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Von Hoffnung bis Tod: Das Drama um den Ostsee-Wal

Verirrt, gestrandet, vergeblich gerettet: Das Drama um den Buckelwal in der Ostsee fesselte monatelang – und endet tragisch.

16.05.2026, 17:31 Uhr

Buckelwal in der Ostsee: Die wichtigsten Stationen seit Anfang März

Seit den ersten Beobachtungen Anfang März hat der Buckelwal in der Ostsee viele Menschen bewegt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse.

Erste Sichtungen im Raum Wismar

3. März: Im Hafen von Wismar wird erstmals ein großer Wal gesichtet. Zahlreiche Menschen verfolgen das Geschehen vom Kai aus. Einsatzkräfte befreien das Tier teilweise von Netzresten, vollständig gelingt das jedoch nicht. Auch die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd ist mit einem Schiff vor Ort. Am Abend schwimmt der Wal wieder in Richtung Ostsee. Zunächst wird noch vermutet, dass es sich um einen Finnwal handeln könnte.

4. März: Das Tier taucht erneut auf, diesmal in der Lübecker Bucht bei Brook westlich von Wismar. Sea Shepherd versucht vom Schiff „Triton“ aus, weitere Leinenreste zu lösen, bleibt dabei aber erfolglos.

7. März: Nach einer weiteren Meldung vor Scharbeutz sucht Sea Shepherd den Wal erneut und findet ihn am Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus können schließlich Netzreste entfernt werden.

10. März: Vor Steinbeck in Nordwestmecklenburg gerät der Wal nach Angaben der Wasserschutzpolizei in ein Fischernetz. Ein Fischer zieht das Netz ein und schneidet es durch. Danach schwimmt der Wal wieder hinaus aufs Meer.

19. März: Sea Shepherd beobachtet am Abend von der „Triton“ aus, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwimmt.

20. März: Nach Sichtungen bei Haffkrug und Scharbeutz informiert die Wasserschutzpolizei die Tierschützer. Mit Spezialwerkzeug gelingt es Sea Shepherd, von einem Schlauchboot aus einen Teil einer noch am Körper hängenden Leine zu entfernen. Dennoch trägt das Tier weiterhin Netzreste, als es später Richtung offene See schwimmt.

Transport von Buckelwal
Nach Wochen der vergeblichen Versuche sollte der Wal in die Nordsee gebracht werden. Quelle: Philip Dulian/dpa

Erste Strandung bei Timmendorfer Strand

23. März: Der Wal wird auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt und steckt im flachen Wasser fest. Nun herrscht Einigkeit, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Mehrere Tage lang laufen Rettungsmaßnahmen, darunter auch das Ausbaggern einer Rinne.

27. März: Der Wal ist wieder frei. Nachdem er sich bereits am Vorabend bewegt hatte, ist er am Morgen nicht mehr im Uferbereich zu finden und schwimmt stattdessen wieder in der Lübecker Bucht.

Zweite Strandung in der Wismarbucht

28. März: Südlich der Insel Walfisch bleibt der Buckelwal erneut auf einer Sandbank in der Wismarbucht liegen.

Dritte Strandung in der Wismarbucht

29. März: In der Nacht setzt sich das Tier bei höherem Wasserstand zwar noch einmal in Bewegung, kommt aber nach wenigen Metern erneut fest.

30. März: Spät am Abend schwimmt der Wal wieder los. Zuvor hatten Fachleute versucht, ihn mit Geräuschen zum Weiterziehen zu bewegen. Nach Angaben des Umweltministeriums steuerte er jedoch in die falsche Richtung. Später wird er am Hafen von Wismar und anschließend auf dem Weg seewärts gesichtet.

Vierte Strandung vor Poel

31. März: Vor Wismar wird der Buckelwal erneut gesehen. Kurz darauf bleibt er wieder im flachen Wasser liegen, diesmal im Kirchsee vor der Insel Poel.

1. April: Die Verantwortlichen erklären, weitere Rettungsversuche zunächst einzustellen, damit sich das nach Einschätzung von Experten stark geschwächte Tier nicht weiter verausgabt.

