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Spürhund gegen Bettwanzen: Wie Berghütten jetzt zurückschlagen

Nachts kriechen sie aus Ritzen: Bettwanzen. Wie ein Spürhund Hütten rettet, warum Alkohol hilft – und was Gäste tun sollten.

15.06.2026, 05:00 Uhr

Spürhund Linus sucht in Berghütten nach Bettwanzen

Linus schnuppert an Bettgestellen, Holzleisten und in den Ecken eines Schlafraums. In der hoch gelegenen Berghütte geht es dabei nicht um verirrte Wanderer, sondern um ungebetene Krabbelgäste: Der Mischling ist darauf trainiert, Bettwanzen aufzuspüren.

Im auf 1.670 Metern gelegenen Schneibsteinhaus des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Nationalpark Berchtesgaden gehört Linus zur vorbeugenden Kontrolle. Bettwanzen verstecken sich oft tief in Ritzen, hinter Holzverkleidungen oder an anderen schwer zugänglichen Stellen, die selbst bei sorgfältiger Suche leicht übersehen werden. Genau dort kann ein Spürhund helfen.

Der Geruch der Bettwanze

Bei diesem Einsatz blieb Linus ohne echten Fund. Damit die Suche für ihn trotzdem erfolgreich endet, versteckte Hundeführerin Laura Pannasch kleine Röhrchen mit Bettwanzen sowie Papierschnipsel mit einem eigens hergestellten Geruchsstoff aus in Alkohol eingelegten toten Tieren. Der Duft sei leicht süßlich und erinnere an Bittermandel.

Bettwanzen sind für den Alpenverein seit Jahren ein Thema. Die Tiere gelangen meist mit Übernachtungsgästen in die Hütten – etwa im Rucksack, im Hüttenschlafsack oder in der Kleidung. Überall dort, wo viele Menschen nacheinander in verschiedenen Betten schlafen, finden die Parasiten gute Bedingungen vor. Das gilt nicht nur für Berghütten, sondern auch für Hotels, Hostels oder mitunter sogar für Züge und Kinos.

Zuverlässige Statistiken dazu gibt es kaum. Viele Betroffene sprechen nur ungern darüber, weil niemand sein Haus oder seinen Betrieb mit Ungeziefer in Verbindung bringen möchte.

Wanzen-Spürhund sucht Hüttenbetten ab
Bettwanzen-Spürhund Linus schnüffelt durch die Betten, begleitet von Hundeführerin Laura Pannasch. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Kommando lautet „Wolli“

Während Linus durch das Matratzenlager läuft, ruft Pannasch: „Such Wolli“. „Wolli“ ist das Signalwort, auf das der Hund konditioniert wurde. Auch im Tal ist das Team im Einsatz – dort oft möglichst unauffällig, damit Gäste nicht bemerken, dass gerade nach Bettwanzen gesucht wird.

Mit seiner offenen Kommunikation ist der DAV eher eine Ausnahme. Nach Angaben des Verbands sind jedes Jahr etwa 15 bis 20 der rund 325 DAV-Hütten betroffen – mit steigender Tendenz. Ein Grund dürfte der anhaltende Bergsport-Boom sein. 2024 verzeichnete der DAV mehr als 900.000 Übernachtungen.

Im Schneibsteinhaus wird das Problem offensiv angesprochen. Hinweise hängen am Eingang, im Treppenhaus, in den Zimmern und sogar in den Toiletten. Gäste werden gebeten, ihre Rucksäcke nicht mit ins Zimmer zu nehmen und stattdessen die von der Hütte bereitgestellten Schlafsäcke zu verwenden. Hüttenwirt Stefan Lienbacher betont, dass eine wirksame Bekämpfung nur mit Unterstützung der Gäste möglich sei.

Ein teurer Befall

Wird ein Haus tatsächlich von Bettwanzen befallen, kann das schnell hohe Kosten verursachen. Für einen Kammerjäger fallen laut Gabi Schieder-Moderegger, Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden, schnell rund 20.000 Euro an. In anderen Fällen könnten es sogar bis zu 50.000 Euro werden. Die regelmäßige Kontrolle durch einen Spürhund sei mit etwa 500 bis 2.000 Euro je nach Hüttengröße deutlich günstiger.

