eintritt und Ticketreservierung.

Auch bei kulinarisch sensiblen Themen bleibt Julia gelassen. Wer nach Pizza mit Ananas fragt, bekommt keine Standpauke: In klassischen Pizzerien sei sie zwar eher selten, aber manche Lokale böten sie durchaus an. Ihr Rat: am besten vorher kurz anrufen. Verurteilt werde man dafür nicht.

Bunji in Queensland: ein Koala mit lässigem Tonfall

Im australischen Bundesstaat Queensland übernimmt Bunji die Rolle des digitalen Reiseführers – und zwar nicht als Mensch, sondern als Koala. Mit grünem Hemd und lockerem Auftreten wirkt er wie frisch von einer Grillfeier im Outback. Begrüßt wird man stilecht mit einem „G’day mate!“. Deutsch versteht Bunji zwar, antwortet aber konsequent in australischem Englisch.

Der Assistent wirkt unterhaltsam und charmant, weist aber selbst darauf hin, dass Fehler möglich sind und wichtige Angaben geprüft werden sollten. Tatsächlich neigt Bunji dazu, die gewaltigen Entfernungen in Australien zu unterschätzen und Touren vorzuschlagen, die für einen Tagesausflug kaum realistisch sind.

Fragt man ihn nach gefährlichen Tieren, bleibt er entspannt und empfiehlt lieber sichere Begegnungen mit Koalas oder Kängurus als unfreiwillige Treffen mit Schlangen, Spinnen oder Krokodilen. Trotzdem mahnt er zu festem Schuhwerk bei Wanderungen durchs Buschland.

Maia in Indonesien: offen, freundlich und mit Blick auf Nachhaltigkeit

In Indonesien hilft Maia weiter – mehrsprachig, höflich und erstaunlich offen auch bei kritischen Themen. Die digital inszenierte Reiseassistentin tritt im traditionellen Outfit auf und schafft es, selbst problematische Seiten des Landes einzuordnen, ohne sie zu beschönigen.

Spricht man sie auf den Massentourismus auf Bali an, verweist sie darauf, dass dies nur ein Teil der Wirklichkeit sei, und empfiehlt ruhigere Ziele wie das Bergdorf Munduk oder die Insel Serangan mit Surfspots und Meeresschildkröten. Auch das Müllproblem an manchen Stränden spricht sie klar an. Gleichzeitig gibt sie praktische Tipps, etwa wiederverwendbare Wasserflaschen mitzunehmen und nachhaltige Anbieter zu unterstützen.

Bei der Frage nach ihrer Lieblingsinsel bleibt Maia zunächst diplomatisch und betont, jede Insel habe ihren eigenen Zauber. Wer weiter nachhakt, bekommt dann aber doch persönlichere Vorlieben genannt.

Zürich: gleich mehrere digitale Stadtführer

Für Zürich stehen sogar drei KI-Guides bereit. Celine gibt sich nüchtern und erklärt offen, dass sie lieber keine Antwort erfindet, wenn ihr belastbare Informationen fehlen. So kann sie etwa kein veganes Restaurant mit Alpenblick empfehlen.

Fernando präsentiert sich mit einer erfundenen Lebensgeschichte als Zugezogener aus Brasilien. Auf Nachfrage räumt er charmant ein, dass diese Biografie nur eine erzählerische Figur sei, damit seine Empfehlungen menschlicher wirken.

Sophie wiederum soll besonders authentisch erscheinen und behauptet, in Zürich-Wiedikon aufgewachsen zu sein. Wer nach eher untouristischen Vorschlägen fragt, bekommt unter anderem einen Friedhof als Spazierort empfohlen – ruhig, lokal geprägt und weit entfernt vom üblichen Besuchsprogramm.

Empfehlungen besser gegenprüfen

So hilfreich solche Systeme auch sein können: Wer die komplette Urlaubsplanung einer KI überlässt, sollte Vorschläge immer kontrollieren. In Tasmanien folgten Reisende bereits Hinweisen zu frei erfundenen Thermalquellen. Und in Australien entpuppte sich ein angeblich „fußläufig“ gelegenes Hotel laut Medienberichten als rund 13 Stunden Marsch vom Strand entfernt.

Unterm Strich können KI-Assistenten auf Reisen praktisch sein – ersetzen aber weder gesunden Menschenverstand noch einen kurzen Faktencheck.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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