Bayern

München kippt harte Krankschreibungs-Pläne

Strengere Krankschreibung geplant: Ausgerechnet aus München kommt jetzt heftiger Widerstand – und eine klare Ansage.

03.07.2026, 15:31 Uhr

München kritisiert geplante Verschärfung bei Krankschreibungen

Die von der Bundesregierung vorgesehenen strengeren Regeln für Krankmeldungen stoßen in München auf deutliche Ablehnung. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erklärte, die Stadt werde eine mögliche Ausnahmeregelung nutzen, falls Kommunen oder Arbeitgeber von den neuen Vorgaben abweichen könnten.

Krause warnt vor falschem Signal

Nach Einschätzung des Münchner Rathauschefs zielen die Pläne in die falsche Richtung. Er kritisierte, dass Beschäftigte dadurch pauschal unter Verdacht gestellt würden. Wer krank sei, müsse die Möglichkeit haben, sich zu erholen, statt trotz Beschwerden in volle Arztpraxen gehen zu müssen.

Zugleich verwies Krause auf die ohnehin angespannte Lage im Gesundheitswesen der Landeshauptstadt. Besonders Hausarzt- und Kinderarztpraxen seien bereits stark ausgelastet. Die vorgesehenen Änderungen würden diesen Druck aus seiner Sicht noch erhöhen.

Stadt sieht mehr Aufwand statt Nutzen

Auch in einer Mitteilung aus dem Rathaus wird Kritik laut. Demnach würden eine verpflichtende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag sowie das Aus für telefonische Krankschreibungen dazu führen, dass mehr Menschen mit leichten Erkrankungen ärztliche Praxen aufsuchen müssten. Das schaffe zusätzlichen organisatorischen Aufwand.

Aus Sicht der Stadt handelt es sich dabei nicht um ein geeignetes Mittel, um Missbrauch einzudämmen. Stattdessen entstehe vor allem mehr Bürokratie, ohne dass ein klarer Vorteil erkennbar sei.

Berlin plant strengere Vorgaben

Die Spitzen von Union und SPD hatten sich in dieser Woche angesichts hoher Fehlzeiten auf schärfere Regeln verständigt. Geplant ist, die telefonische Krankschreibung ohne persönlichen Praxisbesuch zu beenden. Außerdem soll künftig grundsätzlich bereits am ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden müssen. Bislang ist dies in der Regel erst ab dem vierten Tag notwendig.

Allerdings soll es in Unternehmen weiterhin möglich sein, abweichende Vereinbarungen zu treffen. Die schwarz-rote Koalition erhofft sich von den Maßnahmen eine sinkende Zahl an Fehltagen und damit positive Effekte für die schwächelnde Wirtschaft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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