Apple bekommt in wenigen Tagen nicht nur neue iPhones, sondern auch eine neue Führungsspitze: Am 1. September übernimmt John Ternus den Chefposten. Der 51-Jährige, bislang für die Hardware verantwortlich, soll laut Medienberichten gleich zu Beginn seiner Amtszeit auch Apples Einstieg in den Markt für faltbare Smartphones ankündigen.
Ternus wird als sachkundig, zielstrebig und einfallsreich beschrieben. Das Wall Street Journal berichtete zudem, dass er in seiner Freizeit gern mit seinem Porsche auf der kalifornischen Rennstrecke Laguna Seca unterwegs sei und dort Rundenzeiten von unter 1:40 Minuten erreiche.
Schon bei der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni zeigte Apple mehr Offenheit. Ternus, damals noch als künftiger Konzernchef vorgestellt, mischte sich bei einem Empfang unter Journalisten und posierte gut gelaunt für zahlreiche Selfies.
Er tritt die Nachfolge von Tim Cook an, der den Posten vor rund 15 Jahren von dem schwer kranken Apple-Mitgründer Steve Jobs übernommen hatte. Jobs prägte die Geschichte des Unternehmens wie kaum ein anderer: Nach seiner Rückkehr entstanden unter seiner Führung der iPod, das iPhone und das iPad. Cook wiederum wurde anfangs kritisch gesehen, führte Apple später aber zu beispiellosem wirtschaftlichem Erfolg – auch mit Geräten, die unter Ternus’ Verantwortung entwickelt wurden.
Eine eng verzahnte Gerätewelt
Während Cooks Amtszeit brachte Apple unter anderem die Apple Watch und die AirPods auf den Markt und wurde damit in beiden Segmenten schnell führend. Die Datenbrille Vision Pro blieb zwar wegen ihres hohen Einstiegspreises von 3.999 Euro hinter den Verkaufserwartungen zurück, findet aber Einsatz in Bereichen wie Design und Medizin. Zugleich gilt sie als möglicher Vorläufer leichterer AR-Brillen.

Kritiker werfen Cook gelegentlich vor, Apple habe unter seiner Leitung kein ähnlich bahnbrechendes Produkt wie das iPhone mehr hervorgebracht. Ein selbstfahrendes Elektroauto hätte diese Rolle vielleicht einnehmen können. Das Projekt wurde jedoch nach angeblich rund zehn Milliarden Dollar Investitionen eingestellt – auch wegen der starken Konkurrenz, etwa durch Waymo.
Als großer Erfolg erwies sich dagegen die Entwicklung eigener Chips. Sie wurden in den vergangenen Jahren immer leistungsfähiger und sorgen dafür, dass Apples Geräte auf einer gemeinsamen technologischen Basis laufen. Genau dieses enge Zusammenspiel von Hardware und Software ist ein zentrales Element des Erfolgsmodells des Konzerns. Ternus hat an diesem Ökosystem in den vergangenen zwanzig Jahren entscheidend mitgewirkt. Im Silicon Valley begrüßen daher viele, dass nach dem Lieferketten-Manager Cook nun wieder ein klarer Hardware-Experte die Führung übernimmt.
KI als neue Herausforderung
Allerdings wartet auf Ternus sofort eine strategische Schlüsselfrage: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für Apples Zukunft? Bisher setzt der Konzern darauf, dass Nutzer auch in der KI-Ära weiter iPhones, Macs und andere Apple-Geräte verwenden werden, um KI-Dienste zu nutzen.
Rivalen aus der KI-Branche halten dagegen. Sie argumentieren, dass für diese Technologie ganz neue Gerätekategorien nötig seien. OpenAI verfolgt diese Idee besonders konsequent und holte dafür den früheren Apple-Designchef Jony Ive an Bord. Nach Angaben von Apple arbeiten inzwischen mehr als 400 frühere Apple-Beschäftigte dort. Einige Ex-Mitarbeiter beschuldigt Apple, Betriebsgeheimnisse mitgenommen zu haben, und zieht deswegen vor Gericht. Diesen Konflikt übernimmt nun Ternus mit.
Tim Cook hat seinem Nachfolger kurz vor dem Wechsel zugleich einige unangenehme Entscheidungen abgenommen. Dazu gehören Preiserhöhungen bei vielen Geräten wegen stark gestiegener Speicherkosten im Zuge des KI-Booms sowie Stellenstreichungen im Silicon Valley.
Auch politisch dürfte Ternus vorerst entlastet sein. Die heiklen Kontakte zu Präsident Donald Trump, die für US-Konzernchefs schnell zum Balanceakt werden können, wird wohl weiterhin Cook als künftiger Verwaltungsratschef pflegen. Damit könnte er seinem Nachfolger zumindest in diesem Punkt den Rücken freihalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber