Mehr Baugenehmigungen in Deutschland – Wohnungsbau bleibt dennoch in der Krise
In Deutschland werden wieder mehr Wohnungen genehmigt. Auch im Mai setzte sich der positive Trend der vergangenen Monate fort: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 21.000 neue Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 24,7 Prozent im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres.
Der Großteil entfiel auf Neubauten. Dort wurden 17.800 Wohnungen bewilligt, weitere 3.200 Einheiten sollen in bereits bestehenden Gebäuden entstehen.
Deutlicher Anstieg seit Jahresbeginn
Auch im bisherigen Jahresverlauf zeigt die Entwicklung nach dem schwachen Vorjahr nach oben. Von Januar bis Mai wurden bundesweit 104.700 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 15,4 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Genehmigung bedeutet noch keine Fertigstellung
Baugenehmigungen gelten zwar als wichtiger Hinweis auf die künftige Bautätigkeit, doch tatsächlich fertiggestellt werden derzeit weiterhin vergleichsweise wenige Wohnungen. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen bezugsfertig. Das waren 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und zugleich der niedrigste Stand seit 2012.
Verbände sehen den Wohnungsbau weiter in der Krise
Trotz der steigenden Zahl an Genehmigungen sehen Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft die Wohnungsbaukrise nicht als überwunden an. Sie fordern einfachere Vorschriften und mehr staatliche Förderung. Der Wohnungswirtschaftsverband GdW spricht von einem weiter sinkenden Geschäftsklima.
GdW-Präsident Axel Gedaschko warnt, hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie zusätzliche Anforderungen machten viele bereits genehmigte Projekte wirtschaftlich unattraktiv. Dadurch würden Vorhaben oft nicht umgesetzt und blieben in der Schublade. Für das laufende Jahr rechnet er nur noch mit rund 200.000 fertiggestellten Wohnungen.
Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland rund eine Million Wohnungen. Besonders in Großstädten und Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Gleichzeitig sind die Ansprüche an Wohnfläche gestiegen: In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der Wohnungen deutlicher zu als die Bevölkerung. Im Schnitt stehen den Menschen in den 44,0 Millionen Wohnungen inzwischen 49,5 Quadratmeter pro Person zur Verfügung.
Regierung setzt auf schnellere Verfahren
Die Bundesregierung will den Wohnungsbau mit einem sogenannten „Bau-Turbo“ ankurbeln. Geplant sind schnellere Genehmigungsverfahren. Zudem wurden Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wieder aufgenommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber