Wirtschaft

Verbands-Alarm: Lkw-Ladenetz in Deutschland stockt

Leise E-Laster auf der Autobahn? Warum ihr Durchbruch in Deutschland an einem gewaltigen Infrastruktur-Problem scheitern könnte.

31.08.2026, 05:00 Uhr

VDA: Ausbau von Lademöglichkeiten für E-Lkw liegt deutlich zurück

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält den Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrische Lastwagen in Deutschland für viel zu langsam. Nach Angaben des Verbands waren im Juli bundesweit lediglich 88 Standorte mit zusammen 355 Ladepunkten für schwere Nutzfahrzeuge in Betrieb. Damit liege Deutschland noch weit unter dem, was tatsächlich gebraucht werde. Nach den Zielen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur sollen bis 2030 insgesamt 4.200 öffentliche Ladepunkte entstehen.

Aus Sicht von VDA-Präsidentin Hildegard Müller ist die unzureichende Ladeinfrastruktur das größte Hindernis für den Hochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge. Die Industrie habe emissionsfreie Fahrzeuge längst im Angebot, doch für einen flächendeckenden Einsatz von Batterie-Lkw im Fernverkehr fehle es sowohl an ausreichend Ladepunkten als auch an ehrgeizigen Ausbauplänen in Deutschland und Europa. Zusätzlich verlangsame der stockende Netzausbau den Wandel im Straßengüterverkehr erheblich. Der Aufholbedarf sei enorm, betonte Müller.

Bis 2030 sind 350 öffentliche Standorte vorgesehen

Den Plänen zufolge sollen bis zum Jahr 2030 in Deutschland 350 öffentliche Lade-Standorte entlang wichtiger Verkehrsachsen entstehen, vor allem an Rastanlagen. Vorgesehen sind dort 1.800 besonders leistungsstarke Ladepunkte nach dem Megawatt Charging System (MCS) sowie weitere 2.400 Ladepunkte mit geringerer Leistung.

Müller fordert mehr Tempo von der Bundesregierung

Müller erklärte, derzeit sei nicht einmal ein Zehntel der geplanten Ladepunkte tatsächlich verfügbar. Zwar habe die Bundesregierung aus ihrer Sicht grundsätzlich die richtigen Maßnahmen angestoßen, nun müsse der Ausbau aber deutlich beschleunigt werden. Deutschland dürfe seine eigenen Ziele nicht verfehlen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller
VDA-Präsidentin Müller: «Der Nachholbedarf ist immens». (Archivbild) Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Nach Einschätzung des VDA reicht jedoch selbst die derzeitige Planung nicht aus. Im Fernverkehr seien E-Lkw auf besonders schnelle MCS-Ladepunkte angewiesen, um gesetzlich vorgeschriebene Lenk- und Ruhezeiten sinnvoll nutzen zu können. Deshalb müsse nicht nur die Schnellladeinfrastruktur stärker wachsen, sondern auch der Ausbau der Stromnetze konsequent vorangetrieben werden. Für das Jahr 2030 rechnet der Verband in Deutschland mit einem Bedarf von rund 4.000 Megawatt-Ladesäulen.

Auch europaweit sieht der Verband große Lücken

Europaweit standen im Juli nach VDA-Angaben lediglich 730 Ladepunkte mit mehr als 350 Kilowatt Leistung exklusiv für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Der Branchenverband Acea geht allerdings davon aus, dass bis 2030 etwa 35.000 öffentliche Schnellladepunkte nötig sein werden. Nach Auffassung des VDA reichen die bisherigen EU-Vorgaben nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen. Sie müssten stärker an die tatsächliche Marktentwicklung angepasst werden. Zudem sei die Ladeinfrastruktur innerhalb Europas sehr ungleich verteilt, was die Routenplanung erschwere. Besonders in Transitländern wie Polen und Tschechien gebe es noch große Versorgungslücken.

Probleme auch beim Laden auf Betriebshöfen

Neben öffentlichen Ladepunkten sieht der VDA auch beim sogenannten Depotladen auf Firmengeländen erheblichen Handlungsbedarf. Von den bis 2030 in Deutschland benötigten knapp 14 Gigawatt Ladeleistung würden die öffentlichen Ausbaupläne nach Verbandsangaben nur 2,6 Gigawatt abdecken. Mehr als 11 Gigawatt müssten daher privat bereitgestellt werden.

Müller kritisierte, dass Unternehmen beim notwendigen Netzanschluss weiterhin mit hohen Kosten, langwierigen Genehmigungen und großer Unsicherheit konfrontiert seien. Bei Industriebetrieben und großen Lkw-Ladehubs könne die Erweiterung der Netzanschlüsse zum Teil bis zu zehn Jahre dauern. Das sei nicht akzeptabel und bremse die Umstellung des Straßengüterverkehrs massiv. Das Laden auf Betriebshöfen müsse daher schnell und unbürokratisch ermöglicht werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen