Wirtschaft

Trotz Iran-Krise: Chinas Außenhandel legt überraschend zu

Chinas Exporte schießen weiter hoch – ein Boom, der die Wirtschaft stützt, aber weltweit neuen Ärger provoziert.

09.06.2026, 09:51 Uhr

China hat seine Exporte im Mai erneut deutlich gesteigert – auch die Lieferungen nach Deutschland nahmen weiter zu. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörde erhöhten sich die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gegenüber dem Vorjahresmonat, in US-Dollar gerechnet, um 19,4 Prozent. Die Importe stiegen sogar um 27,4 Prozent. Der Handelsüberschuss lag damit bei 105,4 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 91 Milliarden Euro.

Die Zuwächse fielen damit noch stärker aus als im bereits robusten Vormonat. Für Chinas Wirtschaft bleibt die Nachfrage aus dem Ausland ein wichtiger Stabilisator. Im Handel mit der Europäischen Union kletterten die chinesischen Exporte um 7,6 Prozent, während die Einfuhren aus der EU um 1,3 Prozent zurückgingen. Im Geschäft mit Deutschland legten die chinesischen Ausfuhren um 9,3 Prozent zu. Die Importe aus Deutschland sanken dagegen um 6,2 Prozent.

Kritik am hohen Handelsüberschuss

Für die Führung in Peking kommen die starken Außenhandelszahlen in einer wirtschaftlich angespannten Phase. Der Binnenkonsum entwickelt sich weiter schwach, die Krise am Immobilienmarkt belastet die Konjunktur, und in Teilen der Industrie sorgen Überkapazitäten und sinkende Preise für Druck. Der florierende Exportsektor federt diese Probleme zwar ab, verschärft aber gleichzeitig Konflikte mit wichtigen Handelspartnern. Diese werfen China vor, sein Wachstum zu stark auf Industrieproduktion und Ausfuhren zu stützen. Auch in der EU wird deshalb intensiver darüber beraten, wie sich heimische Branchen besser gegen den Wettbewerbsdruck aus China schützen lassen.

Getragen werden die chinesischen Ausfuhren unter anderem von Elektronik- und Technologieprodukten, die beispielsweise für den Ausbau von Rechenzentren benötigt werden. Hinzu kommen grüne Zukunftstechnologien wie Elektroautos, Lithium-Ionen-Batterien und Solartechnik, die zu den wichtigsten Exportgütern des Landes zählen. Zudem dürften manche ausländische Unternehmen Bestellungen vorgezogen haben, um sich gegen mögliche Unterbrechungen in globalen Lieferketten abzusichern.

Spürbares Plus im Handel mit den USA

Besonders kräftig wuchsen im Mai die chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten. Laut Zollbehörde nahmen sie um 35,4 Prozent zu, während die Importe aus den USA um 20,4 Prozent stiegen. Der ING-Ökonom Lynn Song weist jedoch darauf hin, dass der starke Anstieg bei den Ausfuhren in die USA vor allem auf einen Basiseffekt zurückzuführen sei. Im Vergleichsmonat Mai 2025 hatte der Zollkonflikt zwischen den USA und China einen Höhepunkt erreicht, wodurch die damaligen Handelswerte vergleichsweise niedrig ausgefallen waren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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