Nach einem seiner jüngsten Erfolge schickten Betrüger Bruno Schmaus sogar einen Bestatter vorbei, um angeblich seine Leiche abzuholen. Einschüchtern lässt sich der 79-Jährige davon jedoch nicht. Im Gegenteil: Der Rentner aus dem Raum München scheint regelrecht darauf zu warten, dass der nächste Kriminelle bei ihm anruft. Inzwischen hat er bereits zu fünf Festnahmen in vier Betrugsfällen beigetragen. Ein weiterer Zugriff scheiterte nur daran, dass ein Abholer nach einem Enkeltrick seine Adresse nicht fand.
Neuer Fall: Festnahme nach Schockanruf
Am Montag gelang Schmaus erneut ein Coup. Zunächst meldete sich ein weinender Anrufer und gab sich als sein Sohn aus. Kurz darauf übernahm ein angeblicher Polizeibeamter das Gespräch. Die Geschichte: Der Sohn habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und könne nur gegen Zahlung von 80.000 Euro Kaution einer Haft entgehen.
Schmaus erkannte die Masche sofort. Dennoch spielte er mit, gewann Zeit und informierte parallel die Polizei. Bei einer fingierten Geldübergabe in Pullach bei München konnte daraufhin ein 21 Jahre alter mutmaßlicher Abholer festgenommen werden.
Talent zum Täuschen der Täter
Wer Schmaus erzählen hört, versteht schnell, warum die Täter ihm Glauben schenken. Mit verstellter Stimme klagt er etwa über seine schlechte Sehkraft und erklärt, warum er eine angeblich vor ihm liegende Goldmünze nicht lesen könne. Auch andere Ausreden trägt er überzeugend vor: Er könne nicht mehr Auto fahren, sei die Kellertreppe hinuntergestürzt gewesen und habe Probleme mit der Wirbelsäule.

Der Senior ist im Umgang mit Betrügern längst geübt. Seine Erfahrungen reichen rund 20 Jahre zurück. Damals begegneten ihm im Internet typische Betrugsversuche, darunter auch eine vermeintliche Online-Bekanntschaft aus Thailand mit Heiratsabsichten. Zwar durchschaute er vieles, bei kleineren Beträgen fiel er nach eigener Aussage aber auch schon auf Betrüger herein. Daraus habe er gelernt, wie vorsichtig man sein müsse.
Erste Fälle schon vor Jahren
Bereits 2014 versuchte eine Bande, Schmaus mit dem sogenannten Enkeltrick hereinzulegen. Ein angeblicher Verwandter behauptete, er sitze beim Notar und brauche dringend Geld für eine günstige Wohnung. Schmaus hielt den Anrufer zweieinhalb Stunden in der Leitung und verständigte währenddessen die Polizei. Zu einer Festnahme kam es damals allerdings nicht, weil der Abholer die Adresse nicht fand.
Kurz darauf folgte der nächste Versuch. Diesmal spielte Schmaus nach eigenen Worten einen völlig verwirrten alten Mann. Der Plan ging auf: Die Abholerin wurde festgenommen.
Später trug er auch dazu bei, dass zwei Teppichhändler gestoppt wurden, die ihm an der Haustür ohne Erlaubnis überteuerte Ware verkaufen wollten. 2023 kam dann der erste Schockanruf mit der bekannten Geschichte eines schweren Verkehrsunfalls. Auch in diesem Fall wurde die Abholerin gefasst und später zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der bislang jüngste Erfolg ist die Festnahme des 21-Jährigen vom Montag.
Polizei lobt – und warnt zugleich
Markus Nothelfer, stellvertretender Leiter des Münchner Kommissariats für Callcenter-Betrug, zeigt sich beeindruckt. Schmaus habe mit großem Geschick und erheblichem schauspielerischem Talent agiert, sagt der Beamte. Zugleich betont er aber, dass dieses Vorgehen nicht für jedermann geeignet sei.
Denn auf die Täter einzugehen, sei schwierig. Man müsse sehr aufmerksam sein, vieles beachten und dürfe sich nicht verraten. Die Betrüger merkten oft schnell, wenn man sie hinhält. Hinzu komme der enorme psychische Druck, den solche professionell arbeitenden Gruppen aufbauen.
Empfehlung: Auflegen und Anzeige erstatten
Deshalb rät die Polizei grundsätzlich dazu, solche Gespräche sofort zu beenden und den Vorfall anzuzeigen. Nach Einschätzung der Ermittler handeln die Täter bandenmäßig, organisiert und zunehmend professionell. Besonders häufig seien Maschen mit falschen Amtspersonen – etwa angeblichen Polizisten, die Wertsachen zur "Sicherung" abholen wollen – sowie Enkeltricks und Schockanrufe.
Diese Betrugsversuche erfolgen nicht nur per Telefon, sondern auch über Messenger-Dienste wie WhatsApp. Nach Angaben der Behörden wird Callcenter-Betrug meist aus dem Ausland gesteuert. Auch im jüngsten Fall bei Schmaus erschien eine ausländische Telefonnummer auf dem Display – dieselbe Nummer, über die zuvor sogar ein Bestatter zu ihm geschickt worden sein soll.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber