Zwei Drittel der Menschen in Deutschland sprechen sich für ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren aus. Konkret liegt die Zustimmung laut einer repräsentativen Erhebung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) bei 66 Prozent. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf der Medienkonferenz re:publica in Berlin.
Die Studie zeigt, wie emotional die Debatte inzwischen geführt wird. Seit Australien im Dezember 2025 ein entsprechendes Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat, werden ähnliche Schritte auch in Deutschland und auf EU-Ebene lauter diskutiert. Forschende warnten auf der re:publica jedoch eindringlich davor, vorschnell zu handeln.
Zustimmung sinkt mit höherer Altersgrenze
Die Umfrage zeichnet ein differenziertes Bild: Ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren findet breite Unterstützung. Wird die Altersgrenze höher angesetzt, nimmt die Zustimmung aber deutlich ab. Bei einem Verbot für alle Minderjährigen unter 18 Jahren überwiegt schließlich die Ablehnung.
Zugleich zweifeln viele Menschen an der praktischen Umsetzbarkeit. 59 Prozent der Befragten glauben nicht, dass ein gesetzliches Verbot Kinder tatsächlich von der Nutzung sozialer Medien abhalten würde. Selbst unter den Befürwortern eines Verbots äußert mehr als die Hälfte (55 Prozent) Zweifel an dessen Wirksamkeit.
Kritik aus der Wissenschaft
Forschende vom bidt, vom Center for Advanced Internet Studies (CAIS) und vom Weizenbaum-Institut verwiesen in Berlin darauf, dass das Verbot in Australien vor allem mit möglichen Folgen für die psychische Gesundheit junger Menschen begründet worden sei. Die Sichtweisen von Jugendlichen seien dabei jedoch kaum einbezogen worden.
Josephine B. Schmitt, wissenschaftliche Koordinatorin am CAIS, kritisierte, pauschale Verbote ersetzten oft die Debatte über eine wirksame Regulierung von Plattformen. Solche Maßnahmen vermittelten zwar politischen Handlungswillen, schoben die Verantwortung aber auf junge Menschen, statt Anbieter konsequent in die Pflicht zu nehmen.
Schmitt betonte zudem, soziale Medien seien für Jugendliche nicht nur mit Risiken verbunden. Sie seien auch wichtige Räume für Information, Austausch, Selbstorganisation und gesellschaftliche Teilhabe. Verbote würden viele Probleme deshalb nicht lösen, sondern eher in weniger sichtbare Bereiche verlagern.
Anbieter stärker in die Pflicht nehmen
Der Psychologe und Wirtschaftsinformatiker Hannes-Vincent Krause warnte davor, in einer von Ängsten geprägten Diskussion in blinden Aktionismus zu verfallen. Aus wissenschaftlicher Sicht sei ein Verbot weder in seiner Notwendigkeit noch in seiner Wirksamkeit ausreichend belegt. Statt pauschaler Plattformverbote brauche es aus seiner Sicht strengere Regeln für problematische Inhalte durch die Anbieter sowie eine bessere Vermittlung von Medienkompetenz.
Für die Studie befragte Statista+ Research im Auftrag des bidt online 2.500 Personen ab 16 Jahren in Deutschland zu ihrer Haltung gegenüber möglichen Social-Media-Verboten für Kinder und Jugendliche. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die Bevölkerung in der Bundesrepublik.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion