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Neue Abnehmpille in Apotheken – Was jetzt wichtig ist

Abnehmen ohne Spritze? Ab September kommt die Pille nach Deutschland – für wen sie taugt und worauf es jetzt ankommt.

31.08.2026, 04:00 Uhr

Wegovy bald auch als Tablette: Was zum Start in Deutschland wichtig ist

Erstmals soll in Deutschland ein GLP-1-Medikament zur Gewichtsreduktion auch als Tablette in Apotheken erhältlich sein. Bisher war Semaglutid unter dem Markennamen Wegovy vor allem als Abnehmspritze bekannt. Die wichtigsten Informationen im Überblick.

Verkaufsstart ab 1. September geplant

Nach Angaben des dänischen Herstellers Novo Nordisk soll die Einführung der Wegovy-Tabletten in Deutschland am 1. September beginnen. Eine Unternehmenssprecherin erklärte, man habe genügend Ware, um die erwartete Nachfrage abzudecken. Die EU-Zulassung für die Tabletten war bereits im Juli erteilt worden.

Apotheken rechnen mit großem Interesse

Die Apotheken stellen sich auf einen starken Andrang ein. Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Thomas Preis, sagte, dass die Apotheken zum Marktstart ausreichend beliefert werden sollen – vorausgesetzt, der Hersteller stellt rechtzeitig genug Packungen bereit. Wichtig sei vor allem eine gute Beratung zu Einnahme, Anwendung und möglichen Nebenwirkungen.

Hausärzte raten zum persönlichen Gespräch

Auch in den Hausarztpraxen spielt das Thema Abnehmmedikamente eine immer größere Rolle. Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, verwies auf die starke mediale Aufmerksamkeit. Er empfiehlt Patientinnen und Patienten, offene Fragen direkt mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt zu besprechen. So lasse sich klären, für wen das Medikament geeignet ist und welche Risiken bestehen.

Abnehmtablette kommt in deutsche Apotheken - Ein Überblick
Laut Daten des Statistischen Bundesamtes von 2025 sind in Deutschland 17,9 Prozent der Erwachsenen adipös. (Symbolbild) Quelle: Jan Woitas/dpa

Für wen die Tabletten zugelassen sind

Verordnet werden können die Tabletten bei Adipositas oder bei Übergewicht in Verbindung mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Voraussetzung ist ein ärztliches Rezept. Frei erhältlich sind sie also nicht.

Die Kosten müssen Betroffene in Deutschland bislang in der Regel selbst tragen. Der Grund: Abnehmmittel gelten hierzulande als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und werden deshalb normalerweise nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Anders ist die Lage bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Für sie übernehmen die Kassen Semaglutid unter dem Namen Ozempic. Zugleich läuft weiterhin die Debatte, ob eine Kostenübernahme bei bestimmten Gruppen von Menschen mit Adipositas künftig doch möglich sein sollte.

So wirkt Semaglutid

Wie die Spritze gehört auch die Tablette zur Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Diese Wirkstoffe signalisieren dem Gehirn, dass bereits Nahrung aufgenommen wurde. Dadurch stellt sich früher ein Sättigungsgefühl ein. Zudem bleibt das Essen länger im Magen, was die Sättigung zusätzlich verlängert. In der Folge essen viele Patientinnen und Patienten weniger und können Gewicht verlieren.

Tablette und Spritze: ähnlicher Effekt beim Abnehmen

Nach Einschätzung der Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité ist die Wirkung auf das Körpergewicht bei Tablette und Spritze vergleichbar. Ein wichtiger Vorteil der neuen Darreichungsform sei, dass Betroffene künftig wählen können, ob sie lieber Tabletten nehmen oder spritzen möchten. Für manche Menschen sei die Tablette angenehmer, etwa bei Angst vor Nadeln.

Die wichtigsten Unterschiede bei Anwendung und Dosierung

Deutliche Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung:

  • Spritze: einmal pro Woche
  • Tablette: täglich am Morgen

Für die Tablette gelten zudem genaue Vorgaben. Nach Informationen der ABDA sollen Patientinnen und Patienten mindestens acht Stunden vorher nichts gegessen haben. Nach der Einnahme sollen sie außerdem 30 Minuten lang weder essen noch trinken und auch keine anderen Medikamente einnehmen.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Menge des Wirkstoffs. Bei Tabletten ist die Dosis deutlich höher, weil über Magen und Dünndarm nur ein kleiner Teil aufgenommen wird. Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München, erklärte, in Tablettenform werde rund 70-mal mehr Wirkstoff benötigt als bei einer Injektion. Laut Meyer kann die Spritzentherapie bis auf 2,4 Milligramm gesteigert werden, bei den Tabletten liegt die verfügbare Höchstdosis bei 25 Milligramm.

Wie stark der Gewichtsverlust ausfallen kann

Studien zur Abnehmspritze mit Semaglutid zeigen, dass Teilnehmende im Durchschnitt etwa 11 bis 17 Prozent ihres Körpergewichts verlieren können. Nach Angaben von Hauner entspricht das ungefähr 10 bis 12 Kilogramm.

Fachleute betonen jedoch, dass das Medikament allein nicht ausreicht, um das Gewicht dauerhaft zu halten. Meyer machte deutlich, dass es sich nicht um eine alleinstehende Therapie handelt. Entscheidend seien eine ärztliche Begleitung sowie Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Verhalten.

Eine im März veröffentlichte britische Studie zur Spritzentherapie zeigte zudem: Nach dem Absetzen nehmen viele Patientinnen und Patienten rasch wieder zu. Ein Jahr nach Ende der Behandlung waren im Schnitt rund 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zurück. Ein Teil des Effekts – ungefähr ein Viertel des Gewichtsverlusts – könnte aber länger erhalten bleiben.

Mögliche Nebenwirkungen

Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Meyer zufolge zeigen bisherige Untersuchungen zu GLP-1-Medikamenten, dass diese Beschwerden meist leicht bis mäßig ausfallen und schwere Verläufe eher selten sind.

Warnung vor dubiosen Online-Angeboten

Expertinnen und Experten sehen Angebote im Internet kritisch. Hauner und Meyer bemängeln vor allem die oft fehlende ärztliche Betreuung. Häufig gehe es den Anbietern in erster Linie ums Geschäft. Auch die ABDA warnt ausdrücklich vor zweifelhaften Online-Offerten rund um die Abnehmpille.

Adipositas bleibt weit verbreitet

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2025 sind in Deutschland 17,9 Prozent der Erwachsenen adipös. Vor diesem Hintergrund dürfte die Nachfrage nach neuen Behandlungsoptionen hoch bleiben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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