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Studie enthüllt: Isolation schürt Misstrauen und Streit

Monate in Isolation – und plötzlich kippt die Stimmung: Antarktis-Studie zeigt, was Mond- und Marscrews gefährlich werden kann.

25.05.2026, 21:01 Uhr

Studie zu Antarktisstation: Isolation belastet Psyche und Teamklima

Monatelanges Leben unter extremen Bedingungen in einer kleinen, abgeschotteten Gruppe kann erhebliche Folgen für das seelische Wohlbefinden haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung mit der Besatzung der abgelegenen Antarktis-Forschungsstation Concordia. Forschende mehrerer Universitäten, darunter Zürich, Bern und Würzburg, berichten im Fachjournal PNAS, dass dauernde Nähe in langer Isolation Beziehungen nicht automatisch festigt. Stattdessen könnten Spannungen, Misstrauen und psychische Belastungen zunehmen. Die Erkenntnisse gelten auch als relevant für künftige Weltraummissionen.

Für die Studie wurde die zwölfköpfige Crew der französisch-italienischen Station Concordia über zehn Monate begleitet. Die Station liegt an einem der isoliertesten Orte der Erde auf rund 3.200 Metern Höhe. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Teamdynamik, zum sozialen Verhalten, zu Einsamkeit und Misstrauen. Laut der Universität Bern zeigte sich insgesamt: Unter solchen Extrembedingungen steigen Einsamkeit, Konflikte und Misstrauen, während Zusammenhalt und Leistungsvermögen nachlassen.

Forschende registrierten deutliche paranoide Tendenzen

Während des antarktischen Winters ist die Station von Mitte Februar bis Mitte November von der Außenwelt abgeschnitten. In dieser Zeit lebt und arbeitet die Besatzung vollständig isoliert. Die Teilnehmenden trugen Sensoren, mit denen Kontakte innerhalb der Gruppe erfasst wurden. Zusätzlich beantworteten sie wiederholt Fragebögen.

Antarktis-Studie: Isolation fördert Misstrauen und Konflikte
Misstrauen und Konflikte verstärken sich über die Dauer der Isolation. Quelle: Jessica Studer/EurekAlert/dpa

Der Würzburger Psychiater Sebastian Walther erklärte, dass einige Teammitglieder nach einigen Monaten den Eindruck hatten, andere würden über sie reden oder sie beobachten. Manche hätten sogar befürchtet, andere wollten ihnen schaden. Nach gängigen diagnostischen Maßstäben wertet Walther dies als Form von Paranoia, wenn auch nicht in schwerer Ausprägung. In der Expeditionsgruppe seien solche Tendenzen deutlich messbar gewesen, jedoch nicht vergleichbar mit einem schweren Verfolgungswahn bei ernsthaften psychischen Erkrankungen.

Mehr Kontakt bedeutete nicht automatisch mehr Halt

Die Untersuchung zeigte zudem, dass häufigerer direkter Kontakt innerhalb der Crew nicht zwangsläufig positive Effekte hatte. Nach Angaben der Universität Zürich berichteten Personen mit vielen sozialen Kontakten eher von Konflikten, zunehmendem Misstrauen und sinkender Leistungsfähigkeit. Eine mögliche Erklärung: Wer sich besonders einsam fühlte, suchte womöglich häufiger die Nähe anderer, erhielt dadurch aber nicht die erhoffte Unterstützung.

Bedeutung für Mond-, Mars- und andere Extremmissionen

Nach Einschätzung des Forschungsteams liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise für langfristige Missionen zum Mond oder Mars. Auch für andere Arbeitsumgebungen mit Isolation und hoher Belastung, etwa auf U-Booten oder Offshore-Plattformen, seien die Erkenntnisse bedeutsam. Co-Autor Jan Schmutz von der Universität Zürich betonte, wie wichtig es sei, soziale Dynamiken frühzeitig zu erkennen und Teams gezielt zu begleiten und zu unterstützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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