Vor drei Jahren war das Schneibsteinhaus selbst betroffen. Damals meldete ein Gast auffällige Bisse. Noch bevor sich die Tiere in der gesamten Hütte ausbreiten konnten, wurde ein Schädlingsbekämpfer gerufen. Befallene Matratzen wurden dabei unter einer Art Zeltsystem auf 60 Grad erhitzt.

Kein typisches Problem der Berge

Nach der Behandlung übernachtete die Sektionsvorsitzende probeweise in der Hütte – ohne neue Bisse. Schieder-Moderegger sagt, früher sei ein Befall oft mit Schuldgefühlen verbunden gewesen. Inzwischen sei klar, dass es jeden treffen könne.

Auch beim DAV heißt es: Das Problem entsteht nicht auf dem Berg selbst. „Die Wanze ist kein Bergtier“, sagt DAV-Sprecherin Miriam Roth.

Weltweit sind Bettwanzen immer wieder Thema. Vor den Olympischen Spielen in Paris sorgten Berichte aus Frankreich über Funde in Zügen, Kinos und anderen öffentlichen Orten für große Aufregung. Fachleute warnten damals jedoch auch vor Übertreibungen, weil nicht jedes ähnliche Insekt automatisch eine Bettwanze ist.

Immerhin: Die kleinen braunen Tiere ernähren sich zwar von menschlichem Blut, gelten aber nicht als gefährlich. Die Stiche können stark jucken, Krankheiten übertragen Bettwanzen nach heutigem Wissensstand jedoch nicht. Lienbacher sagt, ein Befall habe zudem nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Gewöhnliche Reinigungsmittel helfen gegen die Tiere nicht. Hausmittel seien ebenfalls keine Lösung – dafür brauche es Fachleute.

Helle Farben machen Spuren sichtbar

Um einen möglichen Befall schneller zu erkennen, hat das Schneibsteinhaus wie einige andere Hütten seine Ausstattung angepasst. Statt dunkler Decken kommen inzwischen hellblaue zum Einsatz. Auch bei den Bettlaken wurde auf helle Stoffe umgestellt. So lassen sich Blutspuren, Kotflecken und Häutungsreste leichter entdecken.

Auch andere Hütten verfolgen ähnliche Strategien. Claudia Essendorfer, Wirtin der Schönfeldhütte im Mangfallgebirge, setzt auf weiß gestrichene Bettgestelle, damit dunkle Kotspuren besser auffallen. Bei ihrem bislang einzigen Befall habe man die schwarzen Punkte zunächst nicht ernst genommen, weil sie an Fliegendreck erinnerten. Inzwischen sei man jedoch sehr aufmerksam. Die Zimmer würden sogar mit Stirnlampen kontrolliert, um auch in dunklen Winkeln nichts zu übersehen.

Mikrowelle gegen Krabbeltiere

Jede Hütte hat ihr eigenes Vorgehen. Im Rotwandhaus dürfen persönliche Gegenstände etwa nur in Plastikkisten mit ins Zimmer. Hüttenschlafsäcke werden dort beim Einchecken teils kurz in die Mikrowelle gelegt. 30 Sekunden bei 600 Watt können den Parasiten den Garaus machen – eine Methode, die auch anderswo genutzt wird.

Besonders auf beliebten Fernwanderwegen steigt das Risiko, weil Gäste von Hütte zu Hütte weiterziehen und so Bettwanzen weitertragen können. Solche Häuser lässt die DAV-Sektion München laut Ressortleiterin Carolin Kalkbrenner vorsorglich zweimal im Jahr behandeln. Entscheidend bleibe aber die Mithilfe der Gäste.

Einige Wanderer bereiten sich inzwischen bewusst auf die Saison vor. So berichtet Franz-Josef Hofmann, er habe seine Hüttenschlafsäcke extra ausgekocht. Sein Motto: sauber anreisen und nichts einschleppen.

Andere wissen zwar von dem Problem, sind bei Schutzmaßnahmen aber unsicher. Dabei ist Vorbeugung auch zu Hause recht einfach: Rucksäcke am besten über der Badewanne ausräumen, Kleidung bei 60 Grad waschen oder für drei Tage bei minus 18 Grad einfrieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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