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Deutsche Passagiere stecken ewig in Quarantäne

Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Kaum neue Fälle – doch sind die deutschen Rückkehrer wirklich schon außer Gefahr?

12.05.2026, 05:00 Uhr

Zunächst zeigen die vier nach Deutschland ausgeflogenen Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Schiffs keine Krankheitszeichen. Fachleute schließen jedoch nicht aus, dass sich Symptome noch entwickeln, da zwischen Ansteckung und Erkrankung oft vergleichsweise viel Zeit vergeht. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit erklärte, einzelne weitere Fälle wären deshalb kein Hinweis auf eine kritische Zuspitzung, sondern bei einer Inkubationszeit von meist zwei bis vier Wochen durchaus erwartbar.

Die vier Rückkehrer kommen aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Selbst negative PCR-Tests erlauben nach Angaben von Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin keine absolute Entwarnung. Wird ein Test sehr früh durchgeführt, kann das Virus im Blut unter Umständen noch nicht nachweisbar sein, obwohl eine Person bereits infiziert ist und sich noch in der Inkubationsphase befindet.

Lange Quarantäne wahrscheinlich

Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums müssen sich die Betroffenen zunächst in häusliche Quarantäne begeben. In den kommenden Wochen sollen sie engmaschig auf mögliche Symptome beobachtet werden. Falls jemand erkrankt, sei eine Behandlung in spezialisierten Zentren unter hohen medizinischen und sicherheitstechnischen Standards möglich.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation geht die Infektionskette an Bord der „Hondius“ auf ein niederländisches Ehepaar zurück, das am 1. April eingeschifft worden war. Der Mann, der als mutmaßlicher erster Fall des Clusters gilt, entwickelte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall und starb am 11. April.

Hantavirus-Ausbruch - Eindhoven
Besatzungsmitglieder der «Hondius» erreichten am Abend mit zwei Flugzeugen den Flughafen in Eindhoven, unter ihnen auch ein deutsches Besatzungsmitglied. Quelle: Christoph Reichwein/dpa

Im Zusammenhang mit dieser Erkrankung kam es nach derzeitiger Annahme zu einer begrenzten Weitergabe von Mensch zu Mensch auf dem Schiff, sagte Schmidt-Chanasit. Weil die Beschwerden zunächst denen anderer Atemwegserkrankungen ähnelten, sei der Erreger erst mit Verzögerung in den Blick geraten. Erst nach dem Hantavirus-Nachweis wurden strengere Isolations- und Überwachungsmaßnahmen eingeleitet.

Ungewöhnlicher Verlauf

Dass die Diagnose nicht sofort gestellt wurde, sei nachvollziehbar, betonte der Virologe. Ein Fall des Andesvirus auf einem Kreuzfahrtschiff gehöre nicht zu den naheliegenden Szenarien. Vielmehr handle es sich um ein äußerst seltenes Ereignis, das durch mehrere unglückliche Umstände begünstigt worden sei. Das in Südamerika vorkommende Andesvirus wird wie andere Hantaviren normalerweise von Nagetieren übertragen, etwa über virushaltige Partikel aus Kot, die mit Staub aufgewirbelt werden.

Inzwischen gilt die Lage nach Einschätzung des Experten als beherrschbar. Betroffene würden international nachverfolgt, enge Kontaktpersonen beobachtet oder unter Quarantäne gestellt, Erkrankte rasch getestet und isoliert. Zudem seien Kliniken inzwischen für mögliche Fälle sensibilisiert. Laut Schmidt-Chanasit konnten Ausbrüche des Andesvirus auf diese Weise bislang stets unter Kontrolle gebracht werden.

Keine Hinweise auf größere Ausbreitung

Das Andesvirus ist unter den Hantaviren eine Besonderheit, weil es in seltenen Fällen bei engem und längerem Kontakt auch zwischen Menschen übertragen werden kann. In Südamerika wurden in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Ausbrüche dokumentiert, die jeweils rasch eingedämmt wurden. Auch jetzt sehen Fachleute keine Gefahr einer breiten Verbreitung.

Die „Hondius“ war am Sonntag im Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas angekommen. Von dort wurden Passagiere unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen mit Sonderflügen in ihre Herkunftsländer gebracht. Am Montagabend war die Evakuierung abgeschlossen. Anschließend setzte das Schiff mit einer Restbesatzung seine Fahrt in Richtung Niederlande fort. Zuletzt befanden sich 140 bis 150 Passagiere, Crewmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern an Bord.

Zur Gesamtzahl der bislang bestätigten Infektionen machte die WHO am Montag zunächst keine neuen Angaben. Bis Sonntag waren drei Todesfälle bekannt: das niederländische Ehepaar sowie eine deutsche Passagierin.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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