Der Freistaat Bayern richtet ein neues Bayerisches Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) ein, um sich besser auf kommende Pandemien vorzubereiten. Die Einrichtung soll die Infektionsforschung an den sechs bayerischen Universitätskliniken enger verknüpfen. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums sollen wissenschaftliche Erkenntnisse dadurch schneller in die medizinische Praxis gelangen. Die offizielle Eröffnung findet heute in Würzburg statt.
Nach Angaben einer Sprecherin ist vor allem die möglichst nahezu in Echtzeit erfolgende Vernetzung von Daten entscheidend, um auf neue und sich schnell verbreitende Erreger angemessen reagieren zu können. Geplant ist deshalb ein Ausbau der Standorte unter anderem in den Bereichen Impfstoffentwicklung, Überwachung von Krankheitserregern sowie Forschung zu Spätfolgen von Infektionen.
An jedem Standort wurden dafür demnach drei bis fünf zusätzliche Stellen geschaffen. Die Koordination des Zentrums übernimmt unter anderem eine Geschäftsstelle am Universitätsklinikum Würzburg. In den kommenden Jahren soll das BZI weiter wachsen. Langfristig soll Bayern nach den Worten der Sprecherin zu einer europäischen Modellregion für moderne Infektionsprävention werden. Das Wissenschaftsministerium bezeichnet die Struktur als bundesweit einzigartig und unterstützt das Zentrum zunächst mit drei Millionen Euro pro Jahr.
Lehren aus der Corona-Pandemie
Nach Darstellung des BZI setzt das neue Zentrum eine wesentliche Erkenntnis aus der Covid-Pandemie um und soll Bayern widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Gesundheitskrisen machen. Neue Erreger sollen durch laufende Beobachtung möglichst früh erkannt und bewertet werden. Aktuell richtet sich der Blick dabei besonders auf Atemwegserreger wie Pneumokokken, RSV und das Coronavirus.
Eng damit verbunden ist die Arbeit an Impfstoffen gegen Atemwegserkrankungen, die als besonders wichtig für die Vorsorge gegen Pandemien gelten. Bereits entwickelte Vakzine sollen bei Bedarf rasch an neu auftretende Erreger angepasst werden können. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) betonte, das Ziel sei nicht nur, bestmöglich vorbereitet zu sein, sondern im Idealfall sogar die nächste Pandemie zu verhindern.
Schwerpunkt auf Long Covid und ME/CFS
Als erstes Sonderprojekt soll ein bayernweit abgestimmtes Long-Covid-Register entstehen. Darin sollen Daten und Proben zu Krankheitsverläufen sowie zur Versorgung der Betroffenen gesammelt werden. Ziel ist es, die Diagnostik zu verbessern und neue Therapiestudien zu ermöglichen. Das Register soll später auch als Modell für andere Erkrankungen dienen, die nach Infektionen auftreten.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erforschung von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom). Nach Angaben der ME/CFS Research Foundation lebten Ende 2025 in Deutschland mehr als 650.000 Menschen mit ME/CFS und über 750.000 mit Long Covid.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion