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Urzeit-Fenster öffnet sich wieder!

154 Millionen Jahre alte Geheimnisse: In diesem fränkischen Steinbruch wird wieder gegraben – und Forscher hoffen auf Sensationsfunde.

25.10.2026, 04:00 Uhr

Fossilienfundstätte Wattendorf: Forschende dürfen wieder graben

Der Steinbruch im oberfränkischen Wattendorf bei Bamberg zählt zu den bedeutendsten Fossilienlagerstätten Europas. Wo heute Bagger und Lastwagen im Einsatz sind, lag vor rund 154 Millionen Jahren eine Lagune. Nun können Wissenschaftler dort erneut nach urzeitlichen Spuren suchen.

Kürzlich nahm ein Team des Naturkundemuseums Bamberg die Arbeit vor Ort wieder auf. Es wurde gehämmert, gemeißelt und sortiert. Museumsleiter Oliver Wings bezeichnete Wattendorf als das einzige geologische „Fenster“ in Süddeutschland, das einen derart genauen Blick auf die Tierwelt jener Zeit ermögliche.

Nach Angaben des Museums sind Fossilien aus Wattendorf nicht nur vergleichsweise häufig, sondern oft auch außergewöhnlich gut erhalten. Teilweise lassen sich sogar versteinerte Weichteile erkennen.

Bedeutende Funde aus den vergangenen Jahren

Die Gesteinsschichten in Wattendorf sind nach Angaben von Wings etwa vier Millionen Jahre älter als jene in Solnhofen im Altmühltal, einer weltweit bekannten Fossilienfundstätte.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden in Wattendorf mehrere wissenschaftlich bedeutende Entdeckungen gemacht, darunter zwei bislang unbekannte Flugsaurierarten. Außerdem kamen zahlreiche weitere Wirbeltiere ans Licht, etwa Brückenechsen, Schildkröten, Krokodile und viele verschiedene Fischarten wie Quastenflosser und Engelhaie.

Im Naturkundemuseum Bamberg ist unter anderem Balaenognathus maeuseri ausgestellt. Dabei handelt es sich um den bislang einzigen bekannten Flugsaurier mit einem siebartigen Gebiss und mehr als 480 Zähnen.

Grabung des Naturkundemuseums Bamberg nach Fossilien
Oliver Wings leitet das Naturkundemuseum Bamberg. Quelle: Daniel Vogl/dpa

Hoffnung auf neue Erkenntnisse – vielleicht sogar Säugetiere

Mit den neuen Grabungen wollen die Forschenden ihr Bild der damaligen Lebenswelt weiter vervollständigen. Ob bereits bei der ersten Kampagne im Rahmen der neuen Vereinbarung mit dem Steinbruchbetreiber spektakuläre Entdeckungen gemacht wurden, ist allerdings noch offen. Viele Funde müssen zunächst in aufwendiger Feinarbeit freigelegt werden. Laut Wings kann die Präparation eines einzelnen Fossils mehrere hundert Stunden beanspruchen. Die neue Vereinbarung gilt für vier Jahre.

Schon jetzt steht fest, dass unter den aktuellen Funden verschiedene Fische, Reste von Schildkröten sowie zahlreiche wirbellose Tiere sind – also Lebewesen aus dem Meer und seinem unmittelbaren Umfeld.

Besonders groß ist die Hoffnung, Überreste kleiner Säugetiere zu entdecken. Bislang wurden im dortigen Plattenkalk keine Säugerfossilien gefunden. Auch andere Landwirbeltiere wie Dinosaurier könnten helfen, die damaligen Inselökosysteme besser zu verstehen.

Eine Lagune mit außergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen

Zur Zeit des späten Jura befand sich im Bereich des heutigen Steinbruchs eine mindestens 40 Meter tiefe Lagune. Am Boden herrschte Sauerstoffmangel, weshalb dort keine Bodenlebewesen vorkamen. Tiere, die in diesen Bereich absanken, blieben dadurch weitgehend ungestört liegen.

Die Lagune war von Riffen umgeben, außerdem gab es unterschiedlich große Inseln. Dort lebten Flugsaurier – und auf größeren Landflächen vermutlich auch Dinosaurier.

Gerade die besonderen Bedingungen sorgten dafür, dass sich mitunter sogar Weichteile wie Hautabdrücke erhalten haben. Für die Paläontologie ist das von großem Wert. Auch versteinerte Kotreste und hochgewürgte Nahrung werden gesammelt, weil sie wichtige Hinweise auf Lebensweise und Nahrungsketten in diesem urzeitlichen Lebensraum geben können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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