Als Prinzessin Diana 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben kam, ahnte kaum jemand, dass ihre beiden Söhne Jahrzehnte später so zerstritten sein würden. Am 31. August, dem 29. Jahrestag ihres Todes, soll das Verhältnis zwischen Prinz William und Prinz Harry so schlecht sein wie lange nicht.
Dabei galten die Brüder früher als eng verbunden. Sie zeigten sich gemeinsam bei öffentlichen Terminen, arbeiteten bei wohltätigen Projekten zusammen und nutzten zeitweise sogar dieselbe Pressestelle. Der Bruch kam erst mit Harrys und Meghans Rückzug aus dem engeren Kreis der Royals. Spätestens nach dem Oprah-Interview, der Netflix-Dokumentation und vor allem Harrys Autobiografie "Spare" verschlechterte sich die Beziehung massiv.
Vom Bruder zum Gegner
In seinem Buch beschreibt Harry William als zugleich geliebten Bruder und erbitterten Gegner. Er schildert darin auch einen heftigen Streit, bei dem William ihn körperlich attackiert haben soll. Demnach habe er ihn am Kragen gepackt, seine Kette zerrissen und ihn zu Boden gestoßen. Der Palast reagierte nicht auf diese Vorwürfe. Für William, dem Privatsphäre äußerst wichtig ist, dürften solche öffentlichen Schilderungen besonders schwer gewogen haben.
Hinzu kommt, dass Harry, Meghan und ihre Kinder Berichten zufolge nicht mehr in den USA leben sollen, sondern inzwischen näher an Großbritannien. Offiziell ist ihr neuer Wohnort nicht bekannt. Spekuliert wird jedoch über die Cotswolds westlich von London. Damit trennt die Brüder womöglich kein Atlantik mehr, sondern nur noch eine vergleichsweise kurze Autofahrt.

Zwischen Harry und Charles vorsichtige Annäherung
Während sich Harry seinem Vater, König Charles, offenbar wieder etwas angenähert hat, bleibt das Verhältnis zu William stark belastet. Harry ließ in einem Interview erkennen, dass er sich eine Versöhnung vorstellen könne. Von William kam bislang jedoch keine öffentliche Reaktion.
Der Royal-Experte und Verfassungskenner Craig Prescott von der Universität Royal Holloway in London hält es dennoch für möglich, dass sich die Lage irgendwann verändert. Sollte William dauerhaft schweigen und hart bleiben, könnte das auf Dauer gegen ihn ausgelegt werden. Noch sei dieser Punkt nicht erreicht, sagte Prescott der Deutschen Presse-Agentur, ausgeschlossen sei ein solcher Eindruck aber nicht.
Eine Versöhnung wäre auch für die Monarchie wichtig
Nach Einschätzung Prescotts wäre eine Aussöhnung nicht nur persönlich bedeutsam, sondern auch für die Zukunft der Monarchie hilfreich. Im Idealfall, so seine Überlegung, könnte Harry sogar wieder eine aktivere Rolle im Kreis der arbeitenden Royals übernehmen. Mit Blick auf die kommenden Jahre sieht Prescott die Gefahr, dass es an präsenten Mitgliedern der Königsfamilie fehlen könnte. Neben einem künftigen König William und einer Königin Catherine könnten dann nur noch wenige andere Royals offizielle Aufgaben wahrnehmen.
Dianas Tod als tiefe gemeinsame Wunde
Dass der Konflikt der Brüder schon in der Kindheit angelegt war, wie Harrys Buch teilweise nahelegt, hält Prescott allerdings für eher unwahrscheinlich. Plausibler sei, dass Harry von William enttäuscht war, weil er sich im Kampf gegen die Boulevardpresse nicht ausreichend unterstützt fühlte.
Beide Brüder machen die Paparazzi mitverantwortlich für den Tod ihrer Mutter. Diana starb, nachdem Fotografen den Wagen verfolgt hatten, in dem sie in Paris unterwegs war. Harry zog daraus besonders weitreichende Konsequenzen: Er äußerte öffentlich die Sorge, Meghan könne ähnlichen Mechanismen ausgesetzt sein, und ging mit mehreren Klagen offensiv gegen Boulevardmedien vor.
Kann Kate vermitteln?
William hatte in den vergangenen Jahren allerdings noch andere Belastungen zu tragen als den Streit mit seinem Bruder. Bei seiner Frau Kate wurde 2024 Krebs festgestellt, sie musste sich einer Chemotherapie unterziehen. Ein Jahr später machte sie öffentlich, dass sich die Krankheit in Remission befinde. Welche Krebsart diagnostiziert wurde, ist nicht bekannt. William beschrieb diese Zeit rückblickend als brutal und als die schwerste Phase seines Lebens.
Gerade deshalb trauen manche Beobachter Kate eine besondere Rolle zu. Immer wieder wurde spekuliert, die Princess of Wales könne zwischen William und Harry vermitteln und auf ihren Mann einwirken. Sollte ihr das tatsächlich gelingen, wäre es ausgerechnet Dianas Nachfolgerin im Titel der Princess of Wales, die den Frieden zwischen deren Söhnen wiederherstellt. Mit Blick auf den 30. Todestag Dianas im kommenden Jahr wäre das für viele wohl ein hoffnungsvolles Zeichen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber