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Pogacar stürmt Alpe d’Huez – Tour-Sieg zum Greifen nah

Alpe d'Huez bebt: Über 500.000 Fans feiern – doch am Ende setzt Pogacar ein Zeichen, das die Tour wohl entscheidet.

24.07.2026, 17:35 Uhr

Tadej Pogacar hat die Bergankunft in Alpe d’Huez gewonnen und seine Spitzenposition bei der Tour de France weiter ausgebaut. Der Weltmeister siegte auf der 19. Etappe über 127,9 Kilometer als Solist, riss im Ziel jubelnd die Arme hoch und sank danach erschöpft auf den Asphalt. Für den Slowenen war es der erste Erfolg am legendären Anstieg.

Es ist so cool, hier zu gewinnen“, sagte Pogacar nach seiner Klettershow vor riesigen Zuschauermassen. Hinter ihm belegten der Franzose Lenny Martinez und der Ecuadorianer Richard Carapaz die Plätze zwei und drei.

Mit seinem Triumph im berühmten Skiort ist Pogacar das Gelbe Trikot bei der 113. Frankreich-Rundfahrt kaum noch zu nehmen – trotz der Krankheitswelle in seinem UAE-Team. Am Schlussanstieg ließ der Slowene seine Rivalen in hohem Tempo stehen und schüttelte rund 900 Meter vor dem Ziel auch die letzten Ausreißer ab. Seine wichtigsten Konkurrenten im Gesamtklassement verloren mehr als zweieinhalb Minuten.

Besonders beeindruckend: Pogacar stellte am Schlussanstieg auch noch einen historischen Bestwert auf. Für die 21 berühmten Kehren von Alpe d’Huez brauchte er 35:26 Minuten und unterbot damit den mehr als 30 Jahre alten Rekord von Marco Pantani deutlich.

Wir sind Vollgas gefahren, denn die Ausreißer waren weit weg. Ich hatte gute Beine und es gibt nicht mehr viele, die mit mir mithalten können. Heute war mein Tag, den Sieg zu holen“, sagte Pogacar.

Pogacar mit komfortabler Führung

Im Gesamtklassement liegt Pogacar nun 7:11 Minuten vor Remco Evenepoel und 9:42 Minuten vor Isaac del Toro aus Mexiko. Damit steht der Slowene unmittelbar vor seinem fünften Toursieg. Es war zugleich sein fünfter Etappenerfolg bei der Tour 2026 sowie der 26. Tour-Etappensieg seiner Karriere.

In der ewigen Bestenliste liegen damit nur noch Mark Cavendish (35), Eddy Merckx (34) und Bernard Hinault (28) vor ihm. Hält Pogacar dieses Tempo, könnte er sich in den kommenden Jahren sogar dem Rekord nähern. Realistisch scheinen ihn nur noch ein Sturz oder eine Erkrankung stoppen zu können.

Allerdings gibt es im UAE-Team Sorgen abseits der Straße: Ein Virus geht um, mehrere Fahrer waren zuletzt angeschlagen. Pogacars Helfer Nils Politt zeigte sich dennoch gelassen. „Man hört von vielen Fahrern im Feld, dass sie angeschlagen sind und krank sind“, sagte er. Das Team setzt schon während der gesamten Rundfahrt auf Einzelzimmer und versucht, die Kontakte möglichst zu begrenzen. Fahrer mit Beschwerden nahmen ihr Essen zuletzt sogar auf dem Zimmer ein.

Riesige Open-Air-Party am Berg

Mehr als eine halbe Million Zuschauer sorgten an den Hängen von Alpe d’Huez für eine gewaltige Open-Air-Kulisse. Viele Fans hatten bereits die Nacht in Zelten und Wohnwagen an der Strecke verbracht, zeitweise herrschte beinahe Volksfeststimmung.

Am 13,8 Kilometer langen und im Schnitt 8,1 Prozent steilen Schlussanstieg blieb für die Fahrer zwischen den Menschenmassen oft nur eine schmale Gasse.

Pogacar setzte seine entscheidende Attacke schon 13 Kilometer vor dem Ziel. Keiner seiner direkten Rivalen konnte folgen. Eine 15-köpfige Ausreißergruppe, die mit mehr als drei Minuten Vorsprung in den Schlussanstieg gegangen war, wurde danach nach und nach gestellt.

Evenepoel konnte sich im Kampf um Platz zwei der Gesamtwertung immerhin kurz von seinen Konkurrenten lösen und einige Sekunden herausholen.

Nicht mehr im Rennen sind dagegen Jonas Vingegaard und Deutschlands Hoffnung Florian Lipowitz. Beide hatten ihre Tour nach Stürzen in den vergangenen Tagen jeweils mit einem Schlüsselbeinbruch beenden müssen. Auch sie hätten auf Pogacars Angriff an diesem Tag wohl kaum eine Antwort gehabt.

Noch eine schwere Alpenprüfung vor Paris

Bevor es am Sonntag zum Abschluss nach Paris geht, wartet am Samstag noch die schwere Königsetappe. Auf 170,9 Kilometern endet auch diese Teilstrecke wieder in Alpe d’Huez, diesmal jedoch über den Col de Sarenne und einen Abschnitt ohne Zuschauer. Insgesamt müssen die Fahrer 5.450 Höhenmeter sowie drei Anstiege der höchsten Kategorie bewältigen.

Pogacar erwartet dort die wohl schwierigste Aufgabe des Wochenendes. „Morgen ist die Königsetappe und ich hoffe, dass Paris ein schöner Tag wird. Morgen ist der härteste Tag“, sagte der Titelverteidiger.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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