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Tour-Krönung für Vollering – Niedermaier in Weiß

Vier Sekunden entschieden einst gegen sie – jetzt schlägt Demi Vollering zurück. Und auch Deutschlands Hoffnung jubelt.

09.08.2026, 19:00 Uhr

Demi Vollering hat die Tour de France Femmes zum zweiten Mal nach 2023 gewonnen. Die niederländische Europameisterin brachte ihr Gelbes Trikot auf der Schlussetappe in und um Nizza souverän ins Ziel und sicherte sich den Gesamtsieg mit 78 Sekunden Vorsprung vor der Polin Katarzyna "Kasia" Niewiadoma. Auf der Promenade des Anglais raste Vollering mit ausgebreiteten Armen über die Ziellinie, anschließend stemmte sie ihr Rad in die Höhe. "Es ist ein Traum", sagte sie danach.

Erfolge für Deutsche

Für Antonia Niedermaier gab es ebenfalls Grund zur Freude. Die 23-Jährige aus Rosenheim gewann das Weiße Trikot als beste Nachwuchsfahrerin und schob sich im Gesamtklassement am Ende noch auf einen starken vierten Rang vor. Nachdem sie beim Giro d’Italia bereits Zweite hinter Vollering geworden war, unterstrich sie damit erneut ihr großes Potenzial.

"Ich glaube, es dauert ein bisschen, bis man das realisiert. Es war eine supertolle Tour. Ich freue mich, dass es ein gutes Ergebnis geworden ist. Leider ist es für Kasia nicht Gelb geworden. Aber trotzdem sind wir superstolz auf sie", sagte Niedermaier in der ARD. Mit Blick auf das Weiße Trikot ergänzte sie: "Ich hoffe, dass es eine Inspiration ist für die jungen Mädchen."

Auch das Canyon-Team um Niewiadoma ging damit nicht leer aus. Niedermaiers Leistung auf der letzten Etappe machte zudem deutlich, dass mit der deutschen Hoffnungsträgerin in Zukunft zu rechnen ist.

Revanche im direkten Duell

Vollering gelang damit auch die Revanche für ihre knappe Niederlage gegen Niewiadoma. Vor zwei Jahren hatte die Polin in Alpe d’Huez mit nur vier Sekunden Vorsprung den Tour-Triumph gefeiert.

Die neunte und letzte Etappe über 99,2 Kilometer mit Start und Ziel in Nizza entwickelte sich erneut zum direkten Duell der beiden Topfahrerinnen. Auf dem Rundkurs ging es viermal über den Col d’Èze, bei Temperaturen von mehr als 30 Grad war zunächst auch Niedermaier stark gefordert. Die Deutsche hielt für Niewiadoma das Tempo hoch und half mit, die Spitzengruppe deutlich zu verkleinern.

Am letzten Anstieg setzten sich schließlich Vollering und Niewiadoma gemeinsam ab. Rund 500 Meter vor der letzten Bergwertung attackierte Vollering entscheidend und fuhr solo zum Tagessieg. Hinter ihr kam die Spanierin Paula Blasi auf Platz zwei ins Ziel.

Vollering hatte die Gesamtführung erst am Samstag übernommen. Niewiadoma war tags zuvor mit einem starken Soloritt am Mont Ventoux ins Gelbe Trikot gefahren, ehe sich das Klassement auf der Schlussphase der Rundfahrt noch einmal drehte.

Ärger vor dem Finale

Der Zweikampf zwischen Vollering und Niewiadoma war in den letzten Tagen zudem von einer hitzigen Szene begleitet worden. Nach der Samstags-Etappe stellte Niewiadoma Vollerings Teamkollegin Célia Géry zur Rede und warf ihr vor, sie in einer entscheidenden Rennphase abgedrängt zu haben.

Canyon-Teamchef Ronny Lauke sprach von einer emotional aufgeladenen Situation. Niewiadoma sei vor dem letzten Anstieg mit härteren Bandagen angefahren worden. Zugleich betonte er, die Szene habe sich innerhalb der Regularien bewegt, sei aber körperlicher gewesen, als es im Radsport üblich sei. Die Kommissäre griffen nach Sichtung der Bilder nicht ein. Damit blieb alles offen für ein weiteres Herzschlagfinale.

Spannende Rundfahrt, starke Saison

Im Gegensatz zur klar dominierten Männer-Tour bot das Frauenrennen bis zuletzt Spannung. Während Weltmeister Tadej Pogacar die Tour der Männer zuletzt deutlich beherrschte, gab es bei den Frauen ständige Führungswechsel. Auf den neun Etappen über insgesamt 1175 Kilometer trugen fünf verschiedene Fahrerinnen das Gelbe Trikot.

Am Ende setzte sich mit Vollering die derzeit wohl stärkste Fahrerin im Frauen-Radsport durch und setzte die niederländische Dominanz fort. Erst im Juni hatte die 29-Jährige den Giro gewonnen, zuvor bereits die Flandern-Rundfahrt, den Flèche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Die deutschen Fahrerinnen müssen beim wichtigsten Frauenrennen der Welt zwar weiter seit 2023 auf einen Etappensieg warten, spielten aber dennoch eine gute Rolle. Die deutsche Meisterin Franziska Koch arbeitete als wichtige Helferin für Vollering, Liane Lippert unterstützte Marlen Reusser, die auf der letzten Etappe nach einem Sturz ihren Podestplatz noch verlor. Niedermaier setzte mit Weiß und Rang vier dennoch ein starkes deutsches Ausrufezeichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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