Allgemein

Gewalt bei Einsätzen? Bahn testet Schutzhelme

Böller, Raketen, Gewalt: DB-Sicherheitskräfte schlagen Alarm. Jetzt greift die Bahn zu einer überraschenden Schutzmaßnahme.

05.06.2026, 12:25 Uhr

Bahn testet Schutzhelme für Sicherheitskräfte in Berlin

Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn könnten künftig mit Schutzhelmen ausgestattet werden, wie man sie von der Bundespolizei kennt. Von Juni bis Dezember erprobt der Konzern diese Ausrüstung bei seiner Mobilen Unterstützungsgruppe (MUG) in Berlin. Die speziell geschulte Einheit kommt unter anderem bei Fußballspielen und Demonstrungen zum Einsatz.

Der Anstoß für das Pilotprojekt kam aus dem Team selbst: Zwei Beschäftigte der MUG hatten das Thema bei einem bahninternen Sicherheitsgremium eingebracht. Einer der Initiatoren schilderte, dass die Einsatzkräfte immer häufiger mit deutlich angespannten und aggressiven Situationen konfrontiert seien, die über frühere Erfahrungen hinausgingen. Gerade bei Fußballlagen oder in der Silvesternacht habe es vermehrt Angriffe aus Gruppen heraus gegeben, etwa durch Böller oder Raketen.

Helme sollen nur in kritischen Momenten getragen werden

Die Berliner MUG besteht aus 15 besonders ausgebildeten Kräften. Sie unterstützt bei besonderen Einsatzlagen und arbeitet dabei regelmäßig gemeinsam mit Einheiten der Bundespolizei.

Nach Angaben der Bahn hatten Polizeikräfte in gefährlichen Situationen bislang einen besseren Kopfschutz als das Sicherheitspersonal des Konzerns. DB-Personalvorstand Martin Seiler betonte, dass Bahnmitarbeitende bei gemeinsamen Einsätzen mit der Bundespolizei vergleichbar ausgerüstet sein müssten.

Ein dauerhafter Einsatz der Helme ist jedoch nicht vorgesehen. Sie sollen an der Uniform mitgeführt und erst dann aufgesetzt werden, wenn sich eine Lage zuspitzt. Ziel ist es, den Schutz der Beschäftigten zu erhöhen und ihre Einsatzfähigkeit auch in heiklen Situationen zu sichern. Fällt der Test positiv aus, könnte die Ausrüstung ab 2027 bundesweit eingeführt werden.

Pressetermin mit DB Sicherheit
Für Seiler sei die Forderung nach Schutzhelmen «einleuchtend» gewesen. Quelle: Britta Pedersen/dpa

Derzeit verfügen MUG-Kräfte unter anderem über Einsatzhandschuhe, Handfesseln, Schlagstock, Schutzweste, Einsatzkoppel und Tierabwehrspray. Solche Einheiten gibt es bundesweit an zehn Standorten.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen nach tödlichem Angriff

Zusätzlichen Druck auf das Thema Sicherheit hatte der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter Anfang Februar in einer Regionalbahn in der Westpfalz ausgelöst. Die Tat während einer Fahrkartenkontrolle hatte bundesweit Bestürzung hervorgerufen.

Die Deutsche Bahn hat seitdem mehrere weitere Schritte angekündigt. Beschäftigte mit Kundenkontakt im Regional- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen können sich freiwillig mit Bodycams ausrüsten lassen. Im dritten Quartal sollen zudem Geräte getestet werden, die auch Ton aufzeichnen. Darüber hinaus plant der Konzern mehr Sicherheitspersonal, einen Ausbau von Deeskalationstrainings und Versuche mit einer Doppelbesetzung aus zwei Zugbegleitern auf einzelnen Strecken.

Die Zahl der Übergriffe auf Bahnmitarbeitende ist zuletzt weiter gestiegen. Laut Bundesregierung wurden im Jahr 2025 rund 2.690 Angriffe registriert. Das entspricht einem Zuwachs von etwa elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen