Zu Beginn der jährlichen Wechselzeit in der Kfz-Versicherung hat sich der jahrelange starke Preisauftrieb deutlich abgeschwächt. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox liegen die Beiträge für Auto-Policen über alle drei Sparten hinweg – also Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko – im Schnitt nur noch rund zwei Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Damit fällt der Anstieg vergleichsweise moderat aus und bleibt unter der allgemeinen Teuerungsrate. Im günstigen Tarifbereich sind die Preise demnach sogar im Mittel um knapp zwei Prozent gesunken.
Deutliche Unterschiede je nach Tarifsegment
Traditionell nutzen im November und Dezember viele Autofahrer in Deutschland die Möglichkeit, ihre Versicherung zu wechseln, um Kosten zu sparen. In den vergangenen drei Jahren war das oft schwierig, weil günstigere Angebote rar waren. Dieses Jahr zeigt sich ein differenzierteres Bild.
Bei Haftpflichtversicherungen liegen die Preise im mittleren Segment laut Verivox durchschnittlich 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Im preisgünstigen Segment sind sie dagegen um 1,2 Prozent gesunken. Für Teilkasko ergibt sich ein ähnliches Bild: Im mittleren Bereich verteuerten sich die Policen um 0,4 Prozent, während günstige Tarife etwa ein Prozent billiger wurden. Noch stärker gehen die Entwicklungen bei Vollkasko auseinander, die auch selbst verursachte Schäden am eigenen Fahrzeug abdeckt. Hier stiegen die Preise im mittleren Segment um 1,6 Prozent, im günstigen Bereich sanken sie dagegen um 2,3 Prozent.
Entwarnung gibt es dennoch nicht
Von einer echten Trendwende könne jedoch noch nicht gesprochen werden, erklärte Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Vor allem teurere Ersatzteile und höhere Reparaturkosten würden die Versicherer weiterhin belasten. Den Index erstellt Verivox gemeinsam mit dem Statistikexperten Wolfgang Bischof von der Technischen Hochschule Augsburg. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich neu abgeschlossene Verträge – nicht jedoch bestehende Policen, deren Beiträge ebenfalls steigen.
Seit 2022 massive Verteuerung
Trotz der zuletzt ruhigeren Entwicklung sind Kfz-Versicherungen heute deutlich teurer als noch vor wenigen Jahren. Nach Berechnungen von Verivox kosten Neuverträge im Durchschnitt inzwischen mehr als 50 Prozent mehr als im Jahr 2022. Hauptgründe sind die stark gestiegenen Preise für Ersatzteile sowie höhere Werkstattkosten, die die gesamte Branche zeitweise in die Verlustzone gedrückt hatten. Entlastend wirkte zuletzt allerdings, dass schwere Unwetter und andere Naturkatastrophen in Deutschland in diesem und im vergangenen Jahr weitgehend ausblieben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber