Gut mehr als fünf Millionen Babyboomer werden nach Berechnungen des Pestel-Instituts nach dem Ende ihres Berufslebens mit weniger als 800 Euro Rente im Monat auskommen müssen. Das entspreche rund 40 Prozent der etwa 12,9 Millionen Menschen, die in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand eintreten. Die Untersuchung wurde im Auftrag der IG Bau erstellt. Gewerkschaftschef Robert Feiger warnte, dass dadurch die Sozialausgaben steigen könnten: Mit so niedrigen Renten seien viele Betroffene dauerhaft auf staatliche Unterstützung angewiesen. Spätestens die Wohnkosten könnten zahlreiche Babyboomer in finanzielle Not bringen.
Niedrige Renten treffen nicht nur Frauen
Mit „Wohnarmut“ ist das Problem gemeint, dass die Miete nach dem Renteneintritt kaum noch bezahlbar ist – besonders in teuren Städten wie München oder Frankfurt. In solchen Fällen bleibt Betroffenen oft nur der Umzug in günstigere Wohnungen, teilweise weit entfernt von ihrem bisherigen Wohnort. Zwar gibt es dazu keine umfassende Statistik, doch in lokalen Medien werden solche Fälle immer wieder bekannt.
Nach Angaben von Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, betrifft das Problem sowohl Frauen als auch viele Männer. Als Ursachen nannte er unter anderem Teilzeitarbeit, Phasen der Arbeitslosigkeit und langjährige Beschäftigung im Niedriglohnbereich.
Ohne Reformen dürfte Altersarmut zunehmen
Zwar sind viele Beschäftigte im Alter nicht allein auf die gesetzliche Rente angewiesen, etwa weil sie eine Betriebsrente, Ansprüche aus einem berufsständischen Versorgungssystem oder private Vorsorge wie eine Lebensversicherung haben. Gerade Menschen mit geringem Einkommen verfügen laut Günther jedoch oft über keine zusätzliche Absicherung. Ohne politische Gegenmaßnahmen – etwa eine Grundrente deutlich oberhalb der Grundsicherung – dürfte die Altersarmut weiter zunehmen. Günther warnte: Wer im Alter arm sei, bleibe es meist bis ans Lebensende.
Feiger verwies zudem darauf, dass der Anteil der Rentnerinnen und Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind, in den vergangenen 15 Jahren bereits von 2,5 auf 4,3 Prozent gestiegen sei. Zugleich wachse der Abstand zwischen niedrigen Renten und immer höheren Wohnkosten für die nächste Rentnergeneration weiter. Seine Forderung: Kleine Renten müssen steigen, während hohe Renten im Gegenzug auch sinken könnten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion