Die Preise für Kupfer kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. In diesem Jahr wurden zwischenzeitlich Rekordstände erreicht. An der London Metal Exchange kostet eine Tonne nach teils starken Schwankungen derzeit rund 13.000 Euro – etwa 15 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Das macht das Metall auch für Diebe attraktiv, die es etwa aus Solarparks, Ladesäulen oder unbewohnten Gebäuden entwenden.
Was macht Kupfer so besonders?
Kupfer ist ein rötlich-braunes Industriemetall, das sich gut verformen lässt und zugleich widerstandsfähig gegen Korrosion ist. Bei der Leitfähigkeit für Strom und Wärme wird es unter den Metallen nur von Silber übertroffen – Silber ist jedoch deutlich teurer.
Wofür wird Kupfer verwendet?
Kupfer ist ein Schlüsselrohstoff der modernen Wirtschaft. Es steckt in Generatoren, Stromkabeln und zahlreichen Komponenten der Energie- und Verkehrswende. Elektroautos, Ladestationen, Batterien, Stromnetze, Windkraftanlagen und Solarmodule kommen ohne Kupfer kaum aus. Auch im Bauwesen ist das Metall wichtig, etwa für Wasserleitungen, Dachrinnen oder Dacheindeckungen.
Wie dürfte sich die Nachfrage entwickeln?
Fachleute erwarten übereinstimmend einen weiteren Anstieg. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lag die weltweite Nachfrage im vergangenen Jahr bei knapp 28 Millionen Tonnen. In einem mittleren Szenario rechnet die IEA bis 2040 mit einem Plus von etwa 25 Prozent. S&P Global erwartet im selben Zeitraum sogar einen Zuwachs um rund 50 Prozent.
Warum wird mehr Kupfer gebraucht?
Ein wesentlicher Treiber ist der Boom bei Elektrofahrzeugen und Elektrobussen. In einem E-Auto steckt bis zu viermal so viel Kupfer wie in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Hinzu kommt der Ausbau der Stromnetze. Laut IEA ist insbesondere der Netzausbau in China ein zentraler Grund für den steigenden Bedarf. Auch neue Rechenzentren mit hohem Stromverbrauch erhöhen den Bedarf an Netzinfrastruktur – und damit an Kupfer.

Reicht das Angebot aus?
Ob die Nachfrage vollständig gedeckt werden kann, ist aus Sicht der IEA offen. Bis 2035 könnte eine Versorgungslücke von etwa 25 Prozent entstehen. Ein Problem ist, dass Lagerstätten mit hohem Kupfergehalt vielerorts bereits zuerst ausgebeutet wurden. Nach Schätzungen von BHP ist der durchschnittliche Erzgehalt in Minen seit 1991 um 40 Prozent gesunken. Zudem sind neue Minen teuer und brauchen viele Jahre bis zur Inbetriebnahme.
Woher kommt das Kupfererz?
Die wichtigsten Förderländer sind laut Internationaler Kupferstudiengruppe Chile, die Demokratische Republik Kongo und Peru. China folgt auf Rang vier. Chile allein steht für nahezu ein Viertel der weltweiten Erzförderung.
Wie entsteht aus Erz marktfähiges Kupfer?
Zunächst wird Kupfererz in Bergwerken gewonnen. Der Abbau benötigt große Flächen sowie viel Wasser und Energie. Aus dem Erz wird – je nach Verfahren – ein Konzentrat hergestellt. Dieses wird in Hüttenwerken eingeschmolzen und zu Rohkupfer verarbeitet. Anschließend folgt die Raffination. Das Endprodukt für den Welthandel ist die sogenannte Kathode, die an der Londoner Börse einen Kupfergehalt von 99,99 Prozent haben muss.
Wo wird Kupfer weiterverarbeitet?
Mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Rohkupfers stammt nach Angaben der Kupferstudiengruppe aus chinesischen Hütten. China hat seine Kapazitäten in den vergangenen Jahren stark ausgebaut, was die Verarbeitungspreise gedrückt hat. Zu den größten Hütten weltweit zählt auch die Anlage von Aurubis in Hamburg. Auch bei der Veredelung ist China führend.
Gehen die Kupfervorräte zur Neige?
Danach sieht es derzeit nicht aus. Der US Geological Survey schätzt, dass weltweit rund 980 Millionen Tonnen Kupfer als Reserven wirtschaftlich abbaubar sind. Darüber hinaus wurden noch deutlich größere Vorkommen identifiziert. Ein weiterer Vorteil: Kupfer lässt sich ohne Qualitätsverlust beliebig oft recyceln, weshalb auch Schrott eine wichtige Rolle spielt.
Wie könnten sich die Preise weiter entwickeln?
Die Weltbank ging in ihrem Rohstoffmarktbericht vom April davon aus, dass der Kupferpreis bis 2027 um etwa acht Prozent sinken könnte. Als einen Grund nannte sie die erwartete Produktionsausweitung in der indonesischen Grasberg-Mine, die nach einem tödlichen Erdrutsch im Vorjahr wieder mehr fördern soll. Grasberg zählt zu den größten Kupferminen der Welt.
Was bedeuten hohe Kupferpreise für Verbraucher?
Nach Einschätzung des Kupferverbands sind die Auswirkungen vor allem dort spürbar, wo große Mengen des Metalls benötigt werden – etwa am Bau. Auch der Ausbau der Stromnetze kann sich auf Netzentgelte auswirken, die Teil des Strompreises sind. Die jährliche Belastung bleibe jedoch begrenzt, weil solche Investitionen über viele Jahrzehnte finanziert würden. Bei Elektrogeräten und Fahrzeugen ist der Kupferanteil an den Gesamtkosten meist vergleichsweise klein, sodass höhere Rohstoffpreise nicht automatisch in vollem Umfang bei den Endkunden ankommen.
Wie können Anleger auf Kupfer setzen?
Wer in Kupfer investiert, sollte starke Preisschwankungen einkalkulieren. Möglich sind etwa ETCs, die die Preisentwicklung des Metalls über Derivate abbilden. Alternativ kommen Aktien einzelner Unternehmen oder Themen-ETFs infrage, die mehrere Firmen aus dem Kupfersektor bündeln. Zu den größten Fonds dieser Art zählt der „Copper Miners“ von Global X.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber