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Nikotinzahnstocher im Trend? Experten schlagen Alarm

Kaum von normalen Zahnstochern zu unterscheiden – doch diese Nikotin-Stäbchen können vor allem junge Menschen schnell süchtig machen.

29.05.2026, 05:00 Uhr

Nikotinzahnstocher: Unauffällig, aber riskant

Rauchen, E-Zigaretten – und jetzt auch Zahnstocher mit Nikotin: Immer wieder tauchen neue Produkte auf, die den Suchtstoff in anderer Form anbieten. Noch wenig bekannt sind sogenannte Nikotinzahnstocher. Äußerlich sehen sie aus wie gewöhnliche Holzstäbchen, können jedoch abhängig machen. An einer Schule in Bayern sind Zahnstocher deshalb seit Monaten komplett untersagt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie funktionieren Nikotinzahnstocher?

Die kleinen Holzstäbchen sind mit Nikotin und Aromastoffen beschichtet. Beim Lutschen oder Kauen löst sich das Nikotin und wird über die Mundschleimhaut aufgenommen, erklärt Stefanie Eckhardt vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).

Das Problem: Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) lassen sich diese Produkte optisch kaum von normalen Zahnstochern unterscheiden.

Wie viel Nikotin steckt darin?

Nach Angaben des BIÖG enthalten Nikotinzahnstocher meist zwischen 2 und 3 Milligramm Nikotin, manche sogar bis zu 6 Milligramm. Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält ungefähr 10 Milligramm Nikotin.

Fachleute warnen, dass der Nikotingehalt und damit auch das Abhängigkeitspotenzial mit anderen Nikotinprodukten vergleichbar sein können. Wie stark die Wirkung ausfällt, hängt davon ab, wie intensiv ein solcher Zahnstocher benutzt wird. Andrea Rabenstein, Suchtmedizinerin am LMU Klinikum München, berichtet, dass die bisher geschilderten subjektiven Effekte denen einer Zigarette ähneln.

Warum ist Nikotin problematisch?

Nikotin hat unabhängig von der Konsumform ein hohes Suchtpotenzial. Nach Angaben von Experten kann es zu Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Außerdem steigen Herzfrequenz und Blutdruck.

Münchner Schule verbietet Zahnstocher
Ein Kind nimmt einen Zahnstocher in den Mund. Eine Münchner Realschule hat alle Arten von Zahnstochern verboten, weil die Nikotinzahnstocher so schwierig zu erkennen sind. Quelle: Pia Bayer/dpa

Langfristig kann Nikotinkonsum nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen unter anderem die Tumorentwicklung begünstigen und möglicherweise auch das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen.

Seit wann gibt es diese Produkte?

Dem BfR zufolge sind Nikotinzahnstocher seit etwa zehn bis 15 Jahren als alternatives Nikotinprodukt erhältlich. Größere Aufmerksamkeit bekamen sie zuletzt, als eine Münchner Realschule im Dezember Zahnstocher auf dem gesamten Schulgelände verbot.

Hintergrund war, dass dort zunehmend Nikotinzahnstocher kursierten. Lehrkräfte konnten diese nicht zuverlässig von harmlosen Zahnstochern unterscheiden.

Kann man Nikotinzahnstocher in Deutschland kaufen?

Im regulären Handel nicht. Nach Angaben des BIÖG sind die Produkte in Deutschland nicht zugelassen und dürfen daher nicht verkauft werden. Online können sie jedoch über Umwege trotzdem bestellt werden.

Wie gut sind Nikotinzahnstocher erforscht?

Bislang gibt es nur wenige Studien dazu. Suchtmedizinerin Rabenstein und ihr Team beschäftigen sich seit Jahren mit verschiedenen Nikotinprodukten und beziehen Nikotinzahnstocher aktuell in eine Untersuchung ein. Ergebnisse werden voraussichtlich im Herbst erwartet.

Auch in der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (Debra) wurden diese Produkte im März erstmals berücksichtigt, wie Studienleiter Daniel Kotz mitteilte. Bundesweite Daten zur Verbreitung liegen dem BIÖG bisher nicht vor.

Welche Gefahr sehen Experten für Kinder und Jugendliche?

Ähnlich wie bei Vapes setzen Hersteller nach Einschätzung von Fachleuten auf süße Geschmacksrichtungen und eine ansprechende Gestaltung. Gerade das könne junge Menschen besonders ansprechen.

Rabenstein warnt davor, dass mit Nikotinzahnstochern ein weiteres Produkt auf den Markt komme, das Kinder und Jugendliche an Nikotin heranführen könnte. Je früher Jugendliche mit einer suchterzeugenden Substanz in Kontakt kommen, desto schwieriger sei es, sich später davon zu lösen. Zudem verankere sich der Konsum stärker im Verhalten und in biologischen Prozessen.

Ob sich Nikotinzahnstocher dauerhaft durchsetzen, ist laut Experten noch offen. Einen klaren Massen-Trend sehen sie bisher nicht; deutlich stärker verbreitet seien derzeit Vapes. Noch handelt es sich eher um ein Nischenprodukt – allerdings um eines, das offenbar präsenter ist als zunächst erwartet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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