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Wrack von 1495 birgt Munition und Kettenhemd

500 Jahre im Meer verborgen: Dieses Wrack enthüllt, wie deutsche Landsknechte auf dem Flaggschiff des Königs kämpften.

27.10.2026, 11:30 Uhr

Wrack der „Gribshunden“ liefert neue Einblicke in die Bewaffnung des späten 15. Jahrhunderts

Die Untersuchung des 1495 vor der Südküste Schwedens gesunkenen Kriegsschiffs „Gribshunden“ bringt neue Erkenntnisse über die militärische Ausrüstung jener Zeit. Besonders aufschlussreich ist eine entdeckte Holzkiste, die nach Einschätzung des Unterwasserarchäologen Florian Huber vermutlich zur Ausrüstung deutscher Landsknechte an Bord gehörte.

Das Schiff, das nahe der Stadt Ronneby sank, war das Flaggschiff des dänischen Königs Johann I. Bei den Landsknechten handelte es sich überwiegend um Söldner aus dem deutschsprachigen Raum, die seit dem späten 15. Jahrhundert für verschiedene Herrscher in Europa kämpften. In der Kiste fanden die Forschenden unter anderem Gussformen, Bleiplatten und Werkzeuge zur Herstellung von Bleikugeln für frühe Handfeuerwaffen. Nach Hubers Worten erlaubt der Fund einen seltenen Blick auf die Organisation der Waffenversorgung an Bord.

In unmittelbarer Nähe der Kiste stieß das Team Anfang Oktober außerdem auf mehrere außergewöhnlich gut erhaltene Teile eines Kettenhemds. Die Verarbeitung gilt als besonders hochwertig: Die Metallringe wurden nicht nur gebogen, sondern zusätzlich vernietet. Das spreche für eine aufwendige und sorgfältige Herstellung der Schutzkleidung, so Huber.

Wrack in zehn Metern Tiefe dokumentiert

Das Wrack wurde mithilfe fotogrammetrischer Methoden erfasst, also durch ein System aus sich überlappenden Fotografien. Gefunden wurden die Kiste und das Kettenhemd im Bereich des Vorderkastells, einer erhöhten Kampfplattform des Schiffs. Der darunterliegende Bereich wird von den Forschenden als militärischer Stauraum interpretiert. Projektleiter Rolf Warming von der Universität Stockholm sieht darin eine plausible Erklärung für die Häufung der Funde an dieser Stelle.

Wrack bei Ronneby
Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. Quelle: Florian Huber/submaris.com/dpa

Nach Angaben des Teams handelt es sich bereits um das zweite Kettenhemd, das aus dem Wrack der „Gribshunden“ geborgen oder dokumentiert wurde. Die neuen Entdeckungen ergänzten das immer genauere Bild der militärischen Ausstattung des königlichen Kriegsschiffs kurz vor seinem Untergang, erklärte Warming. Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit der schwedischen Hochschule Södertörn mit der Universität Stockholm.

Die etwa 32 Meter lange „Gribshunden“, die in manchen Quellen auch „Griffin“ genannt wird, zählte laut Huber zu den modernsten Kriegsschiffen ihrer Zeit. Sie sei eines der frühen nordeuropäischen Schiffe gewesen, das konsequent für den Einsatz von Schiffsartillerie ausgelegt worden sei. Vermutlich war es mit Dutzenden Geschützen sowie mit Handfeuerwaffen und Armbrüsten ausgerüstet.

Zeitgenössischen Berichten zufolge geriet das Schiff 1495 auf dem Weg zu Verhandlungen im südschwedischen Kalmar in Brand. Wahrscheinlich kam es zu einer Explosion, bevor die „Gribshunden“ vor der Insel Stora Ekön sank.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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