Neues Infektionszentrum in Bayern gestartet: BZI soll Pandemien früher erkennen und im besten Fall verhindern
Der Freistaat Bayern baut seine Vorsorge gegen künftige Gesundheitskrisen aus: Mit dem neuen Bayerischen Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) werden die Kompetenzen der sechs bayerischen Universitätskliniken in der Infektionsforschung gebündelt. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die medizinische Versorgung zu überführen. Offiziell eröffnet wurde das Zentrum am Mittwoch in Würzburg von Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU).
Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums ist vor allem eine möglichst nahezu in Echtzeit funktionierende Vernetzung von Daten entscheidend, um auf neue und sich rasch verbreitende Erreger angemessen reagieren zu können. Deshalb sollen die Standorte unter anderem in den Bereichen Impfforschung, Überwachung von Krankheitserregern und Forschung zu Langzeitfolgen von Infektionen weiter ausgebaut werden.
Dafür wurden an jedem Standort drei bis fünf neue Stellen geschaffen. Die Koordination des BZI läuft unter anderem über eine Geschäftsstelle am Universitätsklinikum Würzburg. In den kommenden Jahren ist ein weiterer Ausbau vorgesehen. Langfristig soll Bayern nach den Worten einer Sprecherin zu einer europäischen Modellregion für moderne Infektionsprävention werden. Das Wissenschaftsministerium spricht von einer bundesweit einmaligen Struktur und finanziert das Zentrum zunächst mit drei Millionen Euro pro Jahr.
Lehren aus der Corona-Pandemie
Nach Darstellung des BZI setzt das Zentrum eine zentrale Lehre aus der Covid-Pandemie um und soll Bayern widerstandsfähiger gegen künftige Pandemien machen. Neue Erreger sollen durch Beobachtung nahezu in Echtzeit möglichst früh erkannt und eingeordnet werden. Der Blick richtet sich derzeit besonders auf Atemwegserreger wie Pneumokokken, RSV und Covid.
Eng damit verbunden ist die Forschung an Impfstoffen gegen Atemwegserkrankungen, die für die Pandemievorsorge als besonders wichtig gelten. Bereits entwickelte Vakzine sollen bei Bedarf schnell an neu auftretende Pandemie-Erreger angepasst werden können. Wissenschaftsminister Markus Blume betonte: „Unser Ziel ist nicht nur bestmöglich gewappnet zu sein, sondern die nächste Pandemie zu verhindern.“
Fokus auf Long Covid und ME/CFS
Als erstes Sonderprojekt entsteht ein bayernweit harmonisiertes Long-Covid-Register. Dort sollen Daten und Proben zu Krankheitsverläufen sowie zur Versorgung der Patientinnen und Patienten gesammelt werden. Ziel ist es, die Diagnostik zu verbessern und neue Therapiestudien für Betroffene zu ermöglichen. Das Register soll später auch als Modell für andere Erkrankungen dienen, die nach Infektionen auftreten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom). Blume sagte dazu, die öffentlichen Aktionen von Betroffenen machten den hohen Leidensdruck vieler Patientinnen und Patienten sichtbar. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Bayern bei Prävention, Forschung und Früherkennung nun entschlossen handle.
Nach Angaben der Stiftung ME/CFS Research Foundation lebten Ende 2025 in Deutschland mehr als 650.000 Menschen mit ME/CFS und mehr als 750.000 Menschen mit Long Covid.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion