Katholikentag in Würzburg eröffnet – rund 60.000 Gäste erwartet
Mit einem Appell für ein engeres Miteinander der Christinnen und Christen hat in Würzburg der 104. Deutsche Katholikentag begonnen. Bis Sonntag rechnen die Veranstalter insgesamt mit etwa 60.000 Gästen. Das Treffen verbindet religiöse Feiern, gesellschaftliche Debatten und kulturelle Angebote.
Zur Eröffnung vor der Würzburger Residenz rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu auf, die Zusammenarbeit der Christen weiter zu stärken. Er wünsche sich, dass mehr Ökumene gewagt werde. Gerade in aufgewühlten Zeiten dürften sich Menschen nicht in Resignation zurückziehen, sagte Steinmeier. Christen müssten einer Stimmung von Hoffnungslosigkeit und Weltuntergang entgegentreten. Die Eröffnung wurde trotz Regen und Gewitter auf dem Platz gefeiert.
Rund 900 Veranstaltungen geplant
Der Katholikentag ist eine bundesweite Zusammenkunft katholischer Christinnen und Christen und findet in der Regel alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt. In Würzburg stehen rund 900 Veranstaltungen auf dem Programm. Geplant sind unter anderem Gottesdienste, Diskussionsrunden, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Theater, Kunstprojekte, vertrauliche Gespräche in kleiner Runde und Mitmachaktionen.
Veranstaltet wird das Treffen vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und dem Bistum Würzburg. Nach Angaben der Organisatoren wurden bereits etwa 30.000 Tickets verkauft. Noch einmal ungefähr so viele Besucherinnen und Besucher werden zu frei zugänglichen Angeboten in der Stadt erwartet.
„Wir müssen uns einmischen“
Kurz vor dem Start des Treffens betonte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp, Christinnen und Christen dürften sich nicht hinter Kirchentüren zurückziehen. Das Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ bedeute auch einen klaren gesellschaftlichen Auftrag: „Wir müssen uns einmischen.“ Eine Kirche, die sich zu Menschenwürde und Solidarität bekenne, sei auch eine politische Kirche.
Debatten über Ökumene, Missbrauch und Frauen in der Kirche
In den kommenden Tagen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit Vertretern der katholischen Kirche, aber auch mit Kritikern ins Gespräch zu kommen. Neben der Ökumene stehen auch Reformfragen, der Umgang mit sexualisiertem Missbrauch sowie die Rolle von Frauen in der Kirche im Mittelpunkt.
Außerdem soll sich der Katholikentag auch künstlerisch mit sexualisierter Gewalt und dem Missbrauch geistlicher Autorität befassen.
Ein Teil der Veranstaltungen ist frei zugänglich, für andere werden Eintrittskarten benötigt. Manche Angebote werden in einfacher Sprache gestaltet, viele Programmpunkte sollen möglichst barrierefrei zugänglich sein.
Nach Angaben der Veranstalter richtet sich das Angebot an viele unterschiedliche Gruppen: Kinder, ältere Menschen, Angehörige anderer Religionen und queere Personen sollen ebenfalls angesprochen werden.
Die beiden großen Gottesdienste an Christi Himmelfahrt sowie zum Abschluss am Sonntag werden live vom Residenzplatz im Fernsehen übertragen.
Prominente Gäste aus Politik und Gesellschaft
Beim Katholikentag werden zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Politik und öffentlichem Leben erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (beide CDU) sollen an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Bundespräsident Steinmeier war bereits bei der Eröffnung dabei.
Keine Bühne für die AfD
Mit Blick auf politische Debatten erklärte Stetter-Karp, Mandatsträger der AfD bekämen beim Katholikentag keinen Platz auf den Podien. Diese Frage sei intensiv beraten worden. Am Ende sei man zu der Überzeugung gekommen, der Partei keine öffentliche Bühne zu geben.
Zugleich warb sie dafür, sich inhaltlich mit den Positionen der AfD auseinanderzusetzen. Es müsse gefragt werden, ob die von der Partei angebotenen Lösungen der Gesellschaft dienten und mit dem Evangelium vereinbar seien.
Auch aus der Politik kam deutliche Kritik an der AfD. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte nach Angaben seines Ministeriums bei der ZdK-Vollversammlung in Würzburg, Christsein und AfD-Wählen seien nicht miteinander vereinbar. Ähnlich hatten sich bereits zahlreiche katholische Bischöfe positioniert.
Kundgebungen rund um das Treffen
Parallel zum Katholikentag sind in Würzburg mehrere Demonstrationen und Kundgebungen angemeldet. Eine davon richtet sich gegen einen Auftritt von Kanzler Merz. Außerdem planen katholische Reformgruppen eine Menschenkette.
Leitwort: „Hab Mut, steh auf!“
Das diesjährige Motto lautet „Hab Mut, steh auf!“. Der nächste Katholikentag soll in zwei Jahren in Paderborn in Nordrhein-Westfalen stattfinden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion