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Abgerutscht: Wie sie alles verlor

Erst Job, dann Wohnung weg: Maria kämpft ums Überleben. Warum ihr Schicksal viele Frauen trifft – und uns alle alarmieren sollte.

13.06.2026, 04:00 Uhr

Wohnungslosigkeit unter Frauen nimmt zu: Maria hofft in Trier auf einen Neuanfang

Maria kann selbst kaum fassen, wie sehr ihr Leben aus der Bahn geraten ist. Früher, sagt die 38-Jährige, habe sie finanziell keine großen Sorgen gehabt. Doch dann geriet sie an die falschen Partner: Einer war kriminell, ein anderer wurde gewalttätig. Es folgten viele Umzüge und der ständige Versuch, sich und ihre Tochter irgendwie durchzubringen. Schließlich verlor sie erst ihre Arbeit in einem Restaurant und später auch ihre Wohnung.

"Der Vermieter stand plötzlich da und sagte, ich müsse in zehn Minuten draußen sein", berichtet die Litauerin. Damals lebte sie in einer Kleinstadt in der Nähe von Mainz und konnte die Miete nicht mehr aufbringen. Ihre Tochter war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr bei ihr, nachdem das Jugendamt sie in einer Einrichtung untergebracht hatte. "Die Trennung von ihr war das Schlimmste in meinem Leben", sagt Maria.

Zunächst kam sie bei Bekannten unter, manchmal verbrachte sie die Nacht sogar auf der Treppe vor einem Frauenhaus. "Ich habe mich geschämt. Die Leute haben über mich geredet", erzählt sie unter Tränen. "Ich habe kein Geld, keine Wohnung und keine Freunde."

Inzwischen sitzt Maria im Café Haltepunkt in Trier, einer Anlaufstelle für wohnungslose Frauen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF). Dort sucht sie Unterstützung und die Chance auf einen Neustart. Seit wenigen Tagen lebt sie in der angeschlossenen Notschlafstelle. "Ich bin sehr zufrieden. Ich konnte duschen, schlafen und meine Wäsche waschen", sagt sie.

Abgerutscht - Eine Wohnungslose erzählt
Im Café Haltepunkt können sich wohnungslose Frauen tagsüber aufhalten. Quelle: Birgit Reichert/dpa

Immer mehr Frauen ohne Wohnung

Für Regina Bergmann vom SKF ist Marias Geschichte kein Einzelfall. Gerade bei Frauen beginne Wohnungslosigkeit oft mit Abhängigkeiten, die durch Mutterschaft noch verstärkt würden — emotional wie finanziell. Wenn Männer keine Verantwortung übernähmen, gerieten viele Betroffene in eine Abwärtsspirale. Häufig liefen die Mietverträge auf den Namen der Männer. "Dann setzen sie die Frauen einfach vor die Tür", sagt Bergmann.

Nach ihren Angaben steigt die Zahl wohnungsloser Frauen deutlich an. Vor der Corona-Pandemie hätten jährlich rund 200 Frauen das Café Haltepunkt aufgesucht. Inzwischen seien es etwa 800. Schon länger reichten die Übernachtungsplätze nicht mehr aus. "Wir haben inzwischen Container aufgestellt", sagt Bergmann. "Aber auch damit stoßen wir an Grenzen." Teilweise müssten Plätze doppelt belegt werden.

Mehr Hilfe und bessere Versorgung gefordert

Bergmann betont, das Thema betreffe die gesamte Gesellschaft. Zum einen gehe es um die Menschenwürde: Ein Leben auf der Straße sei nicht würdevoll. Zum anderen litten viele der wohnungslosen Frauen unter psychischen Erkrankungen und bekämen oft keine ausreichende Behandlung. Es brauche deshalb mehr Unterbringungsplätze, mehr Hilfsangebote und zusätzliche finanzielle Mittel.

Ohne ausreichende Unterstützung könnten sich psychische Probleme verschärfen. In den vergangenen Jahren habe es deshalb auch häufiger Übergriffe auf Mitarbeiterinnen des SKF gegeben. Bergmann führt das unter anderem auf eine unzureichende medizinische Versorgung zurück. Dadurch entstehe auch ein Risiko für die Öffentlichkeit. "Beide Seiten können Opfer von Gewalt und Aggressionen werden", sagt sie.

Der große Wunsch: wieder ein Zuhause

Maria selbst sagt, sie habe keine psychischen Erkrankungen. "Ich bin ganz normal", meint sie. Dennoch hätten die vergangenen Monate und Jahre schwere Spuren hinterlassen — etwa durch einen Ex-Mann, der im Gefängnis gelandet sei, und einen späteren Partner, der sie mit einem Messer bedroht habe.

Jetzt will sie nach vorn schauen. In der neuen Stadt sucht sie Arbeit und hofft auf einen echten Neuanfang. "Ich habe schon zweimal meinen Lebenslauf abgegeben", erzählt sie. Ihr größter Wunsch sei es, irgendwann wieder eine eigene Wohnung zu haben — am liebsten gemeinsam mit ihrer Tochter.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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