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Kino-Comeback: Warum plötzlich mehr Tickets weggehen

Kinos boomen wieder: Zwei Mega-Filme locken Massen an – und das rätselhafte «Spodyssey»-Phänomen entfacht neuen Hype.

24.08.2026, 11:33 Uhr

Kinos in Deutschland steuern auf starken Sommer und womöglich bestes Jahr seit Corona zu

Trotz Hochsommer zieht es derzeit viele Menschen ins Kino. Vor allem zwei sehr unterschiedliche Großproduktionen sorgen für den Andrang: „Spider-Man: Brand New Day“ und „Die Odyssee“. In englischsprachigen Medien kursieren für das Erfolgsduo bereits Wortschöpfungen wie „Spodyssey“. Beide Filme geben dem deutschen Kinomarkt derzeit spürbaren Rückenwind.

Bestes erstes Halbjahr seit der Pandemie

Nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 47,5 Millionen Kinotickets verkauft. Der Umsatz lag bei etwa 502,2 Millionen Euro. Das waren gegenüber dem Vorjahreszeitraum knapp sieben Millionen Tickets mehr – ein Plus von 16,9 Prozent. Beim Umsatz stand ein Zuwachs von 24,5 Prozent, also fast 100 Millionen Euro.

Die FFA spricht damit vom stärksten ersten Halbjahr seit der Corona-Pandemie. Zwar wurden im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2019 noch immer rund sechs Millionen Karten weniger verkauft. Beim Umsatz lag der Markt aber neun Prozent über dem damaligen Wert. Ein Grund dafür dürften auch die inzwischen höheren Ticketpreise sein.

Sind bis Jahresende 100 Millionen Tickets möglich?

FFA-Vorstand Peter Dinges erklärte, der Kinomarkt habe mit diesen Zahlen ein Niveau erreicht, das vor wenigen Jahren viele kaum für möglich gehalten hätten. Die Branche blicke daher mit großer Zuversicht auf die kommenden Monate. Wenn sich der positive Trend fortsetze, könnte 2026 das stärkste Kinojahr seit der Pandemie werden.

An die Zeit vor Corona reicht der Markt bislang dennoch nicht heran. 2019 wurden in Deutschland insgesamt rund 119 Millionen Kinokarten verkauft. Mit dem Beginn der Pandemie mussten Kinos bundesweit schließen, die Branche fiel in eine historische Zwangspause. Die Erholung setzte danach nur langsam ein.

Nach „Barbenheimer“ nun „Spodyssey“

Nach Einschätzung der FFA könnten bis zum Jahresende wieder etwa 100 Millionen Tickets verkauft werden. Schub geben dabei vor allem der neue „Spider-Man“ und Christopher Nolans Epos „Die Odyssee“.

Eine zusätzliche Verbindung zwischen beiden Filmen gibt es auch auf der Besetzungsliste: Tom Holland ist aktuell sowohl in „Spider-Man: Brand New Day“ als auch in „Die Odyssee“ zu sehen.

Besonders „Spider-Man: Brand New Day“ setzt Maßstäbe. Beim Umsatz gelang dem Film der erfolgreichste US-Kinostart der Filmgeschichte. Auch in Deutschland lief der Auftakt laut dem Branchenmagazin „THE SPOT media & film“ außergewöhnlich stark: Es war hierzulande nicht nur der umsatzstärkste Start eines „Spider-Man“-Films, sondern zugleich auch der bislang stärkste Kinostart des Jahres.

US-Medien spielen bereits mit Namen für den gleichzeitigen Erfolg der beiden Filme. „Entertainment Weekly“ spricht von „Odyssey-Man“, während „GQ“ den Begriff „Spodyssey“ verwendet – verbunden mit dem Hinweis, dass dieser Ausdruck wohl nicht ganz so eingängig sei wie „Barbenheimer“. So wurde 2023 der gemeinsame Hype um „Barbie“ und „Oppenheimer“ genannt. Auch damals profitierten die deutschen Kinos: In jenem Jahr wurden 95,7 Millionen Tickets verkauft.

Die bislang beliebtesten Filme des Jahres

Im ersten Halbjahr 2026 war der meistgesehene Film bislang der Animationshit „Der Super Mario Galaxy Film“ mit rund 3,7 Millionen verkauften Tickets.

Dahinter folgen:

  1. „Michael“ – das Biopic über Michael Jackson mit etwa 2,8 Millionen Tickets
  2. „Der Teufel trägt Prada 2“rund 2,6 Millionen Tickets
  3. „Avatar: Fire and Ash“etwa 2,5 Millionen Tickets
  4. „Extrawurst“fast zwei Millionen Besucher

Mit „Extrawurst“ schaffte es auch eine deutsche Produktion in die Top 5. Die Komödie mit Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst erwies sich damit als großer Publikumserfolg.

Deutscher Filmanteil bleibt hoch

Nach FFA-Angaben entfiel im ersten Halbjahr etwa jedes vierte Kinoticket auf einen deutschen Film. Abgesehen vom Pandemiejahr 2020 ist das der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Zugleich ist der Kinobesuch erneut teurer geworden: Der durchschnittliche Ticketpreis lag in den ersten sechs Monaten bei 10,57 Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 9,92 Euro.

Hoffnung auf weitere Impulse im zweiten Halbjahr

Auch Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands HDF Kino, sieht eine spürbare Aufbruchstimmung. Das erste Kinohalbjahr sei deutlich erfolgreicher verlaufen als in den vergangenen Jahren. Die Annäherung an das Vorkrisenniveau von 2019 gehe damit weiter. Bis Jahresende sei die Marke von 100 Millionen Kinobesuchen erreichbar.

Für die kommenden Monate erwartet die Branche weiteren Schub. Im Oktober startet die Komödie „Der perfekte Urlaub“ von Bora Dagtekin mit Elyas M’Barek, Karoline Herfurth und Florian David Fitz. Im Dezember folgen dann die Marvel-Fortsetzung „Avengers: Doomsday“ sowie mit „Dune 3“ das Finale der Science-Fiction-Trilogie.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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