Edgar Morin im Alter von 104 Jahren gestorben
Der französische Philosoph und Soziologe Edgar Morin ist tot. Wie französische Medien unter Berufung auf seine Familie meldeten, starb er am Freitag in Paris im Alter von 104 Jahren. Morin galt als einer der bedeutendsten Intellektuellen Frankreichs. Auch in Deutschland wurde er bekannt, unter anderem durch sein Buch „Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland“, in dem er die unmittelbare Nachkriegszeit nach 1945 und den gesellschaftlichen Neuanfang schilderte.
Morin wurde 1921 in Paris als Edgar Nahoum geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie mit griechischen Wurzeln. Aus dem Studenten wurde während der deutschen Besatzung ein Mitglied der Résistance, des französischen Widerstands gegen die Nationalsozialisten. Später schloss er sich dem Kommunismus an, entwickelte sich jedoch mit der Zeit zu einem scharfen Kritiker ideologischer Denksysteme. Die Erfahrungen von Krieg, Verfolgung und Unsicherheit beeinflussten sein späteres Werk nachhaltig.
Vordenker des komplexen Denkens
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand Morin zunächst dem kommunistischen Milieu nahe, wandte sich aber später vom Stalinismus ab. Weltweite Bekanntheit erlangte er vor allem mit seiner Theorie des komplexen Denkens. Darin wandte er sich gegen vereinfachende Erklärungen und betonte, dass Wirklichkeit aus vielfältigen Zusammenhängen entsteht – etwa zwischen Individuum und Gesellschaft, Ordnung und Chaos sowie Wissen und Ungewissheit.
Morin erhielt Ehrendoktorwürden von 38 ausländischen Universitäten. Zudem veröffentlichte er rund 40 Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Bis ins hohe Alter mischte er sich in aktuelle Debatten ein und äußerte sich immer wieder zu Themen wie Globalisierung, Umweltkrise, Konflikten und Kriegen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion