Wirtschaft

Xi drängt bei KI auf Kontrolle – und überraschende Offenheit

Im KI-Duell mit den USA setzt Xi ein Zeichen: Chinas Präsident fordert Kontrolle – und überrascht mit einem brisanten Vorstoß.

17.07.2026, 06:54 Uhr

Xi drängt auf mehr KI-Kontrolle und weniger Abschottung – Moonshot AI setzt mit Kimi K3 neuen Meilenstein im Rennen mit den USA

Im globalen Wettlauf um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz hat China nach eigener Darstellung einen weiteren wichtigen Schritt gemacht. Das von Alibaba unterstützte Start-up Moonshot AI stellte mit Kimi K3 ein neues Sprachmodell vor, das laut Unternehmen in einer Liga mit den Top-Systemen von OpenAI und Anthropic spielen soll. Der Start des Modells sorgt international für Aufmerksamkeit und verstärkt in den USA die Sorge, dass der technologische Vorsprung schneller schmilzt als lange angenommen.

Xi fordert mehr Kontrolle über KI – und kritisiert Abschottung

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping warb zum Auftakt der World AI Conference in Shanghai für strengere Regeln bei der Nutzung von KI, zugleich aber auch für einen offeneren Zugang zu der Technologie. Das Bewusstsein für Risiken müsse wachsen, sagte Xi. KI müsse sicher und kontrollierbar bleiben. Um Missbrauch zu verhindern, forderte er ein Zusammenspiel aus Gesetzen, Aufsicht und Frühwarnsystemen.

Dass Xi erstmals bei der seit 2018 jährlich stattfindenden Konferenz sprach, unterstreicht die wachsende Bedeutung der Technologie für die Führung in Peking. Er plädierte dafür, KI gemeinsam weiterzuentwickeln, und machte deutlich, dass nationale Sicherheit aus chinesischer Sicht nicht als Vorwand dienen sollte, anderen Ländern den Zugang zu KI-Modellen zu versperren. Damit stellte er sich indirekt gegen eine Dominanz weniger Staaten oder Konzerne.

Bereits einen Tag vor Xis Rede hatten 29 Staaten die Gründung einer neuen Organisation für internationale Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz vereinbart: WAICO mit Sitz in Shanghai. Nach Angaben chinesischer Staatsmedien zählen dazu unter anderem Russland, Indonesien und Kasachstan. Peking will damit auch bei künftigen globalen KI-Standards stärker mitreden.

Konkurrenzkampf mit den USA verschärft sich

Mit seinen Ambitionen in der Schlüsseltechnologie fordert China vor allem die USA heraus, die bislang als führende Kraft im KI-Sektor gelten. Experten, auf die sich das Wall Street Journal beruft, schätzen, dass der Vorsprung amerikanischer KI-Labore auf chinesische Wettbewerber inzwischen womöglich nur noch sechs bis neun Monate beträgt.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump versucht zugleich, Chinas Fortschritt mit strengen Exportkontrollen für leistungsfähige Mikrochips zu bremsen. Solche Chips sind für das Training moderner KI-Systeme zentral. In den USA wächst deshalb die Sorge, dass der eigene Vorsprung deutlich schneller schrumpft als erwartet.

Moonshot AI präsentiert Kimi K3 als neues Prestigeprojekt

Zum Start der Konferenz präsentierte Moonshot AI sein neues Sprachmodell Kimi K3. Nach Angaben des Unternehmens verfügt es über 2,8 Billionen Parameter und ist damit das bislang größte Open-Source-KI-Modell der Welt. Die Zahl der Parameter gilt als wichtiger Hinweis auf Komplexität und mögliche Leistungsfähigkeit eines Systems.

Moonshot AI kündigte an, das Modell bis Ende Juli 2026 vollständig für Entwickler weltweit frei zugänglich zu machen. Das Unternehmen setzt damit bewusst auf einen offenen Ansatz, mit dem chinesische Anbieter international mehr Nutzer und Entwickler anziehen wollen.

Bei der Vorstellung verwies Moonshot AI auf eigene Tests, wonach Kimi K3 bei Programmieraufgaben und komplexen Anwendungen Modelle wie Claude Opus 4.8 von Anthropic und GPT 5.5 von OpenAI übertreffen soll. Eine unabhängige Bestätigung dieser Resultate lag zunächst allerdings nicht vor.

Abstand zu den US-Spitzenmodellen wird kleiner

Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, dass Kimi K3 insgesamt noch leicht hinter den führenden proprietären US-Systemen zurückliegt, darunter Claude Fable 5 und OpenAIs neues GPT-5.6 Sol. Nach Darstellung von Moonshot AI schrumpft dieser Abstand jedoch schnell.

Beobachter ziehen bereits Parallelen zum sogenannten „DeepSeek-Moment“ Anfang 2025. Damals erschütterte erstmals ein chinesisches Modell die Annahme, die USA seien bei KI uneinholbar voraus. Die Folge waren erhebliche Verwerfungen an den internationalen Tech-Börsen.

Seitdem haben chinesische KI-Modelle weltweit an Bedeutung gewonnen. Ein wichtiger Grund ist, dass viele von ihnen als frei verfügbare Open-Source-Software angeboten werden und im praktischen Einsatz meist günstiger sind als westliche Alternativen. Marktbeobachter sehen darin einen zentralen Faktor dafür, dass der Vorsprung von OpenAI und Anthropic zunehmend kleiner wird.

Spionage- und Distillation-Vorwürfe gegen chinesische Firmen

Parallel dazu werden aus dem Silicon Valley schwere Vorwürfe gegen chinesische KI-Anbieter erhoben. Unternehmen wie Anthropic beschuldigen Moonshot AI und andere Firmen, amerikanische Spitzentechnologie unrechtmäßig genutzt zu haben.

Im Zentrum steht die Methode der „Distillation“. Dabei sollen Fähigkeiten leistungsstarker US-Modelle systematisch extrahiert worden sein, um damit eigene chinesische Systeme zu trainieren. Die US-Regierung stuft ein solches Vorgehen als feindlich ein und hat ein hartes Durchgreifen angekündigt. Aus Sicherheitsbedenken wurden in den USA zuletzt sogar Veröffentlichungen neuer Spitzenmodelle verzögert.

Aus China werden die Vorwürfe zurückgewiesen.

Moonshot AI vor weiterem Wachstum

Für Moonshot AI könnte der technologische Fortschritt auch finanziell weitreichende Folgen haben. Das Start-up wird in einer laufenden Finanzierungsrunde mit 31,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Berichten zufolge bereitet das Unternehmen bereits einen Börsengang in Hongkong vor, um weiteres Kapital für den teuren Wettbewerb um die KI-Spitze einzuwerben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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