Dutzende tote Wal-Kälber an Argentiniens Küste entdeckt
An den Stränden der argentinischen Halbinsel Valdés sind zahlreiche tote Jungwale angespült worden. Nach bisherigem Stand vermuten die Behörden der Provinz Chubut, dass ein Bakterium die Ursache sein könnte. Dieses kann bei Kälbern des Südlichen Glattwals schwere systemische Erkrankungen auslösen. Hinweise auf menschliches Zutun gebe es bislang nicht.
Die Provinzverwaltung untersucht die Vorfälle gemeinsam mit Fachleuten. Betroffen sind Südliche Glattwale (Eubalaena australis), auch Südkaper genannt. Die Tiere suchen die Küsten Argentiniens, Brasiliens und Uruguays zur Paarung sowie zur Aufzucht ihrer Jungen auf. Besonders in den Gewässern Nordpatagoniens halten sie sich in großer Zahl auf.
Der Wissenschaftler Mariano Coscarella vom argentinischen Forschungsrat Conicet sprach im Gespräch mit der Zeitung Página/12 von einer "relativ hohen Sterblichkeit". Die Regierung der Provinz verwies dagegen darauf, dass es jedes Jahr Todesfälle bei Glattwalen gebe. Die aktuellen Strandungen könnten deshalb auch im Rahmen natürlicher Bestandsschwankungen liegen. Die Zahl verendeter Tiere könne sich sowohl zwischen einzelnen Jahren als auch innerhalb einer Saison deutlich verändern.
Derzeit gilt ein bakterieller Befall als wichtigste Arbeitshypothese. Vergleichbare Fälle seien auch in anderen Regionen der Welt bereits beobachtet worden.
Bedeutender Lebensraum mit Unesco-Status
Die etwa 4.000 Quadratkilometer große Halbinsel Valdés in Nordpatagonien zählt zu den wichtigsten Rückzugsräumen für Meeressäuger. Während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit sammeln sich dort Tausende Seelöwen, Seeelefanten und verschiedene Walarten in den Küstengewässern. Zwei Meeresströmungen treffen in dieser Region aufeinander und schaffen besonders nährstoffreiche Bedingungen. Seit 1999 gehört die Halbinsel Valdés zum Unesco-Weltnaturerbe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber