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Dieses Ehrenamt gibt Trauerfeiern und Trauernden Halt

„Trauer folgt keinem Fahrplan“: Warum eine Erzieherin jetzt Abschiede begleitet – und weit mehr tut als Trauerfeiern.

28.10.2026, 04:00 Uhr

Ehrenamtliche übernehmen Trauerfeiern: Pilotprojekt im Erzbistum Bamberg

Petra Neubauer sitzt an ihrem Esstisch zwischen Kerzenlicht, verschiedenen Bibelausgaben, Gesangbüchern und einem Ordner mit handschriftlichen Notizen. Vieles, was sie für ihren Dienst braucht, trage sie jedoch vor allem in sich, sagt die 54-Jährige aus dem Ahorntal im Landkreis Bayreuth. Die Erzieherin gehört zu den ersten Ehrenamtlichen im Erzbistum Bamberg, die für die Leitung von Trauerfeiern ausgebildet wurden.

Das Pilotprojekt des Erzbistums soll hauptamtliche Seelsorger entlasten und zugleich die Begleitung von Trauernden stärken. Acht Personen haben die umfangreiche Ausbildung inzwischen abgeschlossen.

November als Monat des Gedenkens

Vor allem in Städten werden ehrenamtliche Kräfte bereits gezielt für Trauerfeiern eingesetzt. Auf dem Land übernehmen diese Aufgabe meist weiterhin Pfarrer. Auch Neubauer lebt in einer ländlichen Gegend, steht aber bereit, wenn ihre Unterstützung gebraucht wird. Zugleich helfe ihr die Ausbildung weit über Bestattungen hinaus, etwa in Gesprächen mit Hinterbliebenen oder bei Krankenbesuchen mit der Kommunion.

Zurzeit bereitet sie einen Wortgottesdienst für Allerseelen vor. Während an Allerheiligen am 1. November traditionell die Gräber gesegnet werden, erinnert die katholische Kirche am Tag darauf an alle Verstorbenen. Der November ist in der christlichen Tradition insgesamt stark von den Themen Tod, Abschied und Vergänglichkeit geprägt – auch durch Gedenktage wie den Volkstrauertag und den evangelischen Ewigkeitssonntag.

Friedhofsvorbereitungen vor Allerheiligen
Die katholische Kirche feiert am 1. November Allerheiligen. (Symbolbild) Quelle: Uwe Lein/dpa

Neubauer gestaltet schon seit Jahren Wort-Gottes-Feiern in ihrer Gemeinde. Besonders gern arbeitet sie mit Geschichten, was sie nach eigener Aussage schon seit ihrer Kindheit begleitet. Inspiration findet sie nicht nur in biblischen Texten, sondern auch in Liedern bekannter Künstler oder in Texten aus Poetry-Slams.

Trauer braucht Raum – keine leeren Sätze

Im Allerseelen-Gottesdienst will sie den Blick darauf richten, wie unterschiedlich Menschen mit Verlust umgehen. Trauer folge keinem festen Ablauf und keinem Zeitplan, betont sie. Für sie darf kirchliche Begleitung nicht beim Organisieren eines Begräbnisses enden. Die eigentliche Trauerarbeit sei von großer Bedeutung.

Dabei warnt sie vor gut gemeinten, aber oft verletzenden Floskeln. Sätze wie "Meld dich, wenn du was brauchst", "Die Zeit heilt alle Wunden" oder "Du wirst schon darüber hinwegkommen" seien für Betroffene meist keine Hilfe. Wichtiger sei es, Gefühle zuzulassen – auch Wut und Verzweiflung.

Von der Ausbildung habe sie auch theologischen Gewinn gehabt. In einem Gespräch mit einer älteren Frau habe sie etwa Ängste vor dem Sterben und vor dem Fegefeuer auffangen können. Allein dafür, sagt Neubauer, habe sich der Kurs bereits gelohnt.

Umfangreiche Schulung für eine sensible Aufgabe

Die Leitung von Trauerfeiern gilt als besonders verantwortungsvolle und emotionale Aufgabe. Deshalb umfasste die Schulung nach Angaben des Erzbistums liturgische und rechtliche Grundlagen ebenso wie Trauerpsychologie und praktische Übungen. Bei der Beauftragungsfeier hob Erzbischof Herwig Gössl hervor, dass der Dienst am Grab zu den sensibelsten Momenten kirchlichen Handelns zähle.

Wer sich dafür ausbilden lasse, schenke Trauernden Zeit, Nähe und Hoffnung und leiste damit einen wichtigen Beitrag für die Seelsorge. Auch Ausbildungsleiter Andreas Lurz, Stadtdekan in Nürnberg, würdigte die Absolventinnen und Absolventen als engagierte Bereicherung für die Gemeinden.

Unterschiedliche Wege in Bayerns Bistümern

In den bayerischen Diözesen wird das Thema unterschiedlich gehandhabt. Im Bistum Eichstätt setzen die Verantwortlichen weiterhin in erster Linie auf Priester und Diakone sowie bei Bedarf auf Pastoral- und Gemeindereferenten.

Im Bistum Augsburg können seit März 2024 hauptberufliche pastorale Mitarbeitende mit der Leitung von Begräbnisfeiern beauftragt werden. Voraussetzung ist laut Domvikar Ulrich Müller eine pastorale Notwendigkeit, etwa bei besonders vielen Beerdigungen oder wenn ein Pfarrer aus Alters- oder Gesundheitsgründen entlastet werden muss. Für ehrenamtliche Leitungen sieht das Bistum derzeit keinen Bedarf.

Das Bistum Würzburg bietet solche Qualifizierungen für Ehrenamtliche bereits seit 2017 an. Nach Angaben eines Sprechers findet dort inzwischen jedes Jahr ein Kurs mit zehn bis zwölf Teilnehmenden statt. Gründe für den Einsatz Ehrenamtlicher seien einerseits der Wunsch nach einer engen Verbindung von Sterbebegleitung und Abschied, andererseits zunehmend auch der Personalmangel in der hauptamtlichen Seelsorge.

Evangelische Kirche: Bestattungen meist durch Pfarrer

In der evangelischen Landeskirche werden Bestattungen grundsätzlich von Pfarrerinnen und Pfarrern übernommen. Unter bestimmten Voraussetzungen können aber auch Diakoninnen, Diakone sowie Religionspädagoginnen und Religionspädagogen diese Aufgabe übernehmen – etwa nach entsprechender Fortbildung und mit einem offiziellen Dienstauftrag.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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