Internationale Schifffahrtsrouten bleiben zwar unsicher, doch die Zahl der Piratenüberfälle ist nach Angaben der Internationalen Handelskammer (ICC) deutlich gesunken. In den ersten neun Monaten des Jahres registrierte die zuständige Meldestelle der ICC weltweit 51 Angriffe und Angriffsversuche auf See. Damit lag die Zahl bei weniger als der Hälfte des Werts aus dem gleichen Zeitraum des Vorjahres und erreichte laut ICC den niedrigsten Stand seit 30 Jahren.
Die in London ansässige Meldestelle führt diese Entwicklung vor allem auf intensivere Überwachung und erfolgreiche Ermittlungen zurück. So hätten indonesische Behörden bereits im vergangenen Jahr zwei Banden festgenommen, die für Überfälle in der Straße von Singapur verantwortlich gemacht wurden. Seitdem sei die Zahl der Vorfälle in dem als riskant geltenden Gebiet zurückgegangen.
Oliver Wieck, Generalsekretär der ICC Deutschland, bewertete den Rückgang als ermutigendes Zeichen. Zugleich betonte er, dass die sinkenden Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen dürften, dass Schiffe und ihre Besatzungen weiterhin Gefahren ausgesetzt seien.
Nach der Statistik standen vier der 51 betroffenen Schiffe in Verbindung mit Deutschland. Das kann bedeuten, dass sie deutschen Reedern gehören oder von Unternehmen aus Deutschland gemanagt werden. Namen der Schiffe nennt der Bericht nicht.
Der Verband Deutscher Reeder beziffert die deutsche Handelsflotte auf rund 1.700 Schiffe. Damit liegt Deutschland weltweit auf Rang sieben.
Angespannte Sicherheitslage in anderen Regionen
Während klassische Piraterie laut ICC seltener wird, wächst in anderen Seegebieten die Bedrohung für Handelsschiffe durch militärische Angriffe. Berichten zufolge kommt es in der Straße von Hormus immer wieder zu Angriffen auf zivile Schiffe, zudem ist auch von Attacken des US-Militärs auf zivile iranische Schiffe die Rede. Im Roten Meer gefährden außerdem die mit dem Iran verbündeten Huthi den Schiffsverkehr.
Auch im Schwarzen Meer wurden zuletzt vermehrt Handelsschiffe angegriffen, teils unter Einsatz von Drohnen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) warnte, die Region entwickle sich zunehmend zu einem Kriegsschauplatz. Er machte dabei Russland für die Eskalation verantwortlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber