Zwei Drittel der Menschen in Deutschland befürworten ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Erhebung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt), die auf der Medienkonferenz re:publica in Berlin vorgestellt wurde.
Die Untersuchung zeigt, wie kontrovers das Thema inzwischen diskutiert wird. Seit Australien im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat, werden ähnliche Schritte auch in Deutschland und auf EU-Ebene verstärkt gefordert. Forschende warnten auf der re:publica jedoch davor, vorschnell zu handeln.
Zustimmung sinkt mit höherem Alter
Laut Umfrage hängt die Unterstützung stark von der jeweiligen Altersgrenze ab. Ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren findet breite Zustimmung. Je höher die Altersgrenze angesetzt wird, desto geringer fällt die Zustimmung aus. Bei einem Verbot für Minderjährige unter 18 Jahren überwiegt schließlich sogar die Ablehnung.
Zugleich zweifeln viele daran, dass ein solches Verbot in der Praxis wirksam durchgesetzt werden könnte. 59 Prozent der Befragten glauben nicht, dass Kinder durch ein gesetzliches Verbot tatsächlich von der Nutzung sozialer Medien abgehalten würden. Selbst unter den Befürwortern sind 55 Prozent skeptisch, ob die Maßnahme funktionieren würde.
Kritik aus der Forschung
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom bidt, vom Center for Advanced Internet Studies (CAIS) und vom Weizenbaum-Institut verwiesen in Berlin darauf, dass das australische Verbot vor allem mit möglichen Gefahren für die psychische Gesundheit junger Menschen begründet worden sei. Die Sichtweisen von Jugendlichen seien bei der Entscheidung jedoch kaum einbezogen worden.
Josephine B. Schmitt, wissenschaftliche Koordinatorin am CAIS, sagte, pauschale Verbote ersetzten häufig die Debatte über wirksame Regeln für Plattformen. Solche Maßnahmen vermittelten zwar politischen Handlungswillen, verlagerten die Verantwortung jedoch auf junge Menschen, anstatt Anbieter konsequent in die Pflicht zu nehmen.
Schmitt betonte zudem, soziale Medien seien für Jugendliche nicht nur mit Risiken verbunden. Sie dienten auch als Räume für Information, Austausch, Selbstorganisation und gesellschaftliche Beteiligung. Verbote beseitigten Probleme daher nicht unbedingt, sondern verlagerten sie eher in weniger sichtbare Bereiche.
Forderung nach stärkerer Regulierung der Anbieter
Der Psychologe und Wirtschaftsinformatiker Hannes-Vincent Krause warnte davor, in einer von Sorgen geprägten Debatte in überhasteten Aktionismus zu verfallen. Aus wissenschaftlicher Sicht sei ein Verbot weder eindeutig notwendig noch sei seine Wirksamkeit belegt. Statt allgemeiner Plattformverbote brauche es seiner Ansicht nach strengere Regeln für problematische Inhalte sowie eine bessere Förderung von Medienkompetenz.
Für die Studie befragte Statista+ Research im Auftrag des bidt online 2.500 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die Bevölkerung in der Bundesrepublik.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion