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Darum kochen Europas Meere immer mehr

Europas Küstenmeere kochen: Forscher sagen, ohne Klimawandel wäre das fast unmöglich – was jetzt gefordert wird, ist drastisch.

19.08.2026, 06:00 Uhr

Europas Meere außergewöhnlich warm – Klimawandel treibt Temperaturen nach oben

Nicht nur an Land wurden in diesem Sommer in vielen Teilen Europas Rekordwerte gemessen. Auch die Meere rund um den Kontinent sind vielerorts ungewöhnlich warm. In einigen Regionen liegen die Wassertemperaturen mehr als sechs Grad über dem, was sonst üblich ist. Nach einer Analyse des internationalen Forschungsteams World Weather Attribution (WWA) ist dafür zu einem großen Teil der menschengemachte Klimawandel verantwortlich.

Die Forscher berichten, dass die Temperaturen entlang fast aller europäischen Küsten über dem Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2020 liegen – teils deutlich. Besonders stark betroffen sind das westliche Mittelmeer sowie im Atlantik der Golf von Biscaya und die Küsten der Iberischen Halbinsel.

Klimawandel als zentraler Treiber

Für die Untersuchung verglich das Team die Entwicklung der Meeresoberflächentemperaturen im Juli mit Klimamodellen. Demnach hat die durch Kohle, Öl und Gas verursachte Erderwärmung die Temperaturen im Mittelmeer im Schnitt um rund zwei Grad erhöht.

Im Gebiet des Golfs von Biscaya und vor der Westküste der Iberischen Halbinsel beträgt der zusätzliche Erwärmungseffekt etwa 1,4 Grad. Rund um Irland und an der Westküste Großbritanniens liegt er bei ungefähr 1,3 Grad.

Viele Küsten von marinen Hitzewellen erfasst

Nach Angaben des Berichts haben in diesem Jahr 90 Prozent der Küstenabschnitte am Golf von Biscaya und an der Iberischen Halbinsel marine Hitzewellen erlebt. Im westlichen Mittelmeer traf das auf 80 Prozent der Küsten zu.

Ohne die vom Menschen verursachte Erwärmung, die derzeit etwa 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt, hätte dieser Anteil laut Berechnungen jeweils nur bei rund 40 Prozent gelegen. Auch im östlichen Mittelmeer und in den Gewässern um Irland wären dann deutlich weniger Regionen von extremer Wärme betroffen gewesen.

Mehr Kraken vor Südwestengland

Die ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen können Ökosysteme und Nahrungsketten im Meer erheblich stören. Davon könnten auch Meeressäuger und Seevögel betroffen sein.

Als Beispiel nennen die Forscher den Südwesten Englands: Dort berichten Fischer seit 2025 von deutlich mehr Gemeinen Kraken (Octopus vulgaris). Die Art ist eigentlich eher in wärmeren Gewässern vor Nordafrika verbreitet.

Folgen unter der Wasseroberfläche besonders ernst

Nach Einschätzung des Forschungsteams können warme Meere außerdem die Entstehung schwerer Stürme begünstigen. Als mögliches Beispiel verweisen die Wissenschaftler auf die verheerenden Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia im Herbst 2024.

Co-Autorin Claire Bergin von der irischen Maynooth University betonte, dass wärmeres Wasser für Badegäste in kühleren Ländern zwar zunächst angenehm klingen könne. Schwerer wögen jedoch die Folgen für das Leben unter der Meeresoberfläche.

Forscher warnen vor weiterem Anstieg

Thomas Frölicher von der Universität Bern warnte, dass mit jeder zusätzlichen ausgestoßenen Tonne Kohlenstoff die Temperaturen und Ökosysteme an Europas Küsten weiter in unbekannte Bereiche gedrängt würden.

Die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London machte zugleich deutlich, dass Anpassung allein nicht ausreiche. Marine Ökosysteme seien nicht nur aus sich heraus schützenswert. Auch viele Menschen und Wirtschaftsbereiche seien darauf angewiesen, dass sich die Meere nicht in diesem Tempo weiter erwärmen.

Meerestemperaturen auch weltweit auf Rekordniveau

Nicht nur in Europa, sondern weltweit liegen die Meerestemperaturen derzeit auf Rekordniveau. Nach vorläufigen Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA lag die durchschnittliche globale Meerestemperatur am vergangenen Sonntag bei 21,16 Grad.

Das entspricht für dieses Datum einem Plus von 0,75 Grad gegenüber dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 und 0,92 Grad im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010. Erfasst wurden dabei die Ozeangebiete zwischen 60 Grad nördlicher und 60 Grad südlicher Breite; die Polarregionen bleiben außen vor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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