2. April: Ein Vermessungsboot beginnt, die Umgebung des Wals zu untersuchen, um eine mögliche spätere Bergung des Kadavers vorzubereiten.

Gutachten zeichnet düsteres Bild

7. April: Fachleute stellen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus die Ergebnisse eines Gutachtens vor. Demnach ist der Wal schwer krank. Verwiesen wird auf den schlechten Zustand der Haut sowie mögliche Organschäden durch das lange Liegen im Flachwasser. Eine Rettungsaktion könnte das Tier durch den entstehenden Stress töten.

11. April: Dennoch gibt es noch einen weiteren Versuch, den Wal zu bewegen. Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt, jedoch ohne Erfolg.

Behörden erlauben privaten Rettungsplan

15. April: Überraschend kündigt Backhaus an, dass die Behörden ein Transportkonzept einer privaten Initiative dulden. Ziel ist es, den Wal lebend in die Nordsee und eventuell weiter in den Atlantik zu bringen. Vorgesehen ist zunächst, das Tier mit Luftkissen anzuheben und auf einer Plane zwischen Pontons zu transportieren.

Zuvor hatte die Behörde ähnliche Rettungsideen abgelehnt, weil sie nach Ansicht von Experten nur zusätzliches Leid verursacht hätten. Die Empfehlung lautete ursprünglich, das Tier in Ruhe sterben zu lassen.

Beginn der Vorbereitungen

16. April: Die von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz finanzierte Aktion startet. Ein Konvoi mit Mobilkränen, Schwimmpontons und weiterem Material erreicht den Hafen von Kirchdorf.

17. April: Ein Bagger auf einer schwimmenden Plattform nähert sich dem Wal. Nachdem auch ein Taucher herankommt, reagiert das Tier mit heftigen Bewegungen.

18. April: Zu sehen sind unter anderem Tücher auf dem Wal, eine schwimmende Arbeitsplattform und offenbar erste Probespülungen in der Nähe. Helfer versuchen erneut, in das Maul des Buckelwals zu gelangen, um mögliche Netzreste zu entfernen, schaffen es aber nicht.

Der Wal schwimmt wieder an – und bleibt erneut stecken

20. April: Nach drei Wochen bewegt sich das Tier am Morgen plötzlich von selbst. Helfer auf Booten versuchen, es in Richtung offene Ostsee zu lenken. Nach rund zwei Stunden endet der Versuch jedoch erneut im Flachwasser, diesmal am Übergang vom Kirchsee zur Wismarbucht.

27. April: In Wismar trifft eine sogenannte Barge ein. Der rund 50 Meter lange und 13 Meter breite Lastkahn war zuvor über den Nord-Ostsee-Kanal in die Region gebracht worden. Mit diesem Becken soll der Wal Richtung Nordsee transportiert werden. Das zuvor geplante Ponton-Modell wird aufgegeben.

28. April: Ein Schlepper übernimmt die Barge mit dem Buckelwal. Das Tier war durch eine extra gebaggerte Rinne dorthin gebracht worden. Der Lastkahn ohne eigenen Antrieb soll nun Richtung Nordsee geschleppt und von einem weiteren Schiff begleitet werden.

30. April: Die Barge ist auf dem Weg in Richtung Nordsee. Experten des Meeresmuseums Stralsund warnen davor, den Wal später im Meer auszusetzen, da er dort womöglich sofort ertrinken könnte.

Freilassung in der Nordsee

2. Mai: Der Buckelwal wird von der Barge aus in die Nordsee entlassen.

3. Mai: Von dem am Tier befestigten Sender gehen keine Daten ein. Wo sich der Buckelwal befindet, bleibt unklar.

Toter Wal vor Dänemark entdeckt

15. Mai: Vor der dänischen Insel Anholt wird ein toter Wal gefunden.

16. Mai: Die Seriennummer des Senders bringt Gewissheit: Es handelt sich um denselben Buckelwal, um dessen Rettung Helfer seit März gekämpft hatten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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