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Belästigung auf Ärztetag? Jetzt reagiert die Kammer

Übergriffe beim Ärztetag? Studentinnen erheben schwere Vorwürfe – nun verspricht die Ärztekammer Hilfe und Aufklärung.

18.05.2026, 17:05 Uhr

Die Bundesärztekammer hat nach Berichten über mutmaßliche sexuelle Belästigung beim Deutschen Ärztetag in Hannover Unterstützung für die Betroffenen zugesagt. Wie die Kammer auf Anfrage mitteilte, stehe sie in engem Kontakt mit der Vertretung der Medizinstudierenden. Das „Deutsche Ärzteblatt“ hatte die Anschuldigungen zuvor öffentlich gemacht.

Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen hatten Medizinstudierende in einer Rede von mehreren übergriffigen Situationen während der Veranstaltung berichtet. Demnach ging es unter anderem um Bemerkungen über das Aussehen und die Kleidung, unerwünschte Berührungen an Rücken und Gesäß, Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gespräche.

Debatte über Machtmissbrauch und Grenzverletzungen

Laut einer Erklärung, die der dpa vorliegt, sollen alle fünf Studentinnen einer Delegation während des dreitägigen Treffens in Niedersachsen solche Erfahrungen gemacht haben. Die Bundesärztekammer erklärte, dass daraufhin noch am Freitag eine intensive Diskussion über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im Gesundheitswesen geführt worden sei.

Bislang gibt es keine strafrechtlichen Ermittlungen. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft Hannover liegen nach eigenen Angaben Anzeigen oder Strafanträge vor. Nach dem Strafgesetzbuch kann sexuelle Belästigung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden.

Schutzkonzepte und klare Regeln geplant

Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe betont, dass Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt – unabhängig davon, ob sie verbal oder körperlich erfolgen – mit den Grundwerten des ärztlichen Berufs unvereinbar seien. Der Vorstand wolle sich des Themas annehmen und arbeite an klaren Compliance-Regeln sowie umfassenden Schutzmaßnahmen.

Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen sollen Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung ein Schwerpunktthema des Ärztetags 2027 werden. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden unterstützt dieses Vorhaben und sieht darin ein deutliches Signal für notwendige Veränderungen. Zugleich gehe es ihr darum, das Bewusstsein für solches Verhalten weiter zu schärfen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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