Die Sanierungsarbeiten an den Münchner U-Bahnlinien U3 und U6 verlaufen nach Angaben der Stadtwerke München weiterhin planmäßig. Die seit Mai andauernde Sperrung des stark genutzten Abschnitts zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße wird wie vorgesehen vorübergehend aufgehoben.
Ab Samstag, 19. September, soll die U-Bahn dort nach aktuellem Stand rechtzeitig zum Oktoberfest wieder ohne Einschränkungen fahren. Diese Entlastung ist jedoch nur befristet und gilt bis zum 4. Oktober.
Danach müssen sich Fahrgäste erneut auf Einschränkungen einstellen. Im Anschluss folgt für knapp zwei Monate ein eingleisiger Betrieb auf dem betroffenen Abschnitt. Danach ist zwischen Ende November und Mitte April 2027 eine Winterpause mit regulärem Verkehr vorgesehen.
Anschließend wird die Strecke zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße erneut voll gesperrt – und zwar bis August. In dieser Phase sollen Fahrgäste wieder auf Ersatzbusse ausweichen.
Sanierung laut Stadtwerken unvermeidbar
Hintergrund der Bauarbeiten ist die umfassende Modernisierung der in die Jahre gekommenen U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz. Nach Angaben der Stadtwerke ist an der Poccistraße die Statik gefährdet, am Goetheplatz müssen Bauwerksschäden beseitigt werden. Aus Sicht des Unternehmens führt deshalb an der Sperrung kein Weg vorbei.
Auch Fahrgastverbände halten die Maßnahmen grundsätzlich für notwendig. Sie verweisen darauf, dass die Infrastruktur instand gehalten werden müsse. Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr im Münchner Forum warnt, wohin unterlassene Sanierung führen könne, und verweist auf Probleme bei der Deutschen Bahn. Auch Andreas Frank von Pro Bahn betont, dass die Bauarbeiten in der Sache unstrittig seien.
Kritik am Schienenersatzverkehr
Deutlich kritischer fällt dagegen die Bewertung des Ersatzangebots aus. Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat für die Sperrung zwei Ersatzbuslinien eingerichtet – eine entlang des bisherigen U-Bahn-Verlaufs und eine weitere als Querverbindung zum Hauptbahnhof.
Trotzdem gibt es immer wieder Beschwerden über Gedränge an den Haltestellen, fehlende Anzeigen und vor allem über deutlich längere Fahrzeiten als bei der U-Bahn.
Nach Einschätzung von Fahrgastvertretern liegt das Problem weniger bei Taktung oder Kapazität. Vielmehr kämen die Busse häufig nicht flüssig durch den Verkehr. Vor allem im Berufsverkehr stecken sie oft im Stau.
Um den Ersatzverkehr zu beschleunigen, wurde zuletzt auf einer wichtigen Verkehrsachse ein vergleichsweise neuer Radweg zur Busspur umgewidmet. Das sorgt für Ärger bei Radfahrern, die sich dort teils wieder den schmalen Gehweg mit Fußgängern teilen müssen. Den Stadtwerken zufolge bringt die Maßnahme den Bussen jedoch einen Zeitgewinn von rund zwei Minuten.
Verbände fordern Einschränkungen für Autofahrer
Mit Blick auf die nächste Vollsperrung fordern Fahrgastvertreter, die Stadt solle stärker über Beschränkungen für den Autoverkehr nachdenken. Zwar erscheine das zunächst weitreichend, argumentieren die Verbände. Allerdings habe die U-Bahn auf diesem Abschnitt über Jahrzehnte täglich Zehntausende Fahrgäste befördert und damit die Straßen entlastet.
Wenn die Sanierung nun anstehe, müsse die Stadt nach Ansicht der Verbände vor allem dafür sorgen, dass die betroffenen Fahrgäste mit dem Ersatzverkehr möglichst zuverlässig ans Ziel kommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber