Allgemein

Alarm in Spanien: Zwei Regionen im Notstand

11.000 Menschen sind schon geflohen – und Madrid fürchtet, dass die Feuer jetzt erst richtig außer Kontrolle geraten.

24.07.2026, 09:59 Uhr

Schwere Waldbrände halten Frankreich und Spanien weiter in Atem. Während Spanien für das Umland von Madrid und eine weitere Region den Notstand ausgerufen hat, mussten an der französischen Atlantikküste Zehntausende weitere Urlauber und Anwohner vorsorglich ihre Unterkünfte verlassen. In beiden Ländern warnen die Behörden vor ungünstigen Wetterbedingungen, die die Löscharbeiten erschweren.

Frankreich: Bereits rund 110.000 Menschen evakuiert

Wegen der sich weiter unkontrolliert ausbreitenden Brände an Frankreichs Atlantikküste sind nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez inzwischen rund 110.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

An der auch bei deutschen Urlaubern beliebten Küste nahe Bordeaux mussten weitere 24.000 Menschen zehn Orte am Becken von Arcachon verlassen. Bereits zuvor waren dort rund 20.000 Menschen evakuiert worden, vor allem von Campingplätzen und aus Ferienanlagen. Von Cap Ferret aus werden für die Räumungen inzwischen auch Schiffe eingesetzt.

Weil sich der Wind gedreht hat, änderte sich nach Angaben des Innenministers auch die Ausbreitungsrichtung des Feuers. Die Flammen ziehen nun nach Osten in Richtung des Großraums Bordeaux. Die Stadt selbst ist derzeit nicht unmittelbar bedroht, allerdings wurde der Flughafen Bordeaux-Mérignac wegen der dichten Rauchentwicklung geschlossen.

Das Feuer in der Region hat sich inzwischen auf 14.000 Hektar ausgedehnt – eine Fläche größer als Paris. Nach Behördenangaben wurden 80 Gebäude beschädigt, davon 53 vollständig zerstört, darunter auch ein Campingplatz. Rund 1.000 Feuerwehrleute kämpfen mit dem Ziel, Menschenleben und Gebäude zu schützen, unterstützt von neun Löschflugzeugen und zwei Löschhubschraubern. Aus der Bevölkerung wurde bislang niemand verletzt, allerdings erlitten 42 Feuerwehrleute überwiegend leichte Verletzungen.

Brand bei Biscarrosse wohl durch Lieferwagen ausgelöst

Auch südlich von Bordeaux, im Gebiet um Biscarrosse, bleibt die Lage angespannt. Dort mussten inzwischen 23.000 Menschen ihre Unterkünfte verlassen, vor allem auf Campingplätzen und in Ferienquartieren.

Nach Angaben der Behörden fing dort vermutlich ein Lieferwagen wegen eines technischen Defekts auf einer durch den Wald führenden Landstraße Feuer. Die Flammen breiteten sich anschließend rasch auf die umliegende Natur aus. Etwa 100 Häuser wurden beschädigt, 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

Dramatische Szenen spielten sich zudem auf einem Reitgestüt in Biscarrosse ab: Auf Videos war zu sehen, wie Pferde aus ihren Stallungen gelassen wurden, damit sie sich vor dem heranrückenden Feuer in Sicherheit bringen konnten.

Viele Betroffene wurden vorläufig in Notunterkünften oder in Ausweichquartieren in benachbarten Urlaubsorten untergebracht. In Bordeaux wurde zusätzlich eine Messehalle geöffnet, die für die Aufnahme von bis zu 10.000 Evakuierten vorbereitet wird. Die Gendarmerie koordiniert die Räumungen und bewacht verlassene Campingplätze und Ferienanlagen, in denen zahlreiche Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten.

Wetterlage bleibt schwierig – Hilfe aus der EU

Die Lage an der Atlantikküste bleibt nach Behördenangaben äußerst schwierig. Für die Region wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad erwartet. Die Präfektur des Départements Landes teilte mit, dass der Brand bei Biscarrosse weiter nicht unter Kontrolle sei. Wind und die instabile Wetterlage erschwerten die Eindämmung zusätzlich.

Frankreich erhält inzwischen auch Unterstützung über den EU-Hilfsmechanismus. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, dass unter anderem zwei Löschflugzeuge aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei helfen sollen.

Auch aus Deutschland wurde Unterstützung angeboten: Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Deutschland sei bereit, Frankreich im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzes beizustehen. Er sprach den Betroffenen und Einsatzkräften sein Mitgefühl aus.

Spanien ruft Notstand aus

Wegen der schweren Waldbrände hat Spanien für das Umland der Hauptstadt Madrid sowie für eine weitere Region den Notstand ausgerufen. Das Innenministerium kündigte in der Nacht an, zusätzliche Kräfte zur Bekämpfung der Flammen zu entsenden. Die operative Leitung übernahm eine militärische Kriseneinheit, die direkt der Regierung unterstellt ist. Mit dem ausgerufenen „Notstand von nationaler Tragweite“ werden zudem zusätzliche finanzielle Mittel freigegeben.

Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE ist es das erste Mal, dass in Spanien wegen Waldbränden ein solcher Notstand erklärt wurde. Inzwischen mussten mehr als 20.000 Menschen ihre Häuser verlassen, die meisten davon im Großraum Madrid. In der nordwestlich gelegenen Region Ávila wurden etwa 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner in Sicherheit gebracht. In mehreren Gemeinden rückten die Flammen sogar bis in die Ortszentren vor.

Wetterlage am Freitag „besonders ungünstig“

Viele Betroffene sind derzeit in Notunterkünften, bei Verwandten oder Freunden untergebracht und warten auf eine Rückkehr – ein konkreter Termin ist bislang nicht in Sicht. Zugleich wächst die Sorge, dass noch weitere Evakuierungen notwendig werden könnten, falls die Feuer nicht unter Kontrolle gebracht werden.

Die Brände in Spanien bedrohen inzwischen auch eine Nasa-Station in der Sierra Oeste. Nach Angaben des Leiters der Anlage drangen die Flammen praktisch bis an den Tiefraum-Kommunikationskomplex in Robledo de Chavela, rund 50 Kilometer westlich von Madrid, vor. Die etwa 50 Mitarbeiter der Station sowie die Bewohner der Gemeinde wurden in Sicherheit gebracht. Ob technische Systeme beschädigt wurden, ist noch unklar. Die Anlage verfügt über sechs Antennen.

Das Innenministerium warnte außerdem vor einer „besonders ungünstigen“ Wetterlage am Freitag. Vor allem starke Windböen könnten die Brände weiter anfachen und ihre Ausbreitung beschleunigen.

Insgesamt sind in Spanien in diesem Jahr bereits mehr als 125.000 Hektar Land verbrannt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen