Deutschland bei der Eishockey-WM tief in der Krise
Der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft droht bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz das frühe Aus. Nach dem überraschenden Gewinn der Silbermedaille 2023 ist die Entwicklung klar rückläufig. Ein Jahr vor der Heim-WM kämpft der Deutsche Eishockey-Bund mit mehreren Baustellen. Fünf Punkte erklären, warum das Team in Zürich bislang enttäuscht.
Zu wenig Durchschlagskraft im Angriff
Nur zwei Tore aus den ersten drei Spielen sind eine Bilanz, wie man sie eher von einem Abstiegskandidaten erwarten würde. Bundestrainer Harold Kreis sprach selbst von großer Frustration. Zwar fehlen mit Leon Draisaitl, Tim Stützle und JJ Peterka einige absolute Topspieler, doch vor allem das Überzahlspiel wirkt harmlos und ideenlos. Mehrere Chancen mit einem Mann mehr blieben ungenutzt. Auffällig ist zudem, dass mit Dominik Bokk und Alexander Blank zwei torgefährliche Angreifer aus dem vorläufigen Kader gestrichen wurden, obwohl beide in der DEL zuletzt starke Trefferquoten vorweisen konnten.
Es fehlt an Klasse im Kader
Die vielen Absagen prominenter NHL-Profis lassen sich durch Spieler aus der DEL nicht kompensieren. Offiziell werden meist Verletzungen als Grund genannt. Nach dem enttäuschenden olympischen Turnier soll jedoch auch die Unzufriedenheit über Trainerarbeit und Organisation groß gewesen sein.
Abgesehen von Kapitän Moritz Seider, Torhüter Philipp Grubauer und der Offensivreihe mit Frederik Tiffels, Joshua Samanski und Lukas Reichel bietet das Aufgebot bislang nur begrenzte internationale Qualität. Und selbst diese nominell stärkeren Kräfte waren offensiv kaum entscheidend. Ein Platz im Viertelfinale erscheint deshalb aktuell weit entfernt.

Die Mannschaft findet keine klare Identität
Mit Moritz Müller und dem erneut nicht berücksichtigten Marcel Noebels fehlen wichtige Führungsspieler, die in den vergangenen Jahren auch abseits des Eises eine zentrale Rolle hatten. Gerade auf dem Weg zur Vize-Weltmeisterschaft 2023 waren solche Persönlichkeiten enorm wichtig.
Zuletzt war jedoch zu beobachten, dass sich viele Spieler stark auf die NHL-Stars verließen. Diese sind zwar individuell herausragend, versuchten aber oft, Probleme alleine zu lösen. Besonders bei Olympia 2026 wirkte es so, als würden viele Mitspieler darauf warten, dass Draisaitl und Co. das Spiel entscheiden. Ein echter Teamgedanke entstand kaum. Das deutliche 2:6 im Viertelfinale gegen die Slowakei beendete damals alle Hoffnungen auf Edelmetall.
Von der Bank kommen zu wenige Impulse
Bei der klaren Niederlage gegen die Schweiz entschied der Gegner die Partie mit zwei Treffern innerhalb von nur 35 Sekunden praktisch frühzeitig. In so einer Phase greifen viele Trainer mit einer Auszeit ein, um die eigene Mannschaft zu beruhigen und neu auszurichten. Kreis verzichtete darauf und beließ es bei kurzen Ansprachen in den TV-Pausen.
Auch beim WM-Start gegen Finnland blieb eine mögliche Trainer-Challenge aus. Vor dem ersten Gegentor war Philipp Grubauer im Torraum berührt worden, dennoch entschieden sich Kreis und sein Team gegen eine Überprüfung der Szene. Solche Momente nähren den Eindruck, dass von außen zu selten aktiv eingegriffen wird.
Auch mental gerät das Team schnell ins Wanken
Harold Kreis wollte von einem Kopfproblem zwar nichts wissen. Kapitän Seider schilderte die Lage nach dem 1:6 gegen die Schweiz jedoch anders. Nach einer eigenen Chance an den Pfosten fiel direkt im Gegenzug das erste Gegentor, kurz darauf das zweite — und danach sei die Verunsicherung sofort spürbar gewesen. Die Köpfe gingen herunter, das Spiel kippte komplett.
Auch Sportvorstand Künast räumte ein, dass die Mannschaft bei kleinen Rückschlägen schnell auseinanderfällt. Genau diese mentale Instabilität ist derzeit ein weiteres großes Problem — und einer der Hauptgründe dafür, dass Deutschland bei dieser WM erneut eine bittere Enttäuschung droht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion