Ein mit Ebola infizierter US-Bürger soll zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden. Das Bundesgesundheitsministerium teilte mit, die US-Behörden hätten die Bundesregierung um Unterstützung gebeten.
Der Mann hatte sich während des aktuellen Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo angesteckt. Dort breitet sich die Krankheit nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums alarmierend schnell aus. Bislang wurden 513 Verdachtsfälle und 131 mutmaßliche Todesfälle registriert.
Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC war der Betroffene im Kongo im Einsatz und wurde am Wochenende positiv auf Ebola getestet. Aktuell laufen die Vorbereitungen für seine Verlegung nach Deutschland. US-Medien zufolge handelt es sich um einen Arzt. Auch eine christliche Missionsorganisation erklärte, ein US-Mediziner habe sich bei der Arbeit in einem Krankenhaus im Kongo infiziert.
Vorerst keine Angaben zum Behandlungsort
Wo der Patient in Deutschland behandelt werden soll, ist weiter offen. Das Bundesgesundheitsministerium verwies lediglich darauf, dass es für den Umgang mit hochpathogenen Erregern ein bundesweites Expertennetzwerk gibt.
Nach CDC-Angaben fiel die Entscheidung für Deutschland unter anderem wegen der kürzeren Flugzeit und der Erfahrung deutscher Kliniken mit Ebola-Fällen. Neben dem infizierten Mann sollen auch sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko ausgeflogen werden. Zu ihrer Staatsangehörigkeit wurden zunächst keine Angaben gemacht.
WHO-Notfallausschuss befasst sich mit der Lage
Die Weltgesundheitsorganisation hat ihren Notfallausschuss einberufen. Unabhängige Fachleute sollen Empfehlungen erarbeiten, wie auf die Lage reagiert werden soll, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Ausgelöst wurde der Ausbruch durch die seltene Bundibugyo-Variante des Virus. Für sie gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine gezielte Therapie. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung in Zentral- und Ostafrika gilt als hoch.
Nach WHO-Angaben war es das erste Mal, dass Tedros eine internationale Gesundheitsnotlage ausrief, bevor der Ausschuss beraten hatte. Grund sei die besondere Dringlichkeit der Situation gewesen. Nach Angaben der WHO-Vertreterin im Kongo, Anne Ancia, wird nun geprüft, welche Impfstoffkandidaten verfügbar sind und ob kurzfristig ein Vakzin gegen die Bundibugyo-Variante bereitgestellt werden könnte.
WHO und Africa CDC warnen vor Panik und Alleingängen
Die WHO betont, dass die ausgerufene Notlage nicht der Panikmache dienen soll. Sie solle Staaten vielmehr auf die Dringlichkeit aufmerksam machen und die internationale Zusammenarbeit stärken.
Africa CDC rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, vorerst von Reisebeschränkungen abzusehen. Das benachbarte Ruanda hat seine Grenze zum Osten des Kongo allerdings bereits geschlossen. Die USA verhängten für den Kongo ihre höchste Reisewarnung und Einreisebeschränkungen für Menschen ohne US-Pass, die sich zuletzt im Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben.
Der Direktor von Africa CDC, Jean Kaseya, warnte, weitreichende Reisebeschränkungen und Grenzschließungen hätten bei früheren Ausbrüchen oft nur begrenzten gesundheitlichen Nutzen gebracht, zugleich aber erhebliche wirtschaftliche, humanitäre und operative Folgen verursacht. Der wirksamste Schutz für andere Länder sei, den Ausbruch direkt an der Quelle konsequent einzudämmen.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sprach von einer extrem ernsten Lage und kündigte zusätzliche Hilfe gemeinsam mit afrikanischen Partnern an. In der kommenden Woche sollen demnach 500 Schutzanzüge für medizinisches Personal geliefert werden. Außerdem ist ein intensives Schulungsprogramm zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen geplant, während sich eine Expertengruppe auf einen möglichen Einsatz vorbereitet.
Ausbruch wohl seit April im Gang
Nach Angaben von Africa CDC begann der Ausbruch vermutlich in der dritten Aprilwoche in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Öffentlich bekannt wurde er allerdings erst Anfang Mai. Im benachbarten Uganda wurden inzwischen ebenfalls zwei Fälle gemeldet.
Die WHO verweist darauf, dass weiterhin große Unsicherheit über die tatsächliche Zahl der Infektionen und das Ausmaß der Ausbreitung besteht. Obwohl mehr als 500 Verdachtsfälle registriert wurden, sind bislang erst 30 Fälle im Kongo labordiagnostisch bestätigt. Der Ausbruch betrifft inzwischen zehn Gesundheitszonen in der Provinz Ituri und hat zudem die Provinz Nord-Kivu erreicht. Bestätigte Fälle gibt es dort auch in den Städten Goma und Butembo.
Die direkt betroffenen Gebiete sind dicht besiedelt und auf kongolesischer Seite teils von Rebellengruppen kontrolliert. Allein in der Provinz Ituri leben nach WHO-Schätzungen rund 8 Millionen Menschen, darunter mehr als eine Million Vertriebene.
Der Marburger Virologe Stephan Becker bezeichnete es als besorgniserregend, dass der Ausbruch offenbar längere Zeit unentdeckt blieb. Es handelt sich um den 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Nur zweimal zuvor wurde dort laut Africa CDC die Bundibugyo-Variante festgestellt.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch direkten Körperkontakt sowie durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Beim großen Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika starben 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion